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Kultur Furioser Auftakt: Eminem und Bruno Mars
Nachrichten Kultur Furioser Auftakt: Eminem und Bruno Mars
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17:12 06.07.2018
Von Tamo Schwarz
Die Orange Stage glüht beim Auftritt von Eminem. Quelle: Rene Otto
Roskilde

Dänemark ist raus, Roskilde feiert. Überhaupt alles ganz anders als auf’m Platz in Russland mit seinem null-zu-null-haften Erste-Halbzeit-Phlegma. Im Königreich Roskilde wird nur Bier gekleckert, ansonsten geklotzt. Die Programmverantwortlichen haben nach partiellem Gemurre im Vorjahr wieder mit ganz dicker Schnur im Teich der Super-Bowl-Halftime-Show-Kategorie gefischt – und nach 17 Jahren wildester Köderei endlich Eminem an Land gezogen, der das Festival am Mittwoch mit einer von insgesamt nur neun Shows in Europa eröffnet, zum ersten Mal überhaupt in Dänemark auf einer Bühne steht.

100.000 feiern bei Eminem

Der 45-Jährige mäandert zwischen dem selbstzweifel-zerfurchten Marshall Mathers und dem clownesken Slim Shady, drischt mit seinen Horrorcore-Reimsalven auf die Menge ein (Framed). 100.000 sind da – All-Time-Rekord vor der Orange Scene, dem Wahrzeichen des Festivals. Eminem hetzt durchs Set, faded ein, faded aus, verknappt den Zorn. „Make some noise, Denmark!“

Da bleibt Distanz, doch zum Glück ist Sängerin Skylar Grey mit am Start, übernimmt Didos Part in Stan, verpoppt den Abend mit Love The Way You Lie oder The Monster. Vor der Bühne geht nichts mehr – Party mit den Klassikern My Name Is und The Real Slim Shady. Eminem ist noch immer ein Hip-Hop-Monstrum mit nur einer Referenzgröße: sich selbst. Das Warten hat sich gelohnt.

Eine Eins fürs Festival

Daheim gibt’s Zeugnisse, das Roskilde Festival kriegt anno 2018 eine Eins in allen Fächern. Nur der Staub nervt, kriecht in alle Poren – ein Königreich für eine Gasmaske. Roskilde ist Anarchie, ist Lifestyle, ist Kunst, ist Non-profit. Der Fokus in diesem Jahr liegt auf Organisationen, die sich für wirtschaftliche Gleichberechtigung und den Kampf gegen sexuelle Belästigung einsetzen.

Der Fokus nach Eminems Skill-Salven liegt zunächst auf Entschleunigung bei Charlotte Gainsbourg. Die Tochter von Jane Birkin und Serge Gainsbourg sitzt am Klavier, umschwirrt so krosse Electronica. Es entstehen fragile Miniaturen auf Englisch und Französisch. Unprätentiös. Schön.

Weiter, weiter, immer weiter in die Nacht. Noch so ein Dino: die Nine Inch Nails. Trent Reznor und Co. lassen mit ihrem Industrial-Furor den Boden vor der Arena-Stage erzittern. Reznor – mittlerweile 53 – zetert heute starr am Mikro, führt den Neunziger-Weltschmerz von The Downward Spiral würdevoll fort. Unvermeidliches Finale: Hurt. „I hurt myself today / To see if I still feel. I focus on the pain / The only thing that’s real“.

Turteln unter der Woodstock-Sonne

Bämm! Die erste Halbzeit geht an Tag zwei weiter, knüpft bei Johnny Cash an. Der Zweiklang der Schwestern Johanna und Klara Söderberag aka First Aid Kit ist atemberaubend. Alles turtelt in der knalligen Woodstock-Sonne bei den Schwedinnen, die mit Folk-Roots, Americana, Cash-Country gefühlt die gesamten Staaten um den Finger gewickelt haben. Besonders kolossal: Emmylou, eine harmoniesüchtige Huldigung der musikalischen Ahnen. „I’ll be your Emmylou and I’ll be your June / If you’ll be my Gram and my Johnny too“ – Stimmen, Menschen lehnen sich aneinander an. Für die Ewigkeit.

Bruno Mars ist der King im Königreich

Und schließlich Bruno Mars. Tänzer, Bläser, die Band tight und punktgenau, ein wenig glattgebügelt. Mars mit seinen Jacko-Moves ist der King im Königreich Roskilde. Seine Motown-Remminiszenzen, sein sexy-aufgeladener R&B schwappen in den letzten Winkel des Areals mit seinen 130000 Besuchern, 24K Magic, 24 Karat Entertainment bis hin zu den Klassikern Grenade, Marry You, Just The Way You Are. Dann: Funk-Feuerwerk in den Menschen, am Himmel!

Ab jetzt zweite Halbzeit: Nick Cave, David Byrne, Massive Attack, Dua Lipa, Gorillaz.

Hier finden Sie Bilder vom Auftakt des Roskilde-Festivals.

Nicht schlecht, aber auch nicht zwingend nötig: Der dänische Regisseur Michael Noer dreht ein Remake von „Papillon“ (Kinostart am 26. Juli). Charlie Hunnam und Rami Malek wandeln in den Häftlingsschuhen von Steve McQueen und Dustin Hoffman.

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