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Hamburg Feuchte Moore gegen dicke Luft
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07:00 14.04.2015
Von Paul Wagner
Gerrit Werhahn, Projektmanager der Baustelle Königsmoor (l.) mit Umweltminister Robert Habeck im Moor. Quelle: Wohlfromm
Christiansholm

Mannshohe Wälle aus Torf erstrecken sich auf einer Länge von 2030 Metern rund um eine einstige Koppel, die jetzt langsam wieder mit Wasser volllaufen soll. Mehrere Wochen dauerten die Erdarbeiten, die den Grundstein dafür legen sollen, das Moor in den kommenden Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten in seinen Urzustand zurückzuversetzen. Denn: Gerade einmal einen Millimeter pro Jahr wächst die Torfschicht am Grund des Moores in die Höhe. Vorfinanziert wird das Projekt von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, einer Tochter der Stiftung Naturschutz. Gestern kam Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ins Königsmoor, um sich den Abschluss des ersten Bauabschnitts anzusehen.

 Zum Vor-Ort-Termin waren auch einige Bauern von den angrenzenden Höfen gekommen, deren Familien das Moor in den vergangenen einhundert Jahren trockengelegt hatten. Habeck unterstrich, dass es aus damaliger Sicht sicher kein Fehler gewesen sei, die Flächen zu kultivieren und große Drainagen zu verlegen. Doch jetzt sei es an der Zeit, Moorlandschaften wieder verstärkt zu fördern und zu schützen. Deshalb habe er gern die Schirmherrschaft zur Renaturierung übernommen. „Moore sind unsere größten Kohlenstoffspeicher“, sagte Habeck. „Im ehemals moorreichen Schleswig-Holstein haben wir also einen Schlüssel in der Hand, um einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele zu leisten.“

 Nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich jetzt auch Schleswig-Holstein an dem Projekt Moor Futures. Mit der Aktion werden sogenannte Klimaschutzzertifikate verkauft. Diese umfassen das rechnerische CO2-Einsparpotenzial des Moores. Exakt 40720 Tonnen des Treibhausgases werden mit der Fläche in den kommenden 50 Jahren vermieden. Ebenso viele Zertifikate kommen zum Stückpreis von 54 Euro plus Mehrwertsteuer in den Verkauf. So können Privatleute, kleine und mittelständische Unternehmen oder Organisationen erstmals im kleinen Stil CO2-Zertifikate kaufen und damit Emissionen ausgleichen, die im eigenen Betrieb, durch Veranstaltungen oder bei Autofahrten entstehen.

 Zu den ersten Käufern der Zertifikate in Schleswig-Holstein gehören Ingrid und Jürgen Schmidt aus Kaltenkirchen. Die Naturliebhaber besuchen immer wieder Moore in ganz Deutschland und hatten in der Zeitung von Moor Futures gelesen. „Für uns steht dabei der Naturschutzgedanke im Vordergrund“, erklärte Jürgen Schmidt. „Mit den fünf Zertifikaten, die wir für 250 Euro gekauft haben, können wir fünf Tonnen CO2 vermeiden.“

 Und auch Michael Hillmann hat zugeschlagen. Im Auftrag seines Energie- und Gasunternehmens Wemag AG hat er Zertifikate des Königsmoores gekauft. Damit schafft es die Firma mit Sitz in Schwerin, ihren Kunden Produkte anzubieten, die zumindest rechnerisch frei von Kohlendioxid sind. „Zu unseren Kunden gehören auch Menschen in Schleswig-Holstein“, sagte Hillmann. „Unser Engagement zur Moor-Renaturierung über die Ausgleichsagentur ist somit selbstverständlich und auch folgerichtig.“

 Info: www.moorfutures.de

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