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Hamburg Sturmböen fegen über den Norden
Nachrichten Hamburg Sturmböen fegen über den Norden
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16:14 31.01.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Die stürmische Nacht bereitete der Feuerwehr viel Arbeit. Quelle: dpa
Kiel/Hamburg

Allein in Schleswig-Holstein gab es mehr als 100 Feuerwehr- und Polizeieinsätze. Mit Windstärken bis zu 10 Beaufort (knapp 100 Stundenkilometer) aus West-Südwest hatte der Sturm in der Nacht zum Donnerstag das Wasser an der deutschen Ostseeküste hinaus auf See getrieben. In der Eckernförder Bucht lag so manches Schiff „op Schiet“. Muschelbänke wurden sichtbar wie nur selten. In Kiel pfiff der Wind hörbar durch die Straßen, warf Fahrradständer um oder drückte Zaunelemente ein. „Der Sturm nimmt einem sogar die Luft zum Atmen“, sagte ein Passant, der sich gegen heftige Böen durch die Innenstadt kämpfte.

Orkanböen und ein erhöhter Wasserstand haben in der Nacht zum Donnerstag mehrfach Polizei und Feuerwehr im Norden ausrücken lassen. Bäume wurden entwurzelt, Scheunen stürzten ein. Mancherorts sind Parkplätze und Fähranleger überflutet.

Im Kreis Pinneberg mussten die Einsatzkräfte 15-mal ausrücken. Im Kreis Segeberg kam es zu 33 sturmbedingten Einsätze. In den meisten Fällen mussten umgestürzte Bäume zerlegt und beseitigt werden. Ein Bauzaun wurd in Bad Segeberg auf die Fahrbahn geweht. In Itzstedt fiel ein Baum auf ein Mehrfamilienhaus im Steindamm und drückte Teile des Daches ein.  Auch hier musste in der Segeberger Straße ein Bauzaun demontiert und gesichert werden. Die Zugstrecke zwischen Neumünster und Flensburg war laut Bundespolizei auf der Höhe von Schleswig eine gute Stunde in der Nacht in beide Richtungen blockiert. Ein Güterzug hatte einen auf die Gleise gewehten Düngemittelcontainer erfasst, der mit der Lok verkeilte.

„Dass eine schwere Sturmflut an der Nordsee keine größeren Schäden an den Küsten verursacht, ist auch der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz zu verdanken“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne). In Dagebüll (Kreis Nordfriesland) stieg der Pegel um zwei Meter an. Der Fähranleger wurde überflutet. Ein Wartehaus wurde von den Böen umgerissen und treibt im Wasser. Auf einem Ankerplatz zwischen Helgoland und der Jademündung sind in der Nacht zwei große Schiffe kollidiert. Mehr lesen Sie hier.

Im Bereich der Elbe mussten mehrere geparkte Autos vor Hochwasser geschützt werden, sagte ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr. So standen unter anderem Teile des Fischmarkts unter Wasser. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) rechnete dabei mit einem Wasserstand von etwa 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser. „Es ist eine kleine Sturmflut, die wir jeden Winter haben, nichts besonderes“, so Sylvin Müller-Navarra, Leiter des Sturmflutwarndienst beim BSH.

Durch Sturm und Hochwasser waren auch der Fähr-, Straßen- und Zugverkehr beeinträchtigt. Die Fehrmarnsundbrücke war von 4.19 bis 9.20 Uhr für alle Fahrzeuge gesperrt, danach nur noch für Lastwagen, Wohnwagen und Anhänger, teilte die Regionalleitstelle in Lübeck mit. Die Zugstrecke zwischen Neumünster und Flensburg war laut Bahnpolizei im Bereich Schleswig eine gute Stunde in beide Richtungen gesperrt. Ein Güterzug hatte einen auf die Gleise gewehten Düngemittelcontainer erfasst, der sich unter der Lok verkeilte. Beeinträchtigungen gab es am Morgen auch beim Fährverkehr an der Nordseeküste von Dagebüll nach Amrum und zu den Halligen sowie beim Sylt Shuttle der Bahn.

Sturmartige Böen haben am Mittwochabend eine Scheune in Hamburg-Curslack zum Einsturz gebracht. Ein Windstoß zerstörte zunächst das Reetdach des leerstehenden Fachwerkhauses. „Das Alter hat den Rest dazugetan“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag. Wegen der alten Bauweise stürzte das Stallgebäude komplett in sich zusammen, Teile fielen auf die Straße. Rund 25 Feuerwehrleute waren bis in die frühen Morgenstunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Verletzt wurde niemand.

Gelassen reagierte Meteorologe Malewski, er sprach von einem „mittleren Wintersturm, und da werden noch einige folgen“. Mit einem Wasserstand von etwa 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser sah das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auch noch keine Dramatik. „Es ist eine kleine Sturmflut, die wir jeden Winter haben, nichts besonderes“, so Sylvin Müller-Navarra, Leiter des Sturmflutwarndienstes beim BSH. Ein Polizeisprecher in Flensburg meinte trocken: „Das war alles nur Pillepalle.“

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