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17:58 07.11.2017
Vier Feuerwehrleute sollen einem Kameraden einen Streich gespielt haben. Quelle: Jens Wolf/dpa
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Hamburg

"Ich wollte einfach nur weg, raus", sagt der betroffene Feuerwehrmann mit leiser Stimme zum Richter. Weg von seinen Kollegen. Die hatten ihn, so die Anklage, mit einer Böllerexplosion auf der Wache aus dem Schlaf gerissen. Dafür müssen sich die vier Männer seit Dienstag vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Vorwürfe lauten unter anderem Misshandlung mit einem gefährlichen Gegenstand und gemeinschaftliche Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, wie es in der Anklage heißt. Darauf stehen laut Staatsanwalt mindestens zwei Jahre.

Seit dem Knall an einem Sonntag im September sind fünf Jahre vergangen. Jahre, in denen der betroffene Feuerwehrmann "fast jeden Tag mit den Folgen zu tun" hatte, wie er sagt. Er höre jetzt schlechter, im linken Ohr piepe es dauernd. Mehrere Monate sei er krankgeschrieben gewesen, habe Therapien gemacht, die Wache gewechselt. Die Beschuldigten sind seit dem Vorfall vom Dienst suspendiert, wie einer ihrer Anwälte erklärt. 

Ein Mobbing-Fall?

Vieles klingt an diesem Dienstag im Gericht nach einem Mobbing-Fall. Der betroffene Feuerwehrmann sieht die Angeklagten fast nie an, er sagt, die Vorgesetzten hätten ihn nur vertröstet und sich von ihm abgewandt. Der Richter fragt, ob er Probleme mit seinen Kollegen hatte. Er verneint. "Wir wären kaum zusammen angeln gegangen, wenn sie mich nicht gemocht hätten", sagt er. Trotzdem nimmt ihn die Verhandlung mit. Er blickt auf seine Hände, stockt immer wieder beim Reden, reibt sich die Stirn. 

Die Angeklagten sprechen von Kameradschaft in der Osdorfer Wache, von Zusammenhalt und gemeinsamen Fußballspielen. Und auch von Streichen. Das gehöre dazu. Zum Beispiel in der Umkleide. Da könne es schon einmal vorkommen, dass einem beim Öffnen des Spindes eine Mehlbombe auf den Kopf plumpse. Oder dass ein Schläfchen mit einem 10-Liter-Eimer Wasser beendet würde. "Eimern" nennen die Kameraden das. Als einer der Angeklagten davon berichtet, lachen Kollegen im Zuschauerraum.

Versagen bei der Führung

Der Böller-Vorfall beschäftigt die höchsten Kreise der Hamburger Feuerwehr, wie der Anwalt des Betroffenen, Walter Wellinghausen, sagt: "Das Versagen liegt ganz klar bei der Führung der Feuerwehr." Sein Mandant habe nach dem Vorfall zu wenig Unterstützung bekommen. Davon berichtet der Betroffene auch im Saal: «Ich hatte fünf bis sechs Ansprechpartner, aber keinen, der mir adäquat helfen konnte.»

Einer der Beschuldigten gibt zu, an der Böller-Aktion beteiligt gewesen zu sein, ein zweiter sagt, er habe die Sache mit dem Handy gefilmt. Die beiden anderen schweigen. "Mir war völlig unbegreiflich, dass er wirklich verletzt war. Als er ins Krankenhaus kam, war ich entsetzt", sagt einer der Angeklagten. Der Betroffene hat laut Anklage mehrere kleinere Wunden gehabt und geblutet. Ein zweiter Angeklagter sagt, die Kollegen hätten sich danach entschuldigt und "alles getan, um das Verhältnis zum Geschädigten wieder herzustellen".

Selbst für den kurz vor dem Rentenalter stehenden Richter ist dieser Prozess nicht alltäglich. «Es ist eine ungewöhnliche Situation mit Feuerwehrleuten auf der Anklagebank; ein Prozess, den man nicht so gerne führt», betont er.

Von dpa

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