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Hamburg Pride in Corona-Zeiten: Hamburg feiert mit Fahrrad-Demo, in Stockholm spricht die Kronprinzessin
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Pride in Corona-Zeiten: Hamburg feiert CSD mit Fahrrad-Demo, in Stockholm spricht Kronprinzessin Victoria

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22:55 01.08.2020
Zahlreiche Menschen nahmen in Hamburg an einer Fahrraddemo zum 40. Jahrestag des Christopher Street Days (CSD) teil. Quelle: dpa
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Hamburg/Stockholm

Etwa 2500 Menschen haben am Sonnabend in Hamburg bei einer Fahrrad-Demo zum 40. Jahrestag des Christopher Street Days (CSD) teilgenommen. Dem Verein Hamburg Pride waren zwei Dinge besonders wichtig dabei, sagte dessen Vorsitzender Stefan Mielchen: „Die Versammlungsfreiheit und damit die Sichtbarkeit der queeren Community wollten wir gewährleisten – und gleichzeitig dem Infektionsschutz Rechnung tragen.“

Auch im Jahr 2020 sei es weiterhin wichtig, für gleiche Rechte für alle Menschen auf die Straße zu gehen. Das zeige auch die sich zuspitzende Situation für LGBTI in Polen, unterstrich Mielchen. „Wenn der Staatspräsident eines EU-Landes Homosexuellen das Menschsein abspricht, so wie es Andrzej Duda zuletzt getan hat, ist es unsere Pflicht, uns solidarisch an die Seite der polnischen Community zu stellen.“

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Kronprinzessin Victoria eröffnete Pride-Parade in Stockholm

Ganz ähnliche Töne schlug auch Schwedens Kronprinzessin Victoria an, die am Sonnabend eine Eröffnungsrede für den Stockholm Pride hielt. Die Veranstaltung in der schwedischen Hauptstadt findet in diesem Jahr rein digital statt. „Der Pride ist nicht nur irgendein Sommerfestival“, sagte die 43-jährige Thronfolgerin. Das Festival in Stockholm sei jedes Jahr eine wichtige Kundgebung für Menschenrechte. Zwar lägen Schweden und Skandinavien bei den LGBTI-Rechten im globalen Vergleich relativ weit vorne – das dürfe angesichts der Lage weltweit aber nicht als selbstverständlich hingenommen werden.

Der jährliche Pride sei damit eine Erinnerung an alle Fortschritte, die schon gemacht worden seien, aber auch eine Mahnung an all das, was es noch zu erreichen gelte: „Die Verantwortung dafür liegt bei uns allen – bei Euch und bei mir. Wir dürfen nicht still sein“, appellierte die Kronprinzessin. Es sei nötig, das Wort für alle diejenigen zu ergreifen, „die das nicht wagen, dürfen oder können“. Ihnen rief sie zu: „Du hast das Recht, genau der zu sein, der Du bist.“ Und sie fügte hinzu: „Wir sind viele, die hinter Dir stehen. – Ich stehe hinter Dir.“

Victoria hatte bereits im Jahr 2014 als Überraschungsgast an der alljährlichen Gala der Zeitschrift „QX“ während des Stockholmer CSD teilgenommen und dort die wichtigste Auszeichnung des Abends, „Årets homo“, verliehen. Dass sie gerade in diesem Corona-Jahr erneut die Initiative ergriff und das rein digitale Pride-Festival eröffnete, kommt bei den Schweden mehrheitlich gut an. Sie selbst sagte in ihrer Rede, dass es in der Pandemie wichtig sei, den CSD zu feiern – „wo vieles auf Pause gestellt wird und mache Entwicklungen auch Rückschläge erleben“.

Fester Programmpunkt im politischen Jahresprogramm

Auch der sozialdemokratische Ministerpräsident Stefan Löfven beteiligte sich mit einem Redebeitrag an der digitalen CSD-Kundgebung in Stockholm. Traditionell nehmen zahlreiche schwedische Politiker an der großen Parade in Stockholm teil: 2014 – also in dem Jahr, in dem Victorias ihren ersten öffentlichkeitswirksamen Auftritt bei einem Pride-Festival hatte – lief mit dem konservativen Statsminister Fredrik Reinfeldt erstmals ein schwedischer Regierungschef im Umzug mit. Seitdem gehört die Teilnahme von Regierungs- und Oppositionspolitikern genauso selbstverständlich in den politischen Jahresablauf wie etwa die Kundgebungen zum 1. Mai.

Staatsepidemiologe Anders Tegnell erklärte im Livestream zum Stockholm Pride, dass es richtig sei, diese wichtige Kundgebung auch 2020 stattfinden zu lassen – auf eine coronasichere Weise. In Schweden sind Zusammenkünfte von mehr als 50 Menschen an einem Ort wegen der Pandemie derzeit nicht gestattet.

Tschentscher und Fegebank fuhren in Hamburg mit

Auch in Hamburg zeigten zahlreiche Politiker Flagge auf der Demonstration: Im ersten Block des aus Infektionsschutzgründen aufgeteilten Teilnehmerfeldes starteten auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und die Zweite Bürgermeisterin und Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne).

Mehr als 2000 Menschen haben am Sonnabend in Hamburg bei einer Fahrrad-Demo zum 40. Jahrestag des Christopher Street Days (CSD) teilgenommen.

Vom Jungfernstieg ging es auf einer etwa acht Kilometer lange Strecke durch St. Pauli und Altona. Es kam zu Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt. Zwischenfälle gab es ansonsten keine. „Alles lief absolut ruhig“, sagte ein Polizeisprecher.

Normalerweise 200.000 Teilnehmer bei Hamburger CSD

Die sonst übliche große Parade zum CSD musste in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Aufgrund der Regeln zur Eindämmung des Virus gab es nach der Fahrrad-Demo auch keine Abschlusskundgebung.

2019 waren zur CSD-Demo in Hamburg der Polizei zufolge etwa 200.000 Menschen gekommen, etwa 90.000 davon waren bei der Demo mitgelaufen. In der schwedischen Hauptstadt kommen normalerweise Zehntausende mit Regenbogenflaggen ausgestattete Teilnehmer zur Parade und eine knappe halbe Million Zuschauer.

In vielen deutschen Städten wurden CSD-Kundgebungen in diesem Jahr komplett abgesagt.

Wurzeln der Demonstration liegen in New York

Der Christopher Street Day erinnert an den 28. Juni 1969, als Polizisten die New Yorker Schwulen- und Lesbenbar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street stürmten und so mehrtägige Proteste von Schwulen, Lesben und Transsexuellen auslösten. Der CSD soll auf die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen aufmerksam machen.

Von Thomas Paterjey/RND mit dpa