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Kultur 50 Glocken auf Stippvisite
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19:13 09.08.2019
Anna-Maria Reverté und Koen Van Assche (re.) mit ihrem Bronzepiano in der Kieler Nikolaikirche. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Seit 20 Jahren zählt die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt zum Kreis der Städte, die Touristen und Nostalgiefans mit einem Carillon begeistern. Der Carilloneur Gunther Strothmann nimmt das Jubiläum nicht nur zum Anlass im „Glockensommer“ wie gewohnt internationale Gäste zum Schlagen der Tasten im Kieler Kloster einzuladen, er hat zusätzlich Konzerte in der Nikolaikirche organisiert.

Aus Theremin folgt eine "Bronzepiano"

Nach dem Theremin, einem elektromagnetischen Musikinstrument mit magisch-sphärischen Tönen, am vergangenen Wochenende steht nun ein Bronzepiano im Fokus – ein bewegliches Glockenspiel aus der Carillon-Hochburg Holland, das in zwei Konzerten heute und morgen erstmals in Deutschland zu hören sein wird.

Kammerorchester plus Glockenspiel

Besucher der Kirche am Alten Markt staunten gestern Mittag zu Recht: Strothmann probte mit dem Klassikensemble Kiel an Werken für Tasteninstrument und Orchester – etwa Bachs populärem Cembalokonzert BWV 1052a. Vor der Chororgel erklangen mit dem Solo-Part aber nicht etwa von klappernden Kielen angezupfte Saiten, sondern über Züge angeschlagene Glocken in einer Konzertflügel-förmigen Box.

Carilloneurin aus Barcelona

Die Balance der metallisch nachklingenden Glocken zu den Streichern zu finden, ist nicht ganz leicht. Die 1966 in Barcelona geborene Anna Maria Reverté, dort Professorin für Klavier und Solfeggio, Harmonie, Kontrapunkt und Fuge, kann aber durch die Stärke des Anschlags mit den Fäusten und den Füßen sehr wohl die Dynamik beeinflussen. Die Carilloneurin am Palast der katalanischen Regional-Regierung hat diese Kunst am College of Maryland in den USA und bei Leen’t Hart in den Niederlanden und später auch in Dänemark studiert.

Präsident der World Carillon Federation

Koen Van Assche, geboren 1967, ist Carillonneur der belgischen Städte Antwerpen, Lier, Turnhout und Herentals und Präsident der World Carillon Federation. Heute will er mit Caelesti lumine, einem stilistisch optimal passenden filmmusikalischen Originalwerk des katalanischen Komponisten Martí Carreras, begeistern, das 2017 in der berühmten Gaudí-Kirche „Sagrada Família“ uraufgeführt wurde.

Mehr zur Kultur in der Region lesen Sie hier.

Bewegliches Glockenspiel: „Bronzen Piano“

Insgesamt 50 Glocken sind im 185 Zentimeter breiten Rahmen und seiner transparenten und leicht schallabsorbierenden Hülle des weltweit einzigartigen Bronzepianos verbaut. Die Glocken mit chromatischen Tönen über mehrere Oktaven wurden in der Glockengießerei Eijsbouts im niederländischen Asten gegossen. Die Glockenspieltraktion ist mit zwei Manualen und Pedal sechsteilig aufgebaut. Das schwerste Einzelteil, die große C-Glocke, wiegt 780 kg, sodass das Glockenspiel über fast alle Lifte in Konzertsäle bewegt werden kann.

Die Glocken enthalten drei Prozent Blei in der Bronze, sodass sie nicht so lange klingen wie normale Glocken und sich daher besser zum Spielen mit anderen Instrumenten eignen. Aus dem Jahr 2012 stammt die Idee, im Jahr 2013 gab es erste Probekonzerte. Offiziell eingeweiht wurde das Instrument beim Konferenztag in Lier des alle drei Jahre stattfindenden Carillon World Congress.

Konzerte am 10. August 2019, 19 Uhr, mit Kammerorchester und am 11. August, 17 Uhr, mit Bezug zur Orgel (KMD Volkmar Zehner). Tickets bei Ruth König Klassik (Tel. 0431-95280) und jew. an der Abendkasse. Vorab am 10. August, 11 Uhr, Carillon-Konzert mit den Gästen am Kieler Kloster.

Von Christian Strehk

Anna-Maria Reverté und Koen Van Assche (re.) mit ihrem Bronzepiano in der Kieler Nikolaikirche.
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