Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Hamburg Nachhilfe: Zahl der Schüler steigt
Nachrichten Hamburg Nachhilfe: Zahl der Schüler steigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:21 03.03.2013
Der Nachhilfe-Lehrer Jack Sturm und sein Schüler Florian lernen in einer Nachhilfe-Schule Englisch. Quelle: dpa
Lübeck

Während die Zahlen der Nachhilfeschüler in Hamburg konstant bleiben, nehmen sie in Schleswig-Holstein zu. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. So verzeichnet die Studienkreis GmbH im nördlichsten Bundesland in den vergangenen Jahren Schülerzuwächse von bis zu zehn Prozent. In Hamburg findet im privaten Nachhilfeunterricht hingegen eine Verschiebung statt: Mehr Gymnasiasten und Grundschüler greifen auf Nachhilfe zurück. Am Gymnasium liege der Nachhilfeanteil bei fast 50 Prozent, sagte Kai Pöhlmann, Institutsleiter von Abacus in Hamburg, einer der größeren Anbieter auf dem Markt.

Diese Entwicklung ist unter anderem auf die Verkürzung von neun auf acht Gymnasialjahre zurückzuführen. Zudem sei das Bewusstsein dafür gestiegen, wie wichtig Bildung ist, ergänzte Sabine Angelkorte von der Schülerhilfe. „Nicht nur bei ehrgeizigen Eltern, sondern bei den Schülern selbst.“ Der gestiegene Leistungsdruck führe dazu, „dass schon Grundschüler zur Nachhilfe geschickt werden, damit sie eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen“, sagte Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein. Nachhilfe werde mehr und mehr zu einem dauerhaften privaten Zusatzunterricht, sagte Schauer.

Seit das Sitzenbleiben in Hamburg passé ist, springt die Stadt mit einer kostenlosen Förderung ein. Sobald ein Schüler ein Defizit hat, muss er in den Extra-Unterricht, bis er das Leistungsdefizit wieder wettmacht. Rund 20 000 Schüler nehmen die städtische Förderung jährlich in Anspruch, sagte Peter Albrecht, Pressesprecher der Schulbehörde. Etwa ein Drittel der Schüler kommen aus sozial benachteiligten Familien, so Albrecht.

Laut Angelkorte spielt es keine Rolle, aus welcher sozialen Schicht ein Schüler stammt: Sowohl Kinder aus wohlhabenden Familien als auch aus Familien, die Hartz IV beziehen, würden zur Schülerhilfe kommen. Beim Anbieter Studienkreis in Schleswig-Holstein habe durch die Bildungsgutscheine nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz die Zahl der Schüler aus einkommensschwächeren Familien zugenommen, sagte Pressesprecherin Silke Schenk.

Immer mehr Schulen in Schleswig-Holstein versuchen jedoch inzwischen, den Nachhilfeunterricht selbst zu organisieren. „Meine Schule vermittelt zum Beispiel Oberstufenschüler als Nachhilfelehrer an schwächere Kinder“, berichtete Florian Lienau, stellvertretender Landesschülersprecher für Gymnasien. Tatsächlich werden nach Angaben Schenks nur und 20 Prozent des Nachhilfeunterrichts von professionellen Anbietern abgedeckt.

Teilweise müssen die Eltern für die private Nachhilfe ihrer Sprößlinge tief in die Tasche greifen. Bei Abacus kostet eine Einzelstunde zum Beispiel 24,50 Euro. Bei der Schülerhilfe und dem Studienkreis kosten 45 Minuten Gruppenunterricht knapp neun Euro. „Es gibt auch Leute, die das Geld richtig zusammenkratzen“, sagte Dirk Mescher, Geschäftsführer der Hamburger GEW. Er sieht das skeptisch: „Der Weg, das schulisch anzubieten, ist der richtige. Da kommt es nicht aufs Geld an.“

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!