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Hamburg Rocker verhalten sich unauffällig
Nachrichten Hamburg Rocker verhalten sich unauffällig
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00:16 02.03.2014
Von Günter Schellhase
Rotlichtviertel in Kiel: Die Hells Angels betreiben ihre Etablissements in Koexistenz neben den Albanern Quelle: Janssen
Kiel

„Nach wie vor ist die Lage ruhig, und es gibt keine offenen Auseinandersetzungen in Kiel“, sagte Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Durch das Vereinsverbot und die Rockerrazzia sei es gelungen, die Gewaltspirale zu stoppen, sagt der LKA-Mann. Das Vereinsverbot sei ein gutes Mittel und helfe auf jeden Fall. „Es stoppt aber nicht die Rockerkriminalität“, sagte Jung. Demnach sind die Rocker in den von ihnen beherrschten Bordellen (Eros 1 & 2, Love Center) präsent. Auch der ehemalige Kieler Chef Dirk R. wird öfter am Wall gesehen.
Die Hells Angels betreiben ihre Etablissements in Koexistenz neben den Albanern, denen das Paradise gehört. Würde es keine Absprachen geben, wäre es mit Sicherheit schon zu Auseinandersetzungen gekommen, sagt ein Kenner der Szene. Die Wirtschafter legten Wert auf ein einwandfreies Benehmen der Sexarbeiterinnen und würde diese auch anweisen, ruhig ihrer Arbeit nachzugehen, damit es nicht ständig zu Polizeieinsätzen in den Bordellen komme. Demnach habe es in der vergangenen Zeit weder Fälle von Beischlafdiebstahl noch EC-Kartenbetrug gegeben.

Die Prostituierten stammen zum großen Teil aus osteuropäischen Ländern und gehen legal ihrer Arbeit nach. Die 140 Zimmer sind nur zu 50 Prozent oder weniger besetzt. Kunden der Frauen sind neben Einheimischen besonders Touristen aus den skandinavischen Ländern, wo Freier hart bestraft werden. Auch zur Kieler Woche kommen nicht mehr zusätzliche Frauen nach Kiel – wie noch vor einigen Jahren. Das würde sich kaum lohnen, heißt es. Der Grund: Die meist betrunkenen Soldaten würden nur gucken, aber keine Dienste in Anspruch nehmen. Wegen dieser Schau-Touristen würden die Kieler Bordellgänger zur Kieler Woche die Freudenhäuser meiden.

Allgemein ist derzeit ein Trend zu Modelwohnungen zu beobachten. Die Adressen finden sich auf Internetseiten oder in Wochenblättern. Der Freier ruft an, vereinbart eine Leistung, verhandelt mit der Prostituierten den Preis und erfährt erst dann die Adresse. Ob und wie viele dieser Wohnungen von Rockern betrieben werden, ist unklar.

Auch die anderen Rockergruppierungen verhalten sich ruhig: Nach Angaben von LKA-Sprecher Jung gebe es Tendenzen, dass die Bandidos nach Kiel strebten. Mehrere Mitglieder der mit den Hells Angels verfeindeten Rocker leben in der Landeshauptstadt. Sie waren Angehörige des Chapters in Neumünster, das vom Innenministerium im April 2010 ebenfalls verboten wurde. Dass sich die Bandidos jetzt möglicherweise eine Bleibe in Kiel suchen, ist aus diesen Gründen nicht unwahrscheinlich. „Wir beobachten das ganz genau“, sagte Jung. Ruhig ist es um die Mongols geworden.