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Hamburg Flugkörper verfehlte knapp Flugzeug
Nachrichten Hamburg Flugkörper verfehlte knapp Flugzeug
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13:49 22.09.2013
Von Frank Behling
Schießausbildung mit Stinger-Flugkörpern auf dem Schießplatz Putlos.  Quelle: FB
Oldenburg

Die Maschine geriet aus Versehen ins Fadenkreuz eines Unteroffizieres, der mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ „Stinger“ übte. Statt, wie geplant, auf eine bestellte Drohne zu schießen, feuerte der Soldat auf das Zieldarstellungsflugzeug. Der selbsttätig sein Ziel suchende Flugkörper verfehlte aber die schnelle und sehr wendige Maschine vom Typ Pilatus PC-9 aus Kiel und stürzte in ein benachbartes Waldgebiet.

Die Bundeswehr hielt den schweren Zwischenfall jedoch geheim. Heraus kam jetzt alles durch ein Verfahren gegen den 25 Jahre alten Feldwebel, der die Verantwortung über den Schießbetrieb mit der Waffe an dem Tag hatte. Der Mann wurde wegen des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr vor dem Amtsgericht Oldenburg angeklagt. Doch die Richter sah nicht die Schuld  bei dem jungen Soldaten, sondern in den  Bundeswehr-Strukturen. So rügte der Richter laut eines Berichts der Lübecker Nachrichten auch die Untersuchung des Vorfalls durch die Bundeswehr selbst, die ein Major von dem Schießplatz leitete. Der Offizier war demnach für das Schießen selbst verantwortlich. Dies führte dazu, dass auch die Staatsanwaltschaft Zweifel an der Schuld des angeklagten Unteroffiziers  hatte. .

Das Gericht stellte das Verfahren deshalb auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Geldbuße ein, da die Schuldfrage nicht mehr zu klären sei. Pikant: Mit der internen Untersuchung der Bundeswehr sei seinerzeit ausgerechnet jener Major beauftragt worden, der Verantwortung für die gesamte Übung trug, rügte der Richter. Der Richter ließ  laut Lübecker Nachrichten auch Zweifel an der Organisation und Führung bei der Schießübung an dem Tag im Mai 2011 durchblicken. Der Feldwebel muss sich dennoch in einem internen Disziplinarverfahren bei der Bundesweher verantworten.

Der Truppenübungsplatz untersteht dem Kommando Streitkräftebasis in Bonn. Dort verwies auf Anfrage wegen des Vorfalls an die Zuständigkeit der Luftwaffe, die dieses Boden-Luft-Waffensystem in der Bundeswehr betreue. Der Truppenübungsplatz werde den jeweiligen Nutzern der anderen Teilstreitkräfte zur Verfügung gestellt, hieß es in Bonn.  Da der Fall schon lange zurückliege, sei vor Montag aus organisatorischen Gründen keine Auskunft möglich, hieß es auf Anfrage.