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07:00 22.10.2013
Von Heike Stüben
Als Landwirtschaftsminister Robert Habeck auf Hof Klostersee im neuen Kuhstall zu den Kälbern stieg, wurde er aufmerksam von den Mutterkühen beäugt. Auf Hof Klostersee dürfen die Tiere ihre Hörner behalten, wachsen langsamer heran und kalben — nach natürlicher Deckung — erst mit 30 bis 32 Monaten. Quelle: pn: Patrick Nawe
Kiel

Am Montag kam Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf den Demeter-Hof.

Diplom-Landwirt Knut Ellenberg steht mitten in dem nagelneuen Kuhstall. Hinter ihm fressen die 50 Kühe des Hofes und Bulle Lord. Immer wieder, erzählt der Mann von der Hofgemeinschaft, hätten die Feriengäste und die Kunden des Hofladens gefragt, warum die Kälber so früh von den Müttern getrennt werden. „Man kann dann natürlich sagen: Das ist ein altbewährtes Verfahren. macht man eben so.“ Doch Ellenberg schien die frühe Trennung selbst absurd: Da melkt man die Mutterkuh, erwärmt einen Teil der Milch später auf Kuhkörpertemperatur und gibt sie dem Kalb in einem Eimer. Außerdem hatte er immer wieder Verhaltensstörungen bei den Tieren beobachtet. Also machte man sich vor einem Jahr auf dem Hof daran, eine „muttergebundene Kälberaufzucht“ umzusetzen.

 Keine leichte Aufgabe. „Kühe sind so individuell wie Menschen“, sagt Ellenberg. Außerdem müsse das Verfahren übertragbar, praktikabel und auch wirtschaftlich zu vertreten sein. „Aber der Antrieb war, dass sich die Tiere wohler fühlen und sich das hoffentlich positiv auf ihre Gesundheit, die Milchqualität und das Sozialverhalten der Tiere auswirkt.“

 Seit einem Jahr tastet man sich an die Praxis heran. Hilfreich war dabei, dass auf Klostersee die Kälber schon immer auf der Weide zur Welt kommen und die ersten Tage dort bleiben, um eine stabile Bindung zur Mutter aufzubauen und die lebensnotwendige Biestmilch zu trinken. Doch weil die Kühe deutlich mehr Milch geben als ein Kalb braucht, müssen sie auch weiterhin gemolken werden. Mit den herumtobenden Kälbern drumherum würde das jedoch einen zu hohen Personalaufwand erfordern. Der neue Kuhstall eröffnet nun einen Mittelweg.

 Nach den ersten Tagen kommen die Kälber dort in einen abgetrennten Bereich, können aber über das niedrige Geländer Kontakte zur Mutter haben, wenn diese nicht lieber auf die Weide geht. Nach dem Melken kommen die Kühe auf jeden Fall mit ihren Kälbern in dem großen Laufstall zusammen. Die Jungen können sich dann satt trinken, abschlecken lassen, toben. „Die Kühe wollen danach meist in Ruhe fressen. Die Herausforderung ist, den richtigen Moment abzupassen, um die Kälber wieder in ihren abgetrennten Bereich zu bekommen“, sagt Sven-Iver Horn. Der junge Landwirt beobachtet deshalb die Tiere intensiv. Klar sei der Aufwand höher, sagt Ellenberg. Und ob sich die Hoffnungen erfüllen, werde man erst in vier Jahren wissen, wenn die Kälber selbst Mütter sind. Schon jetzt ist man sicher, dass der neue Kuhstall die richtige Entscheidung war. Er bietet jeder der 50 Milchkühe fast 20 Quadratmeter Fläche. Selbst wenn die Herde wie geplant auf 70 Tiere anwächst, habe jede Kuh doppelt so viel Platz wie in konventioneller Haltung. „Unser Stall ist mit 385000 Euro Baukosten sogar etwas günstiger“, sagt Ellenberg, „aber bei uns ist der Betreuungsaufwand für die Tiere höher.“

 Auch Umweltminister Habeck befand, Schleswig-Holstein sei als Milch-Land genau der richtige Ort, um neue Formen der Milchviehhaltung auszuprobieren: „Die Verbraucher fordern mehr Tierwohl und mehr artgerechte Haltung. Hier können wir sehen, wie es gehen kann.“

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