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08:30 05.09.2019
Von Sabine Tholund
Zeichentraining im Nordkolleg (v. re.): Cornelia Ahrens, Inga Jacobs und Otto Weckerle. Quelle: Marco Ehrhardt
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Rendsburg

Zum Beispiel, wie wohl eine Frachtfliege aussehen könnte. Oder ein Badehaubentaucher. Sehenswerte Untiere wurden da entworfen, mit knappem, kühnen Strich oder detailliert und filigran.

Die Anfänge des „Graphischen Trainingslagers an der Eider“ liegen 30 Jahre zurück. Damals hatte Nordkolleg-Leiter Stephan Opitz den Titanic-Zeichner Fritz Weigle (1938-2018), besser bekannt als F.W. Bernstein, zur Sommerakademie nach Rendsburg eingeladen. Die „Rendsburger Zeichnerei“ wurde zum Selbstläufer. Bis 2004 von Weigle alias Bernstein selbst geleitet, finden sich für den neuntägigen Zeichenworkshop mittlerweile jährlich wechselnden Dozenten, darunter Wolf-Rüdiger Marunde, Till Mette oder der Kieler Volker Sponholz.

Zum Jubiläum gibt es eine Sonderausstellung. Unter dem Titel Menschen. Stifte. Sensationen – F.W. Bernsteins Zeichengemeinde packt aus werden in den Räumen und Fluren des Nordkollegs 150 Arbeiten aus drei Jahrzehnten präsentiert. Stilistisch komplett eigenständig, sind die meisten Arbeiten inspiriert von der ironischen Weltsicht F.W. Bernsteins.

Auch die Resultate des aktuellen Workshops werden gezeigt – schon am dritten Tag sind die entsprechenden Stellwände gut gefüllt. Wie in jedem Jahr gibt es 40 Teilnehmer, neben Karikaturisten, Comic-Zeichnern, Grafik-Designern und Illustratoren sind auch einige leidenschaftliche Hobby-Zeichner dabei. Sie kommen aus ganz Deutschland „und gut 90 Prozent sind von Anfang an dabei“, erzählt Britta Lange. Seit 2002 organisiert die Fachreferentin für Literatur und Medien am Nordkolleg die Zeichenschule und ist begeistert von dem „besonderen Geist“, der die Treffen prägt.

„Hier erhält man Impulse, die man beim Zeichnen im stillen Kämmerlein nicht bekommt“, sagt Peter P. Neuhaus. Der Grafikdesigner, Autor und Zeichner aus dem Sauerland, der komische Lyrik und Kurzprosa unter anderem in „taz“ und „Titanic“ veröffentlicht, bezeichnet sich selbst als „Veteran der ersten Stunde“. Es sei einfach großartig, für eine gute Woche „mit 40 Verrückten zusammenzusitzen“ und Aufträge zu bearbeiten, die es im normalen Leben nicht gibt. In der Tat erfordert die Bewältigung der Tagesaufgaben des aktuellen Dozentenduos Mattias Andersson und Charlotte Wagner jede Menge Fantasie – und Humor. Neben dem oben erwähnten „Tier des Tages“ sollten am Auftaktwochenende Motive zum „Tag der seltsamen Musik“ gezeichnet werden. Hübsche Resultate gibt es auch bei den Anagrammen zum „Klabautermann“. So schuf Neuhaus mehrere Porträts eines gewissen Kaut Labermann, einem reichlich kaputten Typen, „der Urlaub und eine Therapie benötigt.“

Der Spaß am Zeichnen steht für alle Teilnehmer klar im Vordergrund. Konkurrenzdruck gibt es keinen, die allabendliche „Manöverkritik“, in der die Arbeiten der Gruppe vorgestellt werden, wird als fruchtbarer Austausch empfunden. „Man staunt, wie fleißig die Profi-Zeichner hier sind“, sagt Kirstin Warschau, „manche sitzen bis weit nach Mitternacht über ihren Blättern.“ Die Krimiautorin aus Kiel ist eine talentierte Hobbyzeichnerin und seit acht Jahren regelmäßig in Rendsburg dabei. Und freut sich schon aufs nächste Jahr.

Am Gerhardshain 44, Rendsburg. Bis 31. Oktober. Mo- Fr 9-17 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

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