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Hamburg Hamburg plant eine Fluglärmbremse
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19:39 01.10.2019
Ein Flugzeug befindet sich über einem Wohnhaus im Stadtteil Niendorf im Landeanflug auf den Flughafen. (Archiv) Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hamburg

Die Stadt Hamburg hat den fast 50 Jahre alten Erbbaurechtsvertrag mit dem Flughafen um 60 Jahre verlängert - und gleichzeitig mehr Lärm- und Klimaschutz eingefordert. So habe sich der Airport Helmut Schmidt zu Ausgleichszahlungen verpflichtet, falls am Jahresende ein festgelegtes Lärmkontingent überschritten werde, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Dienstag in Hamburg.

Berechnet wird das in Quadratkilometern. Das meint die Fläche, in der der Lärm eine Lautstärke von mindestens 62 Dezibel erreicht. Erlaubt sind dem Flughafen nun noch 15,39 Quadratkilometer, bisher waren es 20,39 Quadratkilometer. Tatsächlich verbraucht wurden 2018 den Angaben zufolge gut 13 Quadratkilometer.

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"Wachstumsbremse für Flughafen"

Jeder Quadratkilometer über dem Kontingent bedeutet nun eine Lärmausgleichszahlung von mindestens 500.000 Euro. Die Strafzahlungen sind mit einer Progression versehen. Bei fünf Quadratkilometern mehr sind deshalb vier Millionen Euro Strafe fällig und nicht nur 2,5 Millionen Euro.

Wie viel Lärm durch startende und landende Flugzeuge verursacht wird, wird anhand des Flugzeugtyps und den Flugzeugbewegungen berechnet. "Das ist de facto eine Wachstumsbremse für den Fluglärm", sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Anwohner bräuchten so keine Angst vor mehr Lärm haben, wenn der Flughafen erweitert würde. "Der Flughafen kann nur wachsen, wenn er nicht lauter wird. Der Lärm wird nicht mitwachsen."

Bürgerinitiativen nicht überzeugt

Die Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW), sind davon nicht überzeugt. "Wenn die Flughafen Hamburg GmbH etwas 'anbietet', ist zu 100 Prozent davon auszugehen, dass es sich hierbei um Sowieso-Maßnahmen handelt", sagte BAW-Sprecher Martin Mosel. Das nur marginale Abschmelzen des "völlig überhöhten" Lärmkontigentes werde nicht zu einer mess- oder spürbaren Belastungsreduzierung führen. Die bisherige Obergrenze habe bereits eine Flugbewegungsreserve von etwa 30.000 Starts und Landungen pro Jahr enthalten.

Auch der Hamburger Landesverband des BUND kritisiert, dass die neuen Vereinbarungen den Anwohnern keinerlei Verbesserungen bringe. Der festgelegte Lärmwert sei in den vergangenen zehn Jahren nicht ein einziges Mal erreicht worden, "obwohl der Lärm seit rund fünf Jahren wieder deutlich mehr geworden ist", teilte der Umweltverband mit. "Die neue Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Flughafen bringt für eine Lärmentlastung gar nichts. Im Gegenteil, der Flughafen darf sogar noch lauter werden ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Das Ganze ist eine echte Luftnummer, die für die lärmgeplagten Menschen am Flughafen keine Verbesserung bringt", sagte Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.

Bodenbetrieb soll klimaneutral werden

Zusätzlich zu den Lärmschutzvereinbarungen will der Flughafen bis 2021 mit seinem eigenen Bodenbetrieb klimaneutral werden. Das Flughafengelände ist die größte Erbbaurechtsfläche der Hansestadt. Sie ist mehr als fünf Millionen Quadratmeter groß und verteilt sich auf mehr als 70 Teilflächen. Für die Nutzung muss die Flughafengesellschaft jährlich etwa 11,6 Millionen Euro Erbbauzins zahlen.

Von dpa/RND

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