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Hamburg Kriminalität in Hamburg gesunken – Niedrigster Stand seit 1981
Nachrichten Hamburg Kriminalität in Hamburg gesunken – Niedrigster Stand seit 1981
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16:42 07.02.2020
Andy Grote (SPD), Innen- und Sportsenator von Hamburg, spricht auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für 2019 im Polizeipräsidium teil. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hamburg

Das vierte Jahr in Folge ist die Zahl der registrierten Straftaten in Hamburg gesunken. Im Jahr 2019 seien 210 832 Delikte gezählt worden, 7762 Fälle oder 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Freitag.

Das sei der niedrigste Stand seit 1981. Zugleich verbesserte sich die Aufklärungsquote im vergangenen Jahr von 45,8 auf 46,7 Prozent. Das Risiko, in Hamburg Opfer einer Straftat zu werden, sei statistisch so gering wie seit 1979 nicht mehr. Die vollständige Kriminalstatistik soll erst in einigen Wochen veröffentlicht werden.

„Die Stadt wächst, die Kriminalität sinkt“

„Zum vierten Mal in Folge konnten wir die Zahl der Straftaten senken“, sagte Innensenator Andy Grote (SPD). Für 2015 hatte die Polizei-Statistik noch 243 959 Delikte ausgewiesen. „Die Stadt wächst, die Kriminalität sinkt“, betonte Grote. Es gebe einen „verfestigten Abwärtstrend“.

Der Senator hob besonders die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen hervor. Deren Zahl habe sich innerhalb von vier Jahren halbiert und liege mit 4313 Fällen auf dem niedrigsten Stand seit 1974. Im Vergleich zu 2018 betrug der Rückgang 6,3 Prozent.

Anstieg bei Sexualstraftaten

Allerdings sank auch die Aufklärungsquote in diesem Bereich von 8,5 auf 7,8 Prozent. Zudem schützen sich die Hamburger offenbar besser. Bei fast jedem zweiten Einbruch (48 Prozent) gaben die Täter auf. Rückgänge verzeichnete die Polizei auch bei Fahrrad- und Autodiebstählen sowie bei der Gewaltkriminalität. Anstiege gab es bei Sexual- und Drogendelikten sowie bei Enkeltrickbetrügereien.

Die Polizei zählte im vergangenen Jahr 46 vorsätzliche Tötungsdelikte in Hamburg, 13 Taten wurden vollendet, in den übrigen 33 Fällen blieb es beim Versuch. Im Jahr davor waren 59 Mord- und Totschlagsdelikte in die Statistik aufgenommen worden, davon 20 vollendete Taten. In vier Fällen setzten die Täter 2019 Schusswaffen ein, in 22 Fällen ein Messer. In gut zwei Drittel der Taten kannten sich Täter und Opfer.

Der Jahresvergleich ist jedoch wenig aussagekräftig. Die Polizei erfasst nach Angaben einer Sprecherin nur aufgeklärte Taten oder Delikte, die trotz umfangreicher Ermittlungen nicht aufgeklärt werden konnten. Es kommt also vor, dass eine Tat aus dem Jahr 2019 erst in einer späteren Statistik auftaucht.

Fast 2000 Messerstraftaten

Erstmals zählte die Hamburger Polizei in einer gesonderten Rubrik die Messerstraftaten, und zwar 1191. 857 Mal wurde mit einem Messer gedroht, 334 Mal zugestochen. Einen direkten Vergleichswert gibt es noch nicht.

169 Mal wurde ein Messer bei den 2540 gefährlichen Körperverletzungen auf öffentlichen Wegen und Plätzen eingesetzt. Von den insgesamt 1822 Raubstraftaten wurden 250 mit einem Messer verübt, wie die Sprecherin sagte. Straftaten auf Bahnhöfen und dem Flugplatz werden nicht von der Hamburger, sondern von der Bundespolizei erfasst.

Fälle kinderpornografischer Videos häufen sich

Den Anstieg bei den Sexualstraftaten von 6,9 Prozent auf 1776 Delikte sei vor allem auf die Verbreitung verbotener pornografischer Schriften zurückzuführen, sagte der neue Leiter des Landeskriminalamts, Mirko Streiber.

Immer häufiger würden Fälle bekannt, bei denen Schüler im Klassenchat kinderpornografische Videos herumschickten. Bei den schweren Sexualdelikten wurden 873 Fälle gezählt, das waren 16 Taten (0,9 Prozent) mehr als 2018. Die Polizei erfasste 223 Fälle von Exhibitionismus, 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zweifel an der Seriosität der Statistik

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter äußerte Zweifel an der Seriosität der Statistik: „Die Spielregeln der PKS (polizeiliche Kriminalstatistik) werden von denjenigen immer wieder angepasst und verändert, die sie veröffentlichen - der Politik.“ So werde ein Betrug im Internet nur dann mitgezählt, wenn der Tatort bekannt sei, erklärte der Landesverband des Kriminalbeamtenbundes.

Auch die FDP-Bürgerschaftsfraktion machte auf das Dunkelfeld der nicht erfassten Straftaten aufmerksam. „Als besonders dramatisch erachten wir die explosionsartig angestiegenen Betrugsdelikte“, erklärte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Carl Jarchow. Lob bekam die Hamburger Polizei von CDU, SPD und AfD.

CDU beklagt mangelnde Unterstützung der Polizei

Der CDU-Innenpolitiker Dennis Gladiator beklagte eine mangelnde Unterstützung der Polizei durch die Politik. „Die wichtige politische Rückendeckung lässt der rot-grüne Senat allzu oft vermissen, stattdessen werden Polizisten gekennzeichnet.“ Der Senat müsse die Digitalisierung vorantreiben, damit die Polizei die Cyber- und Betrugsdelikte stärker bekämpfen könne.

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Von RND/dpa

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