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Hamburg Seehunde sind an Grippevirus verendet
Nachrichten Hamburg Seehunde sind an Grippevirus verendet
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17:02 20.10.2014
Von Heike Stüben
Die Seehunde an der Nordseeküste sind an einem Influenzavirus gestorben. Quelle: Simone Steinhardt/dpa
Büsum

Seit Anfang Oktober sind vermehrt tote Seehunde an der Westküste gefunden wurden – insgesamt auf Helgoland, Amrum, Sylt und Föhr inzwischen 350 Tiere. Erste Untersuchungen hatten ergeben, dass die Tiere an Lungenentzündungen erkrankt waren. Die Ursache war bisher aber unklar. Jetzt steht fest, dass nicht – wie 1988/9 und 2002 – ein Staupevirus das Seehundsterben verursacht, sondern in den meisten Fällen ein Influenzavirus. In den kommenden Wochen sollen weitere Untersuchungen zeigen, welche Eigenschaften dieses Virus hat.

Seehunde können ebenso wie andere Wildtiere Erreger in sich tragen, die auch auf den Menschen übertragbar sind, betont Hendrik Brunckhorst von der Nationalparkverwaltung: „Spaziergänger sollten daher immer Abstand zu kranken und toten Seehunden oder anderen Wildtieren halten. Man soll die Tiere nicht berühren und auch Hunde angeleint auf Abstand halten. So kann einer möglichen Übertragung von Krankheitserregern vorgebeugt werden.“

Bereits im Sommer waren in dänischen und schwedischen Gewässern immer wieder tote Seehunde registriert worden. Bei sechs Tieren waren auch dort Influenzaviren nachgewiesen worden. Bisher gehen die Experten länderübergreifend davon aus, dass der Wattenmeerbestand an Seehunden – allein in Schleswig-Holstein rund 12 000 Tiere – durch die aktuellen Todesfälle nicht gefährdet ist. Denn bisher ist die Zahl der verendeten Tiere nicht vergleichbar mit denen der beiden Staupeseuchen: 1988/9 fielen der Staupe 60 Prozent, im Jahr 2002 dann 40 Prozent des Bestandes zum Opfer.

„Wir gehen davon aus, dass die Seehundgrippe ein natürlicher Vorgang ist. In unseren Nationalparks sind natürliche Prozesse möglich und gewollt“, sagt Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH). Natur seien aber nicht nur blühende Salzwiesen und riesige Vogelschwärme. „Auch der Tod ist Teil der Natur.“

Sollte sich das Grippevirus im Bestand weiter ausbreiten, sei man durch den Aktionsplan, eine Art Ampelsystem, vorbereitet. Es legt für die gesamte Westküste fest, wie auch größere Mengen toter Tiere schnell geborgen und entsorgt werden. „Wir sind jetzt in der Stufe Grün, bei der noch alles mit der üblichen Logistik zu bewältigen ist“, erklärt Hansen. Die meiste Arbeit würden zurzeit die Seehundjäger leisten, die auch sterbenskranke Tiere von ihren Leiden erlösen müssen. „Ein schwerer Schritt, für den die ehrenamtlich arbeitenden Seehundjäger Hochachtung und Dank verdienen“, findet Hansen.

Seehunde sind geschützt und dürfen nicht bejagt werden. Deshalb kümmern sich in Schleswig-Holstein rund 40 speziell geschulte Seehundjäger – die aus traditionellen Gründen diesen Namen behalten haben – um die kranken oder toten Tiere. Dabei wird nach festen Regeln vorgegangen, die die Natur-, Jagd- und Tierschutzbehörden von Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen 1997 vereinbart haben.