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Hamburg "Hells Angels"-Mitglied vor Gericht
Nachrichten Hamburg "Hells Angels"-Mitglied vor Gericht
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17:30 20.10.2012
Quelle: dpa
Kiel

Zwei Prozesse um Rocker-Kriminalität sorgen am kommenden Mittwoch wieder für hohe Sicherheitsvorkehrungen in Kiel. Am Landgericht muss sich der Vize-Präsident der verbotenen Kieler "Hells Angels" wegen Vergewaltigung einer jungen Zwangsprostituierten verantworten. Zweieinhalb Stunden später wird das Amtsgericht gegen zwei Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Unterstützergruppe "Legion 81" verhandeln. Dabei geht es um einen Schuss gegen die mit den "Hells Angels" verfeindeten "Bandidos", die sich angeblich in Preetz im Kreis Plön niederlassen wollten.

Der «Hells Angels»-Vize ist wegen besonders schwerer sexueller Nötigung angeklagt. Der 55-Jährige soll die junge Frau von September 2010 an dreimal vergewaltigt haben. Für das Verfahren sind acht Verhandlungstage bis Ende Dezember angesetzt.
Beim Schuss in Preetz geht es um Verstoß gegen das Waffengesetz und Verabredung zu einem Verbrechen. Ob dabei im Januar 2010 ein den "Bandidos" nahestehender Mann getroffen werden sollte oder nur ein Warnschuss abgegeben wurde, muss die Beweisaufnahme klären. Die Zielperson und deren Vater wurden nicht verletzt - der Schütze will im letzten Moment daneben gezielt haben.

In beiden Fällen vertritt Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski die Anklage. Die Verfahren sind auch deshalb brisant, weil dabei der frühere Boss der "Legion 81" Zeuge ist, den Ostrowski ebenfalls anklagt hatte. Der Aussteiger und Kronzeuge gegen die "Hells Angels" wurde unter anderem wegen Menschenhandels, Zuhälterei und Körperverletzung zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt.
Der Ex-Rocker war laut Anklage Zuhälter der jungen Frau und zwang sie, dem "Hells Angels"-Vize zu Willen zu sein. Gegen die "Bandidos" soll er einen gezielten Schuss in Auftrag gegeben und die Waffe besorgt haben. Der Aussteiger soll voraussichtlich im November gehört werden. Dass er als hoch gefährdet gilt und im Zeugenschutzprogramm ist, stellt Personenschützer und Sicherheitskräfte bei Polizei und Justiz vor besondere Anspannung.

Der vielfach einschlägig vorbestrafte Aussteiger hatte in seinem Prozess über Waffenhandel, Schutzgelderpressungen, Prostitution und angebliche Mordaufträge bei den "Hells Angels" ausgepackt. Seine Aussagen lösten im Mai 2012 maßgeblich die bislang größte Razzia gegen die Rocker in Schleswig-Holstein aus - und die wochenlange vergebliche Suche nach einem angeblich von den "Hells Angels" ermordeten Türken in einer Kieler Lagerhalle.

Nicht nur deswegen gibt es Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mannes. Er soll laut Medienberichten V-Mann der Sicherheitsbehörden in Sachsen-Anhalt gewesen sein, bevor das dortige Landeskriminalamt die Behörden bundesweit vor einer Zusammenarbeit mit ihm gewarnt habe. Der Mann habe sich als unzuverlässig erwiesen und soll auf eigene Vorteile hingearbeitet haben. Auch das Bundeskriminalamt, das ihn vernommen haben soll, soll Aussagen von ihm als unglaubhaft eingestuft haben.

Die Kieler Staatsanwaltschaft hält den Aussteiger dennoch "in wesentlichen Punkten für glaubwürdig". Auch das Kieler Landeskriminalamt hatte ihm im Prozess Glaubwürdigkeit bescheinigt.