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Hamburg Wolf wanderte ungewöhnlich weit
Nachrichten Hamburg Wolf wanderte ungewöhnlich weit
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07:38 17.12.2013
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Der Segeberger Wolf wurde im Frühsommer 2012 von einer Fotofalle abgelichtet. Hatten Experten zunächst gehofft, das Tier werde in der Region heimisch, zog der Wolf doch weiter gen Norden. Quelle: melur
Kiel

Bei der Untersuchung genetischer Proben ist es Forschern des Instituts Senckenberg gelungen, den konkreten Weg eines Wolfes anhand der Untersuchung genetischer Proben genau zu dokumentieren. „Das Tier, das zwischen Juni und September 2012 mehrfach durch Fotofallen-Bilder und Genetikuntersuchungen im westlichen Kreis Segeberg nachgewiesen wurde, ist bis in den norddänischen Thy-Nationalpark gezogen“, erklärt Nicola Kabel vom Umweltministerium in Kiel. In Skandinavien sei das Tier im November vergangenen Jahres verstorben. „Der Rüde hatte einen Tumor am Hals, durch den er leider verhungert ist“, erklärt Walter Mahnert, Mitarbeiter des Wolfs-Informationszentrums im Wildpark Eekholt.

Auch die Herkunft des Wolfes konnte anhand genetischer Spuren geklärt werden. Das Tier stammte aus dem Milkeler Rudel in Sachsen. „Von dort aus wanderte er in den 412 Kilometer Luftlinie entfernten Kreis Segeberg, wo er den ganzen Sommer über blieb“, berichtet Ministeriumssprecherin Kabel. Es habe damals alles darauf hingedeutet, dass der dreijährige Rüde ein geeignetes Revier gefunden hatte. „Die erneute Abwanderung in das 365 Kilometer Luftlinie entfernte Thy ist ungewöhnlich“, so Nicola Kabel. Wolfsexperten gehen davon aus, dass diese zweite Abwanderung durch eine massive Störung ausgelöst wurde. Worin die Störung lag, ist nicht eindeutig geklärt. Allerdings: „Möglich ist, dass ihm schlichtweg Deckung fehlte, zumal er mit Beginn der Erntezeit verschwunden ist“, mutmaßt Experte Mahnert. Insgesamt ist das Tier weit über tausend Kilometer weit gezogen – das sei sehr selten.

Auch beim Landesjagdverband (LJV) in Flintbek hat man sich Gedanken zu den neuesten Erkenntnissen in Sachen Wolfswanderung gemacht. „Der Mensch kann natürlich einer Tierart einen Raum zuweisen. Aber das Tier entscheidet immer noch selbst, ob er den Lebensraum annimmt“, erklärt dazu LJV-Geschäftsführer Andreas Schober. Und führt weiter aus: „Wenn man sich den Wanderweg des Wolfes ansieht, wird deutlich, dass der Wolf sich nun mal seinen eigenen Weg gesucht hat, weil es ihm offenbar langfristig vor Ort nicht gefallen hat.“ Denn auch wenn Schleswig-Holstein ein Wolfsland sein möchte, sucht sich „der Wolf unser Land nicht als Wolfsland aus“.

Ungewiss ist, wo sich der zweite Wolf zurzeit aufhält, der im Mai und Juni dieses Jahres im nördlichen Kreis Dithmarschen nachgewiesen werden konnte. Allerdings: Auch hier konnten DNA-Spuren die Herkunft des Tieres enträtseln. „Die Untersuchungen am Forschungsinstitut Senckenberg ergaben, dass es sich um eine junge Wölfin aus dem gut 300 Kilometer entfernten Altengrabower Rudel in Sachsen-Anhalt handelt – das erste weibliche Tier, das in Schleswig-Holstein dokumentiert werden konnte“, berichtet Kabel.

Anfang April war ein Wolf auf der Autobahn 1 bei Bargteheide totgefahren worden. „Es ist sehr schade, dass bereits zwei Wölfe in Schleswig-Holstein dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen sind“, sagte damals Umweltminister Robert Habeck (Grüne). 2007 war auf der B76 bei Süsel in Ostholstein schon einmal ein Tier überfahren worden.

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