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Hamburg Wie reagierten Nachbarn verfolgter Juden? – Ausstellung in Neuengamme
Nachrichten Hamburg Wie reagierten Nachbarn verfolgter Juden? – Ausstellung in Neuengamme
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08:55 02.11.2019
Hamburg: Ein rekonstruierter Stacheldrahtzaun vor einer ehemaligen Häftlingsunterbringung auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Quelle: Christian Charisius/dpa
Hamburg

Die Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme zeigt von Dienstag an eine Ausstellung zum Verhalten von Nachbarn verfolgter Juden unter der Hitler-Diktatur. Die Schau geht der Frage nach, warum nur wenige gewöhnliche Menschen den Verfolgten halfen. Die Ausstellung wurde vom Holocaust-Museum in Washington erstellt und trägt den Titel „Einige waren Nachbarn. Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust“. Zur Eröffnung am Montag werden auch US-Generalkonsul Darion Akins und ein Vertreter des Washingtoner Museums erwartet.

Der Leiter der Gedenkstätte Neuengamme, Detlef Garbe, erklärte, auch das Konzentrationslager im Südosten Hamburgs sei trotz Geheimhaltung nicht völlig isoliert gewesen. Die Menschen aus der Umgebung seien den Häftlingskolonnen begegnet, lokale Firmen hätten das Lager beliefert und Häftlinge beschäftigt. „Viele Menschen reagierten gleichgültig, andere neugierig, mitfühlend oder ängstlich auf das, was sie sahen und erfuhren“, sagte Garbe.

Jüdische Schicksale aus ganz Europa

In der Online-Ausstellung des Washingtoner Museums geht es auch um jüdische Schicksale in anderen europäischen Ländern, die von Hitler-Deutschland beherrscht wurden. So erzählt eine gebürtige Wienerin von einer letzten Begegnung mit ihrer Klassenlehrerin nach dem Anschluss Österreichs 1938. Die Lehrerin habe gefragt, wo sie in den Tagen zuvor gewesen sei. Die damals 14-Jährige antwortete: zusammen mit den Eltern im Gefängnis.

Völlig verständnislos habe die Lehrerin vermutet, wenn nicht die Schülerin selbst, so müsse der Vater etwas verbrochen haben, vielleicht keine Steuern gezahlt haben. „Wie kann eine so intelligente und gebildete Frau zu dem Schluss kommen, dass man eine 14-Jährige wegen Steuerschulden ihres Vaters ins Gefängnis sperrt?“, fragt die Zeitzeugin Rosa Marx im Video-Interview.

Ausstellung bis Januar zu sehen

„Eine meiner schlimmsten Erinnerungen sind die Leute, die ein paar Treppenstufen weiter oben darauf warteten, das zu plündern, was wir zurücklassen mussten. Sie verfluchten uns, schrien und spuckten uns an, bis wir weg waren“, berichtet Steven Fenves, der 1944 mit seinen Eltern aus Ungarn deportiert wurde. Jack Pariser, Sohn eines polnischen Holzhändlers, berichtet dagegen, wie ein Freund seines Vaters die jüdische Familie während der gesamten Kriegszeit mit Lebensmitteln versorgte und deren Eigentum sicher verwahrte.

Zu der Sonderausstellung, die bis zum 12. Januar 2020 in Neuengammen zu sehen ist, finden mehrere Begleitveranstaltungen statt.

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Von dpa/RND

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