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Hamburg Täter der Brandattacke war in psychiatrischer Klinik
Nachrichten Hamburg Täter der Brandattacke war in psychiatrischer Klinik
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12:42 14.12.2016
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
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Kiel

Ein psychiatrisches Gutachten soll die Zurechnungsfähigkeit des mutmaßlichen Täters der tödlichen Brandattacke von Kronshagen klären. Das Gutachten sei bereits bei dem Erlass des Haftbehls am 8. Dezember in Absprache mit dem Verteidiger des 41-Jährigen beschlossen worden, bestätigte Oberstaatsanwalt Axel Bieler am Mittwoch in Kiel. Der Mann, der seine Frau am 7. Dezember mit einer brennbaren Flüssigkeit übergoss und auf offener Straße anzündete, sei vier Monate vorher im August 2016 mit richterlichem Beschluss in eine psychiatrische Fachklinik - dem Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) - eingewiesen worden, sagte Bieler. Zuvor hatten die "Kieler Nachrichten" berichtet.

Die 38-Jährige erlag noch am Abend nach der Attacke ihren schweren Brandverletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus. Der Tatverdächtige habe vorsätzlich, heimtückisch und grausam gehandelt, lautet der Vorwurf. Der Mann sitzt zurzeit in Neumünster in Untersuchungshaft.

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Unterdessen laufen die Vorbereitungen, um am Wochenende Abschied zu nehmen von dem Opfer. Die Frau hinterlässt einen dreijährigen und einen siebenjährigen Sohn. Beide sind in einer Pflegefamilie untergebracht. Am Freitag ist eine traditionelle afrikanische Totenwache im Mehrgenerationenhaus "Vinetazentrum" in Kiel-Gaarden vorgesehen. Die Frau stammte aus Togo und lebte seit vielen Jahren in Kiel. Am Samstag findet der Trauergottesdienst (11.00 Uhr) in der Universitätskirche (Westring) für die Christin statt. Danach soll der Leichnam auf einem Kieler Friedhof beigesetzt werden. Im Januar hätte die Frau einen einjährigen Dienst beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt, beginnen sollen.

Laut "Kieler Nachrichten" soll der Mann nach Informationen aus Ermittlerkreisen sowie Angaben von Freunden unter Verfolgungswahn gelitten haben. Eine Freundin sagte der Zeitung, der Mann habe seiner Frau vorgehalten, sie habe ihn vergiften wollen und er habe sie gewürgt und randaliert. Die alarmierte Polizei habe ihn bei dem Vorfall im August erst mit sieben Beamten überwältigen und ins ZIP  bringen können. Dort hätte er laut Beschluss des Amtsgerichts drei Wochen bleiben sollen, er sei aber nach einer Woche wieder entlassen worden.

Bieler machte hierzu keine Angaben. Ein UKSH-Sprecher verwies auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur auf die ärztliche Schweigepflicht. Bereits im Juli, so zitiert die Zeitung einen Freund des Mannes, sei dieser nach übermäßigem Alkoholkonsum in eine Hamburger Klinik gebracht worden.

Der Mann soll den bisherigen Ermittlungen zufolge vor der Tat im Auto Streit mit seiner Frau gehabt und sie mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen haben. Als die Frau aus dem Auto floh, soll der Mann sie verfolgt und in Brand gesteckt haben.

Der in Kiel ansässige Verein "Frauenwege in Togo", dem das Opfer als Vorstandsmitglied angehörte, sammelt im Internet Geld für die Trauerfeier. "Wir sind überwältigt und überfordert von der großen Anteilnahme, die von so vielen Menschen gezeigt wird", heißt es auf der Facebook-Seite des Vereins. Sollte Geld übrig bleiben, soll es an die Kinder gehen, speziell für spätere Reisen zur Familie in Togo. "Wir kennen die Familie in Togo gut und werden über die überwältigende Anteilnahme hier in Deutschland berichten, wenn wir Ende Dezember dort sind", so der Verein.

dpa

Deutsche Presse-Agentur dpa 13.12.2016
Deutsche Presse-Agentur dpa 13.12.2016
Deutsche Presse-Agentur dpa 13.12.2016