Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Hamburg Lebenslang für Mord an 91-Jähriger gefordert: Habgier und Heimtücke
Nachrichten Hamburg Lebenslang für Mord an 91-Jähriger gefordert: Habgier und Heimtücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:15 28.11.2019
Ein Mann soll eine 91-Jährige in ihrer Wohnung in Hamburg ermordet haben. Quelle: Boris Roessler/dpa (Archivfoto)
Hamburg

Der vermeintlich natürliche Tod einer 91-Jährigen in Hamburg-Rissen im September 2017 ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eindeutig ein Mord gewesen. Der seit Ende Mai laufende Prozess habe den 75 Jahre alten Angeklagten der Tat überführt. Er müsse wegen heimtückischen Mordes aus Habgier zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden, forderte Staatsanwältin Maria Hutka am Donnerstag im Landgericht Hamburg. Alle Anklagepunkte hätten sich bestätigt.

Der Angeklagte habe die demente, erblindete und im Rollstuhl sitzende Frau am 7. September 2017 in ihrer Wohnung mit einem weichen Gegenstand wie einem Kissen erstickt. Das hätten die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergeben. Die Frau, deren Vertrauen sich der 75-Jährige seit 2011 erschlichen habe, sei arg- und wehrlos gewesen.

Seit Dezember 2018 in Untersuchungshaft

Der vom Angeklagten gerufene Hausarzt hatte zunächst einen natürlichen Tod bescheinigt. Nur durch eine misstrauisch gewordene Pflegedienstmitarbeiterin waren die Ermittlungen in Gang gekommen. Der Angeklagte habe bei der Polizei immer wieder andere Angaben zu den Todesumständen gemacht. Angeblich hatte er sie nach einem Sturz mit dem Rollstuhl tot aufgefunden. Im Dezember 2018 wurde er festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der 75-Jährige habe sich auch des gewerbsmäßigen Betruges in 37 Fällen schuldig gemacht, sagte die Staatsanwältin. Obwohl ihm bewusst gewesen sei, dass die Seniorin nicht mehr geschäftsfähig gewesen sei, habe er sie immer wieder Überweisungen unterschreiben lassen. So habe er rund 40 000 Euro von ihren Konten geplündert. Als praktisch kein Geld mehr vorhanden war, habe er die Frau getötet, um als Alleinerbe die Wohnung für mehr als 200 000 Euro verkaufen zu können. Das Geld habe er verwendet, um seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren. Dafür sei er bereit gewesen, buchstäblich über Leichen zu gehen. Die Tat offenbare eine "erschreckende, hochgradige Geringschätzung des menschlichen Lebens".

Gegenüber Zeugen habe sich der Angeklagte als Mikrobiologe, Biochemiker oder Professer für Biologie ausgegeben. Tatsächlich habe er sein Biologiestudium nach zwei Semestern abgebrochen. Er habe Industriekaufmann gelernt und als Handelsvertreter sowie in einem Lokal gearbeitet. "Der Angeklagte ist ein Betrüger, ein Hochstapler und des heimtückischen Mordes schuldig", sagte Hutka. Die Tat lasse sie erschaudern.

75-Jährige hat 16 Vorstrafen

Der 75-jährige hat 16 Vorstrafen, wie aus den vom Vorsitzenden Richter verlesenen Eintragungen hervorgeht. Auf einen Fall ging die Staatsanwältin ausführlicher ein. Demnach hatte sich der Angeklagte bereits 1999 um eine alte Frau in Hamburg gekümmert und deren Wohnungsschlüssel bekommen. Die Schwiegertochter hörte zufällig davon und bat den Angeklagten, sie bei einem Notfall zu verständigen. Nach einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt erfuhr sie von Nachbarn, dass ihre Schwiegermutter zehn Tage nach dem Gespräch gestorben war.

Der Angeklagte hatte bereits die Beerdigung veranlasst, die Wohnung leer geräumt, das komplette Inventar verkauft und das gesamte Bargeld abgehoben. Die Zeugin habe nicht gewagt, den vermeintlichen Freund der Schwiegermutter zur Rede zu stellen. Die genauen Todesumstände seien nicht bekannt. Das Amtsgericht Blankenese verurteilte den 75-Jährigen wegen Betrugs und Untreue.

Zu Beginn ihres Plädoyers hatte Hutka einen Kriminalbeamten zitiert, es sei leichter einen Mord aufzuklären als einen Mord zu erkennen. Viele Morde an alten Menschen blieben unentdeckt, so wie beinahe auch der an der 91-Jährigen. Der 75-Jährige zeigte sich unbeeindruckt von den Ausführungen der Staatsanwältin. Er machte sich Notizen. Die Verteidiger wollen ihr Plädoyer am Freitag halten, das Urteil soll am Montag verkündet werden.

Von dpa/RND

Der Zoll hat bei einer Kontrolle von Marktständen auf einem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Innenstadt mindestens ein Dutzend Fälle von Schwarzarbeit aufgedeckt.

28.11.2019
Hamburg Sommerferien-Neuregelung - Hamburg kritisiert Bayerns Absage

Die Diskussion zwischen den Ländern um eine Neuordnung der Termine für die Sommerferien in Deutschland geht weiter. Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) kritisierte am Mittwoch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für seine erneute Absage zur Neuordnung.

27.11.2019

Die Zahl der Studierenden an Hamburgs Hochschulen hat einen neuen Höchststand erreicht. Derzeit sind nach vorläufigen Zahlen 112.088 Männer und Frauen eingeschrieben.

27.11.2019