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Hamburg Damwild ist jetzt blind vor Liebe!
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18:50 17.09.2014
Von Günter Schellhase
Wildwechsel während der Brunftzeit kann gefährlich werden. Quelle: dpa
Kiel

Während in den anderen Kreisen die Jäger das Fallwild einsammeln, lehnen das die Jäger im Kreis Plön ab, weil sie seit zwei Jahren eine Jagdsteuer zahlen müssen. Zuständig für die Kadaver ist seitdem der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Rendsburg (LBV).

 Wie aus dem Nichts taucht der Bock aus der Böschung auf. Der Autofahrer hat meist keine Chance, rechtzeitig zu bremsen – und schon knallt es. Die meisten Wildunfälle gehen für den Menschen bis auf Blechschäden am Wagen glimpflich aus. Die Tiere werden entweder sofort getötet oder schleppen sich schwer verletzt über die angrenzenden Felder oder Wälder davon. „Wer einen Unfall hatte, muss vor Ort bleiben und die Polizei alarmieren“, sagte Marcus Börner von Landesjagdverband. Die Beamten wiederum benachrichtigen den zuständigen Jäger, der zur Unfallstelle fährt und entweder den Kadaver entsorgt oder das verletzte Tier sucht.

 Das ist die Regel – bis auf den Kreis Plön. Hier müssen die Jäger seit etwa zwei Jahren eine Jagdsteuer zahlen. „Aus diesem Grund nehmen wir diese freiwillige Leistung in Form von der Mitnahme des toten Tieres jetzt nicht mehr wahr“, sagte der Kreisjägermeister Hans-Werner Blöcker. Seine Kollegen würden den Autofahrern selbstverständlich helfen und ein verletztes Tier suchen. „Nur den Kadaver entsorgen wir nicht mehr“, sagte Blöcker. In seinem Bereich sei die Zahl der Wildunfälle aber zurückgegangen. „Das liegt an den neuen blauen Wildreflektoren, die wirksamer seien als die roten und gelben, die vorher montiert waren“, erklärt der Jäger.

 Das bestätigen auch Zahlen der Polizei: Gab es im Kreis Plön 2012 noch 1589 Unfälle, waren es im vergangenen Jahr nur 1396. Wegen der Brunftzeiten im Herbst kracht es im zweiten Halbjahr häufiger als in den ersten sechs Monaten. Das Fallwild entsorgen jetzt die Straßenmeistereien des LBV. „In der Anfangszeit hatte wir Probleme, das tote Tier zu finden, weil oftmals die Beschreibungen der Unfallstellen zu ungenau waren. Das hat sich jetzt aber eingespielt“, sagt Dienststellenleiter Matthias Paraknewitz. Der LBV hat für diese zusätzlich Aufgabe auch extra Gerätschaften wie verschließbare Wannen angeschafft.

 Passiert ein Tierunfall an einem Wochenende, kommt es schon einmal vor, dass der Kadaver bis zum Montag an der Straße liegt – so wie auch vor einigen Tagen zwischen Fiefbergen und Passade. In der Regel würden die LBV-Mitarbeiter aber spätestens am Folgetag das Fallwild einsammeln. „Die Überreste entsorgen wir vorschriftsgemäß in einer zentralen Tierkörperverwertungsanlagen“, sagt Paraknewitz. Diesen Mehraufwand verrechnet der LBV mit einer jährlichen Pauschale, die der Kreis für Unterhaltung und Instandsetzung der Straßen an die Behörde zahlt. Dafür wird dann beispielsweise eine Bankette nicht so oft gemäht wie vorher.

 Die Kosten für den Abtransport toter Tiere von den Kreisstraßen beliefen sich im vergangenen Jahr auf 17000 Euro. „Die Fallwildentsorgung von Bundes- und Landestraßen belastet unseren Haushalt nicht“, sagte Kreissprecher Horst Freitag. Die Einnahmen durch die Jagdsteuer spülten 2013 etwa 127000 Euro in die Kreiskasse. Autofahrer dürfen ein totes Tier übrigens nicht mitnehmen. „Sie begehen dann Wilderei. Das Aneignungsrecht hat nur der Revierpächter oder der Jagdausübungsberechtigte“, erklärt Börner.

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