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Hamburg Neonazi-Lehrerin fliegt zufällig auf
Nachrichten Hamburg Neonazi-Lehrerin fliegt zufällig auf
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00:17 08.03.2013
Von Bastian Modrow
Der Verfassungsschutz verfolgt rechtsextreme Tendenzen. Quelle: dpa
Reinfeld/Kiel

Maren P. war beliebt – bei Kollegen ebenso wie bei Kindern und Eltern. Seit 2004 unterrichtete die Pädagogin an der Matthias-Claudius-Schule in Reinfeld, engagierte sich in Projektgruppen. Noch im Sommer 2012 hatte die 57-Jährige mit Jungen und Mädchen einen Schulgarten angelegt. Wenige Wochen später kündigte die angestellte Pädagogin ihren Job, um unangenehmen Fragen ihres Dienstherren auszuweichen.

„Durch Zufall war über Dritte der Verdacht an uns herangetragen worden, dass Frau P. Mitglied einer rechtsextremen Organisation sein sollte“, sagt Thomas Schunck vom Bildungsministerium.

Tatsächlich gab es zu dem Zeitpunkt bereits Dutzende Einträge im Internet über die politische Gesinnung der Frau. Auf diversen Web-Seiten ist nachzulesen, dass Maren P. seit 2005 im Vorstand des „Ferienheims Schönhagen“ tätig ist. Hinter der Einrichtung steckt der „Bund für Gotterkenntnis“ (BfG) – ein Verein, der auf dem Osselberg bei Schierensee ein Kinder- und Jugend-Freizeitlager betreibt. Der BfG orientiert sich an rassistischen Thesen von Erich und Mathilde Ludendorff (siehe Text unten).

Auf Nachfrage bestätigt Dieter Büddefeld, Leiter des Verfassungsschutzes Schleswig-Holstein, dass sowohl das Ferienheim als auch Maren P. als Funktionärin der radikalen Organisation seiner Behörde seit Längerem als extremistisch bekannt sei. „Der Umstand, dass die Person als Lehrerin im Landesdienst beschäftigt war, ist erst durch ein Schreiben des Bildungsministeriums im September 2012 bekannt geworden“, sagt Büddefeld. Eine Überprüfung der beruflichen Hintergründe gehöre nicht zu den Standardmaßnahmen bei „nicht priorisierten Personen und Vereinigungen“, erklärte der Verfassungsschützer. Anders wäre es nur, wenn von der Gruppierung und ihren Mitgliedern gewalttätige Handlungen zu befürchten seien.

Fest steht allerdings, dass das Schulamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde bereits 1998 von Ausflügen und Klassenfahrten in das „Ferienheim Schönhagen“ abriet. Dies sei „mit den Bildungs- und Erziehungszielen der Schule nicht vereinbar“, heißt es in dem Verwaltungspapier.

Informationen über die Funktionärin Maren P., die sich auch im umstrittenen „Arbeitskreis für Lebenskunde“ engagierte, wurden weder an das Bildungsministerium noch später an die Schulleitung in Reinfeld weitergegeben. Tatsächlich habe sich die 57-Jährige, die in einem Dorf bei Bad Segeberg lebt, „keinerlei dienstliche Vergehen“ zuschulden kommen lassen, betont Ministeriumssprecher Schunck. Im Gegenteil: Kollegium, Schulleitung und Eltern hätten Maren P. stets als „Top-Lehrerin“ bezeichnet.

Der „Hamburger Morgenpost“ liegen eigenen Angaben zufolge „mehr als ein Dutzend weiterer Fälle“ vor, in denen Lehrer bei dem rechtsextremen Verein tätig waren. Das Bildungsministerium weiß davon allerdings nichts. Ministeriumssprecher Schunck: „Wir sind für jeden Hinweis dankbar und würden diese mit aller Konsequenz überprüfen.“