Kretschmer will „Rote Flora“ räumen lassen — Frist bis 20. Dezember
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Hamburg Hausbesitzer macht Druck
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12:41 10.12.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Seit 1989 hat die Rote Flora im Hamburger Stadtteil Sternschanze als selbstverwaltetes Projekt alle Razzien und Räumungsdrohungen überstanden Quelle: Stahl
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Hamburg

Dem seit mehr als 20 Jahren besetzten linksalternativen Hamburger Kulturzentrum „Rote Flora“ droht die Räumung. Sollten die Besetzer das ehemalige Theater im Schanzenviertel nicht noch vor Weihnachten verlassen haben, „werde ich die zuständigen Hamburger Behörden und Gerichte bitten und auffordern, mein Eigentum zu gegebener Zeit räumen zu lassen“, erklärte Eigentümer Klausmartin Kretschmer in einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Schreiben an die „Rotfloristen“. Gleichzeitig kündigte er an, für die Flora nun ein Nutzungsentgelt in Höhe von 25 000 Euro plus Mehrwertsteuer zu verlangen. „Für den Monat Dezember verlange ich kulanterweise nur die Hälfte.“

Kretschmer hat das seit 1989 besetzte Gebäude 2001 nach eigenen Angaben auf Drängen der damaligen rot-grünen Regierung für umgerechnet knapp 190 000 Euro gekauft. Seit 2011 versucht er, das rund 1770 Quadratmeter große, inzwischen wohl millionenteure Grundstück samt „Roter Flora“ wieder zu verkaufen — bislang vergeblich. Zuletzt kündigte Kretschmers Immobilienberater Gert Baer an, dass aus der Flora im Einvernehmen mit den Besetzern nun ein sechsstöckiges Kulturzentrum mit Konzerthalle werden soll. Die „Rotfloristen“ bezeichneten diese Äußerungen als „totalen Realitätsverlust“. Es sei absurd „zu glauben, das Projekt Rote Flora würde sich an Plänen beteiligen, die sich gegen all das richten, wofür wir seit Jahrzehnten politisch und praktisch kämpfen“.

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„Selbstverständlich können Sie Ihr persönliches Eigentum im Alten Flora-Gebäude und das Eigentum der dort „ansässigen“ Vereine, welches sich in meinem Gebäude befindet, herausnehmen“, heißt es in dem Schreiben Kretschmers an den Verein „Flora e.V. Verein zur Förderung der Lebensfreude im Stadtteil“ und an den Verein „Zeitpunkte — Verein zur Förderung der politischen Bildung e.V.“. Konkret betreffe das das Archiv, Küchengerätschaften, Werkstattgegenstände aus der Fahrrad- und Motorradwerkstatt „und was sonst noch Ihnen persönlich gehört“.

Sollten die Besetzer das Gebäude trotzdem weiter nutzen, will Kretschmer ihnen über seinen Berater Baer künftig monatlich 25 000 Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. „Da Sie mit Ihren vielen Partys, Konzerten und sonstigen kommerziellen Veranstaltungen erheblich höhere monatliche Einnahmen haben werden, ist das von mir verlangte monatliche Nutzungsentgelt angemessen.“ Eine weitere Duldung sei damit jedoch nicht verbunden. Denn da diese beendet sei, „begehen Sie ab sofort mit jedem Betreten meines Eigentums eine strafbare Handlung“, betonte Kretschmer und nannte dabei etwa Haus- und Landfriedensbruch. Das gelte im übrigen auch für alle Besucher, welche die „Rotfloristen“ ins Haus ließen.

Kretschmer kündigte an, aus der „Roten Flora“ nach Erhalt der Baugenehmigung ein „Flora Stadtteilkultur- und Veranstaltungszentrum“ machen zu wollen. Laut Baer beinhaltet das Vorhaben einen Konzertraum für bis zu 2500 Besucher, ein Bürgerhaus, eine Kita, einen Jugendtreff und eine Tiefgarage. In diesem Ensemble könnten sich die „Rotfloristen“ dann jederzeit einmieten.

Zuletzt hatte es erheblichen Wirbel um ein Konzert des Hip-Hop-Trios Fettes Brot in der „Roten Flora“ gegeben. Kretschmer hatte der Band Hausverbot erteilt und Strafanzeige „wegen der drohenden Straftat eines Hausfriedensbruchs“ gestellt. Erfolgreich war er damit jedoch nicht. Das Konzert fand wie geplant statt. Die Polizei schritt nicht ein, da es sich ihrer Meinung nach um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung handele.