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Kultur Grandioses Finale mit The Cure
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18:44 07.07.2019
Von Tamo Schwarz
The Cure mit Frontmann Robert Smith (Mitte) sorgten beim Roskilde Festival für einen furiosen Schlussakkord. Quelle: Rene Otto
Roskilde

Ausflugsziel Roskilde Festival: für Musik Aficionados und Perlentaucher. Als sich die Sonne zwischen dunklen Seelandwolken Bahn bricht, beginnt eine Tour de Force durch Genres und Generationen, von den düsteren Folkparabeln der Neuseeländerin Aldous Harding zum world- und flamenco-getränkten Sonderbar-Indie von Vampire Weekend, die sich aus dem Rennen um die Rettung der Rockmusik endgültig verabschieden.

Vor der Orange Stage bebt der Boden. Links: Wu! Rechts: Tang! RZA feiert 50. Geburtstag, der Clan feuert seine Salven ab. East Coast Hardcore at its best. Aber was hat es eigentlich zu bedeuten, dass ausgerechnet die gesampelten „Smells Like Teen Spirit“ (Nirvana) und „Sweet Dreams“ (Eurythmics) die Crowd zum Ausrasten bringen?

Johnny Marr (The Smiths) bringt erwachsene Männer zum Weinen

Apropos Ausrasten, noch zweimal an diesem Abend. Bei Johnny Marr, der gitarrenvirtuosen Hälfte von The Smiths. Kann mit Morrisseys Bariton nicht, in Sachen Ausstrahlung aber total mithalten, liefert mit breitbeinigem Understatement die Stücke vom aktuellen Manchester-Pop-Album „Call The Comet“ und bringt am Ende erwachsene Männer zum Weinen. „And if a double-decker bus crashes into us …“ – dieses Licht erlischt niemals. Smith-Reunion? Ausgeschlossen!

Als hätten ABBA und Bananarama ein Kind gezeugt

Nächster Headliner: Robyn. „Jung, alt, Rap, Pop – wir schaffen Raum für alles“, sagt Festival-Sprecherin Christina Bilde. In die Karten gucken lässt sie sich für die 50. Festival-Edition allerdings nicht. Rammstein? Springsteen? Metallica?

„Wir werden nicht feiern, wo wir waren oder stehen, sondern wohin wir wollen.“ Das ist bei Robyn nicht ganz klar. Ganz schön viel „Honey“, Ballett und ESC – als hätten ABBA und Bananarama ein Kind gezeugt. Bei „Dancing On My Own“ wird trotzdem noch am letzten Bierstand hinter den 70.000 aufm Tresen getanzt.

Den New Wave von Catfish and the Bottlemen? Anhören! Dänemarks Newcomer Scarlett Pleasure? Sexy! Auschecken! Der Winehouse-Badu-Sade-Hybrid Jorja Smith? Werden wir noch von hören! Oasis-Reunion? Auch ausgeschlossen! Noel Gallagher ist das sowieso schnurzpiepegal, in seine britrock-wuchtige Emanzipation an der Seite seiner High Flying Birds ist längst Gelassenheit eingekehrt. Ein nicht weniger als fantastisches Konzert, das zwischen Solomaterial und Oasis changiert – „Wonderwall“ inklusive. Britpop-Herz, was willst du mehr?

Ausflugsziel Roskilde Festival: für Kieler-Woche-Macher und „Fridays for Future“-Generation. Weil eben jene schwer erziehbar Wegwerf-Gesellschaft zelebriert, sich das Festival mit seinem Non-Profit-Charakter unter dem zukunftsgerichteten Solidaritäts-Motto stemmt gegen den Einmal-Zelt-und-Luftmatratze-Gedanken, vorbildlich ausgeklügelte Pfand- und Müllvermeidungs-Strategien entwickelt. Und weil der „Internationale Markt“ Roskilde zeigt, wie kulinarische Vielfalt von Shakshuka bis Muscheln, von Poke bis Hausmannskost auch gehen kann: inspirierend und zu mehr als 90 Prozent Bio.

The Cure: Robert Smith verliert sich im Weltschmerz

Fridays for Future, „Friday I’m In Love”. Seit elf Jahren warten Cure-Fans auf ein neues Album, und im Pit kreischt Jungvolk, das noch nicht einmal geplant war, als sich die Wave/Gothic-Legenden 1976 gründeten. 30 Jahre ist das Meistermeistermeisterwerk „Disintegration“ auch schon alt. Frontmann Robert Smith verliert sich im Zerfall, im Weltschmerz. Live ist das Raison d’être der Briten.

Simon Gallup (Bass) und Reeves Gabrels (Gitarre) umgarnen den sympathisch Introvertierten. 150 Minuten lang. Durch Post-Punk („A Forest), Pychedelic („Shake Dog Shake“) hinein in ein pur-poppiges Zugaben-Finale. „Lullaby“, „Friday I’m In Love”, „Close To Me“, „Why Can’t I Be You?”. Ein kurzes Kreiseln, fast wie ein Friedenschließen mit diesem von Smith so ungeliebten Part des eigenen Œuvre. „Boys Don’t Cry“ – Roskilde liegt diesem Mann zu Füßen.

Hier sehen Sie Bilder aus Roskilde.
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