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Hamburg Tatort ohne Waffen und offiziellen Auftrag
Nachrichten Hamburg Tatort ohne Waffen und offiziellen Auftrag
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17:37 24.11.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Die Schauspieler Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke und Petra Schmidt-Schaller als Kommissarin Katharina Lorenz ermitteln auf der Insel Langeoog. Quelle: dpa
Hamburg

Eigentlich kann Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) mit allem Ländlichen wenig anfangen. Der in Hamburg aufgewachsene Kommissar liebt die Großstadt, den Lärm und sogar die Hundescheiße auf St. Pauli. Ganz anders sein bester Freund und Ex-Kollege Jan Katz (Sebastian Schipper): Der hat mit Frau Mimi und Neugeborenem auf Langeoog sein Glück gefunden. Und zwischen Angeln, Dünen und einem ausgelassenen Abend erscheint es kurz so, als könnte Falke den Urlaub auf der ostfriesischen Insel genießen. Doch das Idyll wird jäh zerstört: In den Dünen entdeckt eine Joggerin eine Frauenleiche. Blutverschmiert, verstört und nur mit Boxershorts bekleidet sitzt Jans Schwager Florian daneben.

Hauptkommissar Falke und Kommissarin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) hatten im April dieses Jahres einen ordentlichen Einstand gegeben: Zwar übertraf das neue NDR-Duo in der ARD-Reihe nicht - wie zuvor Til Schweiger in Hamburg und die Kollegen Axel Prahl/Jan Josef Liefers aus Münster - die Zwölf-Millionen-Marke, aber immerhin zehn Millionen Zuschauer schalteten damals ein.

Nun wartet auf Falke, der ein Ermittler für den ganzen Norden sein soll, ein Fall auf Langeoog. Nach dem schnellen, aufreibenden ersten Fall „Feuerteufel“ ist „Mord auf Langeoog“ krasses Kontrastprogramm. Vor idyllischer Kulisse erzählt Regisseur Stefan Kornatz eine sehr persönliche Geschichte über Freundschaften, Familie und Loyalität - und setzt dabei auf Ruhe statt Waffen und physische Gewalt.

Der Mord in den Dünen offenbart, dass auch Katz.’neues Leben nicht eitel Sonnenschein ist. Das Paar streitet über Florian, Mimis 16-jährigen Bruder, der seit dem tödlichen Unfall der Eltern traumatisiert ist und bei ihnen wohnt. „Florian ist Sperrgebiet“, erklärt Katz. Obwohl selbst nicht von der Unschuld seines jungen Schwagers überzeugt, bittet er Falke noch am Tatort in den Dünen, sich in die Ermittlungen einzumischen.

Die Leiterin der Mordkommission Aurich, Christine Brandner (Nina Kunzendorf) ist wenig begeistert vom Engagement des Urlaubers. Für sie ist der Fall ohnehin klar: Florian hat die Hamburger Galeristin Bella getötet. Alle Indizien sprechen gegen den Jugendlichen. Und der kann sich weder an die Tatnacht erinnern, noch wehrt er sich gegen die Anschuldigungen: Er schweigt und pult sich die Finger blutig. Einzig Falke vertraut er — und so bleibt Brandner nichts anderes übrig, als den Kollegen aus der Hansestadt hinzuzuziehen.

Falke wiederum ist auf seine Kollegin Lorenz angewiesen. Am Telefon bittet er sie um Hilfe: „Das ist ‘ne Insel, ich kann hier nicht weg.“ Lorenz kauft kurzerhand Gummistiefel und reist nach Langeoog. Zwischen Ermittlungen im Watt und einer gemeinsamen Nacht im Hotel nähern sich die beiden an. Während Falke die junge Juristin im ersten Fall noch loswerden wollte, merkt er nun zunehmend, was er an ihr hat: „Sie bleiben? Das find.’ich gut.“

Ohne Waffen und offiziellen Auftrag stößt das Duo bei den Ermittlungen nicht nur rechtlich an seine Grenzen: Klischeegetreu geben sich die Insulaner wortkarg. Natürlich ist es auch der gutmütige Inselkollege, der den Hauptverdächtigen auf der Fähre entwischen lässt. Anders als auf dem Hamburger Kiez kommt Falke mit seiner lockeren Art beim lokalen Drogendealer Gegge (Jan Georg Schütte) nicht weiter: „Ich find.’dich jetzt schon scheiße, Falke aus Hamburg.“

Während die Handlung des NDR-Krimis sich manchmal in die Länge zieht, gewinnen die Hauptdarsteller zunehmend an Konturen. Da ist die Freundschaft zwischen Falke und Katz, die durch die neue Familiensituation auf eine harte Probe gestellt wird. Da sind die Spannungen zwischen Katz und Mimi. Und da ist die Beziehung zwischen Falke und Lorenz. Vieles bleibt unausgesprochen, wenig ist gewiss - und nicht immer sind die Entwicklungen für den Zuschauer offensichtlich.

Für die „echten“ Langeooger dürften die Mordermittlungen auf ihrer idyllischen Insel indes tatsächlich Neuland gewesen sein. Langeoog ist alles andere als die Hochburg des Verbrechens: Seit Jahrzehnten hat es dort kaum Kapitalverbrechen gegeben. Die beiden Ortspolizisten beschäftigen eher kleinere Fälle: Diebstähle und Verkehrsdelikte - begangen natürlich mit dem Fahrrad.