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Hamburg Hells Angels im Norden geben auf
Nachrichten Hamburg Hells Angels im Norden geben auf
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00:16 30.12.2013
Von Bastian Modrow
Quelle: dpa
Lübeck

Vor drei Wochen wurde im Clubhaus der Hells Angels in Lübeck noch gefeiert, jetzt sind bereits Schilder und Embleme vom Haus in der Dänischburger Landstraße abgeschraubt worden. Zuletzt ging offenkundig alles ganz schnell. Ausschlaggebend für die kurzfristige Auflösung dürfte nicht zuletzt das Großaufgebot der Polizei gewesen sein, das vor drei Wochen nahezu alle Teilnehmer der Rocker-Party in der Hansestadt penibel genau überprüft hatte. Jetzt zogen die Verantwortlichen des etwa 20 Mann starken letzten Angels-Charter in Schleswig-Holstein offenkundig die Reißleine. Mit Wirkung vom 21. Dezember sei der Motorrad-Club aufgelöst worden, teilt die Gruppierung auf der Webseite Rockerportal mit. Schuld sei „der Polizeistaat“. Und: „Die schleswig-holsteinische Politik im Zusammenwirken mit Polizei, Justiz und Medien hat für alle Hells Angels in Lübeck einige grundgesetzlich garantierte und eigentlich für alle Bürger geltende Rechte außer Kraft gesetzt.“ Daher sei aus Gründen „der äußersten Vernunft“ die Auflösung beschlossen worden.

„Ich freue mich, dass die Signale auf Rückzug deuten“, sagt Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Von den Sicherheitsbehörden müsse nun beobachtet werden, ob die Aktivitäten eingestellt oder verdeckt weiter betrieben würden. „Die Begründung der Gruppe für die Schließung des Standortes ist Unsinn: Es gibt kein grundsätzliches Recht auf bandenmäßige Organisation zur Begehung allerlei Straftaten“, betont Saxe. Innenminister Breitner spricht von einem Erfolg. „Rocker-Clubs bieten einen Deckmantel für vielfältige Formen der Schwerkriminalität wie Prostitution und Drogenhandel“, betont er. Polizei, Staatsanwaltschaften, Ordnungsbehörden und Zoll werden weiterhin an einem Strang ziehen, „um dieser Schwerkriminalität den Boden zu entziehen“, bekräftigt Breitner.

Das Landeskriminalamt kündigt unterdessen an, die Entwicklung in der Rocker-Szene genau beobachten zu wollen. Neben der Auflösung des letzten Hells-Angels-Charters im Land gibt es nämlich eine weitere Nachricht aus der Szene. Demnach hat der Satudarah MC bekanntgegeben, eine neue Gruppe in Lübeck eröffnen zu wollen. Der 1990 gegründete Motorrad-Club, der bundesweit an 13 Standorten vorwiegend in Nordrhein-Westfalen vertreten ist, steht wie die Hells Angels und Bandidos im Verdacht, Geschäfte im Bereich organisierter Kriminalität zu machen. Fünf der zehn meistgesuchten Verbrecher in den Niederlanden seien Satudarah-Rocker. Die 400 Mitglieder umfassende Organisation stehe den Bandidos nahe. Gemeinsamer Kontrahent sind die Hells Angels, so die Polizei in den Niederlanden. Eine Botschaft, die künftig auch die hiesigen Fahnder beschäftigen könnte.