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Hamburg Kanal für große Schiffe dicht
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19:10 06.03.2013
Von Frank Behling
Aufgrund von Schäden an den Toren der großen Schleusen bleiben in Brunsbüttel die beiden großen Schleusenkammern voraussichtlich bis Ostern außer Betrieb. Quelle: FB
Brunsbüttel

Bis auf Weiteres dürfen keine Schiffe mehr in den Kanal, die länger als 125 Meter und breiter als 20,5 Meter sind. Normalerweise beträgt die maximale Länge 235 Meter und die maximale Breite 32,2 Meter. Gleichzeitig ist der maximale Tiefgang auf 6,20 Meter begrenzt, statt der üblichen 9,5 Meter.

Die Landesregierung in Kiel reagierte heftig auf die Sperrung. „Ich bin entsetzt über diese Nachricht“, erklärte Ministerpräsident Torsten Albig aus Frankreich, wo der SPD-Politiker die Partnerregion Pays de la Loire besucht. „Wenn es noch eines Beweises für das Versagen der Bundesregierung bedurft hätte, jetzt haben wir ihn: Da die Schleusentore nicht rechtzeitig saniert wurden, verstopft eine der wichtigsten Lebensadern für unsere Wirtschaft in ganz Deutschland.“

Dies treffe in allererster Linie den Hamburger Hafen und Schleswig-Holstein, aber auch die Wirtschaft in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. „Die Folgen sind kaum absehbar, wenn 60 Prozent des Schiffsverkehrs, der normalerweise durch den Kanal fährt, den Umweg um Skagen nehmen muss“, äußerte Albig. „Ich fordere den Bundesverkehrsminister auf, endlich seine zögerliche Haltung mit Blick auf die Sanierung der Schleusen und des gesamten Kanals aufzugeben und zu handeln.“ Der Norden erwarte ein klares Bekenntnis des Bundes zum Kanal. „Die Bundeskanzlerin ist aufgerufen, ihren Behörden endlich Dampf zu machen. Es gilt, Schaden von Deutschland abzuwenden.“

Alle im Nord-Ostsee-Kanal befindlichen Schiffe werden nach Mitteilung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel noch aus dem Kanal ausgeschleust. Solange in Brunsbüttel ausgeschleust wird, können Schiffe, die Richtung Ostsee unterwegs sind, noch in den Kanal eingeschleust werden. Etwa ab Mitternacht geht aber in Brunsbüttel fast nichts mehr.

Die Sperrung der Schleusen wird voraussichtlich bis Ostern dauern, hieß es aus Behördenkreisen. Der Gesamtzustand der Schleusen ist so schlecht, dass alle Notreparaturen erfolglos waren. Zusätzlich zu den beiden großen Kammern ist auch die kleine Südkammer der alten Schleusen überraschend ausgefallen.

Von einer Katastrophe für den Schiffsverkehr in Nordeuropa und für Deutschlands Ruf als Industrienation sprach die CDU-Fraktion. Es sei dringend an der Zeit, bundesweit eine parteiübergreifende Allianz für den Kanal zu bilden. Fraktionschef Johannes Callsen forderte, das Thema nicht für den Bundestagswahlkampf auszuschlachten. „Es hilft überhaupt nicht, jetzt gegen das Bundesverkehrsministerium und die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zu arbeiten.“

Bereits Anfang der Woche war die große Nordschleuse für Reparaturen stillgelegt worden. Seit Anfang der Woche gab es nun auch Probleme mit der großen Südschleuse. In der Nacht zum Montag musste die Zufahrt in Brunsbüttel bereits gesperrt werden, damit die Führungen der Schleusentore durch das Spülen mit Wasser wieder freigelegt werden konnten.

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