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Kultur 100 Minuten zum Glücklichsein
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19:27 08.07.2018
Von Tamo Schwarz
Konzert des Jahres? Ex-Talking-Heads-Frontmann David Byrne beim Roskilde Festival.  Quelle: Rene Otto
Roskilde

Ein kleiner Schatten bleibt damit am Ende eines sonnigen, pompösen, genre-umspannenden Festivaljahrgangs. In der Heimat sind Ferien, doch nach dem Schuljahr ist vor dem Schuljahr. Warum nicht einmal eine Klassenfahrt zum Roskilde Festival? Wo sonst ließe sich das Zusammenspiel von Kunst, Politik und Gedanken über nachhaltiges gesellschaftliches Zusammenleben so anschaulich erleben wie hier? Auf deutschen Festivals: meistens Fehlanzeige! Früh waren die 100.000 Tickets (80.000 Festival- und 20.000 Tagestickets) vergriffen. Mit den 30.000 Volunteers, Medien- und Branchenleuten tummeln sich nun mehr als 130.000 Musikverrückte in einem Schmelztiegel, der sich Jahr für Jahr aus dem Nichts zur viertgrößten Stadt Dänemarks erhebt.

Champagner-Fest im Sonnenlicht

Der Stundenplan ist eng gestrickt. Die dänischen Post-Punk-Superstars The Minds of 99 (unbedingt ausprobieren!) feiern im gleißenden Sonnenlicht ein triumphales Champagner-Fest, bereiten das Feld für den charismatischen Nick Cave, der sich einem Messias gleich in seinem tiefen Dark mit den Bad Seeds auf Tuchfühlung ins Publikum lehnt: Intensiv, intensiver, Cave.

Nach Eminem, Bruno Mars, Nick Cave ist das Konzert von David Byrne ein eher unerwarteter Höhepunkt. Auf einer freien Bühne mit elf ausnahmslos mobilen Musikern und Tänzern dekonstruiert der 66-jährige Talking-Heads-Frontmann den Pop. Das polyrhythmische I Zimba – Byrne und seine graue Garde tanzen barfuß, springen, taumeln wie angeschossen über die Bühne. Absurdes Theater, Performance, Séance? 100 Minuten zum Glücklichsein. Irgendwann schnallt sich der weißhaarige Grandseigneur und Pathologe des Pop die Akustische um, schlägt Burning Down The House an. Stop Making Sense? Byrne zertrümmert alles Konzept, erhebt es zum Konzept. Das Konzert des Jahres.

Chelsea Manning stimmt nachdenklich

Es bleibt politisch beim exklusiven Talk mit Whistleblowerin Chelsea Manning. An der Bar gibt’s Shots gegen Daten. Nachdenken: Was gebe ich eigentlich von mir preis? Massive Attack flüchten sich indes ins Visuelle, bleiben vorhersehbar bis zur letzten Zugabe Unfinished Sympathy. Ihr Trip Hop: dennoch voller Wucht, stilprägend.

Am letzten Tag: viel Perlentaucherei. Strokes-Frontmann Albert Hammond jr. kommt dieses Mal lieber alleine, der dänische Songwriter Peter Sommer hat auf der Orange Scene ein Heimspiel, und das britische Dance-Sternchen mit albanisch-kosovarischen Wurzeln, Dua Lipa, stürmt nach dem 2:0 der Engländer gegen Schweden zu den Klängen von Football’s Coming Home auf die Bühne.

Ein stimmlich starkes One Kiss der 22-Jährigen in einem Meer aus Teenager-Smartphones, und dann ist das 48. Roskilde Festival auch schon fast Geschichte. „Vielen Dank für eine wunderschöne Nacht, für ein wunderschönes Festival“, sagt Mastermind Damon Albarn ein paar Stunden später, als er das Konzert der Gorillaz abbricht. „Del wird okay sein.“

Hier finden Sie Bilder vom Finale des Roskilde-Festivals.

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