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Hamburg Illegal entsorgter Müll: Mehr als 15 000 Anzeigen
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09:54 01.02.2020
Die Mülldetektive Sebastian Orzechowski (re) und Robert Dahlke von der Abteilung WasteWatcher der Stadtreinigung Hamburg dokumentieren den illegal entsorgten Müll im Stadtteil Bergedorf. Quelle: Tim Vogel/dpa
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Hamburg

Der illegal entsorgte Müll werde immer flächiger verteilt, sagte Reinhard Fiedler, der Sprecher. Daher stiegen die Entsorgungskosten. Insgesamt habe die Entsorgung rund 309.000 Euro gekostet. Durch Bußgelder seien etwa 389.000 Euro in die Stadtkasse geflossen, wobei die Summe allerdings nur einen Teil des Verwaltungsaufwands decke.

Um dem Müllproblem zu begegnen, hat die Stadtreinigung vor Jahren Mülldetektive, sogenannte WasteWatcher, eingeführt. Seit 2018 dürfen sie auch Personalien kontrollieren und Anzeigen stellen. So kostet eine weggeworfene Zigarettenkippe typischerweise 20 Euro, bei einem auf der Straße abgestellten Sofa kommen schnell 200 Euro zusammen, wie der Sprecher sagte.

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Die Mülldetektive Sebastian Orzechowski und Robert Dahlke von der Abteilung WasteWatcher suchen nach Hinweisen, wem der illegal entsorgte Müll gehören könnte.

Unterwegs mit den WasteWatchern

Eine fleckige Matratze, eine alte Lampe und mehrere, verrottende Versandkartons stehen im Mondschein um einige sogenannte Depotcontainer am Felix-Jud-Ring in Hamburg-Bergedorf. Ein bekannter Hotspot der «ordnungswidrigen Abfallablagerung», wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt. Müll ziehe Müll an, erklärt WasteWatcher Sebastian Orzechowski.

Er sei schon seit zwei Jahren Mülldetektiv und weiß: Die Nähe zur Autobahn, wenige Anwohner, die etwas beobachten können, und die Container, eigentlich für Papiermüll gedacht, führen dazu, dass Menschen einfach anderen Abfall dazu stellen. «Ich glaube, die Leute wissen, dass es Leute gibt, die das wieder wegräumen.» In der Tat sind schon Kollegen von der Stadtreinigung mit einem Matador – einem kleinen Lkw – da, um den Müll wegzuräumen. Doch vorher sucht Orzechowski noch nach Spuren.

Mehr Kompetenzen für die Mülldetektive

Früher hätten die Mülldetektive nur aufgeklärt, seit 2018 haben sie neue Befugnisse: Nun dürfen sie auch Anzeigen stellen, die mit einem Bußgeld geahndet werden, und dafür Personalien kontrollieren. Die deckten allerdings nur einen Teil des Verwaltungsaufwands.

Mittlerweile sind die Matratze und der andere Abfall im Felix-Jud-Ring in den Matador geladen – Orzechowski und sein Partner Robert Dahlke haben keine Hinweise auf den Verursacher gefunden. Doch wenig später - es ist immer noch dunkel - sind die Mülldetektive erfolgreich: Parkettleisten, Bauschutt, ein Klo, selbst ein Eimer Dachteer liegen auf einem Parkplatz vor einem Wohngebiet - und mittendrin mehrere Pakete adressiert an einen Patrick.

Schicht besteht aus mehreren Abschnitten

Der werde jetzt Post von der Bußgeldstelle und eventuell auch von der Wasserschutzpolizei bekommen, sagt WasteWatcher Dahlke während er seinen Fund dokumentiert. Denn der Teer sei Sondermüll, die illegale Entsorgung keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Adressen seien ein Hinweis, häufig helfen aber auch Anwohner, die etwas beobachtet und sich ein Kennzeichen aufgeschrieben haben. Manchmal gebe es auch subtile Hinweise: So habe Wasserpfeifenkohle die Ermittler einmal zu einer nahe gelegenen Shisha-Bar geführt.

Langsam wird es hell und die beiden Männer machen sich auf zum zweiten Teil ihrer Schicht: Littering-Streife in der Innenstadt. Littering bedeutet, kleinen Abfall auf die Straße zu werfen - wie zum Beispiel Zigarettenkippen, Kaugummis oder Hundekot, erklärt Annette Enk. Sie leitet bei der Stadtreinigung Hamburg die Abteilung der Mülldetektive. «Man kennt uns mittlerweile», sagt Enk. Ihr Team von 30 Detektiven sei von 6.00 bis 21.00 Uhr nach festen Streifenplänen unterwegs - im Sommer auch mal länger. Insbesondere in der Innenstadt habe sich dadurch die Lage deutlich verbessert. Nur viele Touristen seien es nicht gewohnt, für das Wegwerfen einer Zigarettenkippe belangt zu werden.

Die Leute konfrontieren ist besonders heikel

Genau nach solchen Kippen halten Orzechowski und Dahlke in der Mönckebergstraße, einer großen Einkaufsstraße in der Innenstadt, nun Ausschau. Und tatsächlich: Schon nach wenigen Minuten beobachten die beiden wie ein junger Mann seinen Zigarettenstummel auf den Boden schnippt. Freundlich sprechen sie ihn an, erklären das Verbot und bitten um seine Personalien. Je nach Einsichtigkeit und ob der Angesprochene den Müll selbst noch entsorgt, kann das bis zu 55 Euro kosten – typisch sind aber etwa 20 Euro.

«Adressen von Kartons kann jeder aufschreiben, aber die Leute direkt zu konfrontieren - das ist schwierig», sagt Dahlke. Die Uniform sei eine Art Schutzschild meint Orzechowski. In dem Job brauche es Respekt, Höflichkeit, aber auch Autorität. Zudem hätten die beiden wie alle Mülldetektive auch ein Deeskalationstraining durchlaufen.

Aufklärungsarbeit gehört auch dazu

Manchmal würden sie angeschrien, zu Handgreiflichkeiten komme es aber nie. Im schlimmsten Fall rufen sie die Polizei. An diesem Tag bleibt es ruhig: Weder der junge Mann noch fünf andere Zigarettenschnipser, die die WasteWatcher in der nächsten Stunde entdecken, leisten Widerstand. Einige bedanken sich sogar für die Arbeit der Mülldetektive.

Das sei typisch, meint Dahlke. Denn: «Jeder macht es.» Die ältere Dame oder junge Arzt - alle würden mal etwas gedankenlos wegwerfen. Mit seiner Aufklärungsarbeit habe Dahlke aber das Gefühl, dass er etwas erreichen könne. Orzechowski ergänzt, die Hauptaufgabe sei Präsenz zu zeigen. Wenn die Leute ihren Müll korrekt entsorgen, sei es angenehmer für alle und der Umwelt gehe es besser. Seine wichtigste Motivation für seine Arbeit als Mülldetektiv: «Ich möchte meine Stadt sauber halten.»

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Von RND/lno/pat

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