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Hamburg Sonnencreme zerstört Autolack
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00:18 17.08.2013
Von Heike Stüben
In den Lackiereien werden die Schäden wieder behoben. Quelle: fpr
Kiel

Wäre nur nicht dieser Platzregen gewesen. Dann hätte der Staub wenigstens bis zur nächsten Autowäsche gnädig die Flecken verdeckt. Aber nun lässt es sich nicht mehr vertuschen: Wo bisher der Autolack schwarz und schier glänzte, ist er jetzt milchig und matt. Hier ein unförmiger Flecken auf der Tür, dort gut sichtbar Fingerabdrücke auf der Motorhaube. So klar, dass sogar die Papillarleisten der Haut zu erkennen sind. Schönen Gruß vom Sommer! Erst waschen, dann polieren – lautet das erste Mittel der Wahl. Doch der Erfolg ist von kurzer Dauer. Die weißgraue Verfärbung kommt bald wieder durch. Bereits 2008 wurde von VW festgestellt: „ Diese Verfärbungen sind durch Anschleifen, Polieren und auch durch Erwärmen nicht dauerhaft zu entfernen.“

 Das bestätigen auch die Fachbetriebe in und um Kiel. „Es kommt immer darauf an, wie lange und bei welcher Temperatur die Creme einwirken konnte. In günstigen Fällen kann das aufpoliert werden. Je dunkler die Autofarbe, desto höher die Temperatur, desto größer das Problem. Sicher hilft dann nur noch eine Teillackierung“, sagt Manfred Zech von der Kieler Autolackiererei Zech. Weil die Kosten aber weder Hersteller noch Versicherung übernehmen, entscheidet sich nur selten ein Kunde für diesen Weg.

 Der Seniorchef der Lackiererei Jöhnk in Kronshagen ist sicher, dass der Lackschaden nicht allein durch die fett- oder ölhaltigen Cremes verursacht wird. „Ich kenne das Geschäft seit 70 Jahren, aber dieses Problem gibt es erst seit ein paar Jahren. Meiner Meinung nach hängt das damit zusammen, dass die Lacke von Nitrobasis auf die umweltfreundlichere Wasserbasis umgestellt wurden“, sagt Karl-Heinz Jöhnk.

 Beim Verband der Automobilindustrie VDA betont man, dass der Effekt bei allen Cremes auftreten kann. Doch die Sonnencremes stehen naturbedingt im Fokus, weil sie nun einmal bei intensiver Sonneneinstrahlung benutzt werden, und erst diese Kombination wird dem Lack gefährlich. Zunächst ging man davon aus, dass auch der Handschweiß eine wesentliche Rolle dabei spielt. An der Universität Niederrhein hat ein Forscher jedoch in Testreihen festgestellt: Sonnencreme pur greift den Autolack noch stärker an.

 Die Autohersteller haben sich längst gegen Garantieansprüche abgesichert. In den Bedienungsanleitungen stehe ausdrücklich, dass Verunreinigungen schnellstmöglich entfernt werden sollten. Dazu gehöre Vogelkot, aber auch Sonnencreme.

 Offenbar sind die Cremeflecken aber als Markt bereits erkannt. So berichtet Sven Vanini von der gleichnamigen Kieler Fahrzeuglackiererei von einer neu entwickelten Polierpaste, die mit einer speziellen Poliermaschine eingearbeitet wird. Die müssen sich die Lackierbetriebe allerdings extra anschaffen. Vorerst bleibt Sven Vaninis wichtigster Rat daher: Mikrofasertuch und Scheibenreiniger in den Kofferraum packen und Fettflecken sofort entfernen.

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