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Kultur Kontraste: Auftakt mit Bob Dylan
Nachrichten Kultur Kontraste: Auftakt mit Bob Dylan
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18:04 04.07.2019
Von Tamo Schwarz
Das 49. Roskilde Festival in Dänemark hat begonnen. Die Orange Scene - Hauptbühne des Festivals - ist das Wahrzeichen. Quelle: Rene Otto
Roskilde

Ausverkauft! 130.000 werden auch in diesem Jahr den Kosmos Roskilde bevölkern, das Orange Feeling zelebrieren, das Roskilde – in Europa neben Glastonbury – zur Mutter aller Festivals macht. Die Mutter aller 80er-Smashhits ist „Shout“ womöglich nicht, aber doch ein irreführender Evergreen, der ablenkt von der Relevanz, die Tears For Fears und ihr New Wave hatten. Die „Arena“, zweitgrößte Bühne des Festivals, platzt aus allen Nähten, als die ersten Töne von „Everybody Wants To Rule The World“ ertönen. Verschießen Curt Smith und Roland Orzabal – mit strengem grauem Zopf – ihr Pulver zu schnell? „Sowing The Seeds Of Love“, „Mad World“, „Advice For The Young At Heart“. 

Die Menge tobt zu "Shout" von Tears for Fears

Viel zu sagen hat sich das Duo nach zehn Jahren Funkstille nicht mehr und schafft es doch, das Miami-vicige ihres Sounds mit einem Rock Appeal zu veredeln, dem Orzabals starkes Timbre wunderbar steht, während Smith seine Bühnenmüdigkeit kaum verbergen kann. Warum bloß klappt’s im Studio nicht mehr? „Shout, shout, let it all out“ – die Menge tobt. 

Bob Dylan gibt sich zum sechsten Mal in Roskilde die Ehre

Danach: Völkerwanderung. His Bobness – mittlerweile 78 Jahre alt – gibt sich schließlich zum sechsten Mal in Roskilde die Ehre. „Things Have Changed“ als Opener. Die Setlist auf der „Never Ending Tour“ eher weniger. Dylan war längst da, als das Roskilde Festival 1971 aus der Taufe gehoben wurde. Und er ist es noch. Unverfrorener denn je, wenn er Stücke der grandiosen Alben „Blonde On Blonde“ oder „Bringing It All Back Home“ völlig ausklammert, einen Schwerpunkt auf dem Spätwerk „Tempest“ legt. Das weiße Halstuch sitzt locker, die Haare verwuschelt. Für Ordnung sorgt die traumwandlerisch sichere Band, allen voran Bassist und Arrangeur Tony Garnier. Mehr als 30 Jahre muss man es mit dem Schrat Dylan auch erst einmal aushalten.

Dylan dekonstruiert seine Songs

Dem ist das Gefühl der Verpflichtung gänzlich unbekannt. Gegenüber dem Nobel-Komitee. Gegenüber den Fans. Und so dekonstruiert der Meister, der am Freitag in der Hamburger Barclaycard Arena gastiert, seine Stücke nach Belieben, verliert sich in einem Raunzen und Maunzen am Piano, überlässt dem Trademark-Sound seiner Hohner-Mundharmonika einzig hin und wieder die Funktion eines tiefen Ankers im Melodieboden der Vergangenheit. Gemustertes Hemd, Jackett, die Hose mit Country-Reminiszenz – Dylans Grandezza korrespondiert mit seiner an diesem Abend voluminösen, wenn auch gewohnt nasalen, brüchigen Stimme.

Intros, Outros werden improvisiert, ein Über-Hit wie „Like A Rolling Stone“ in harscher Absenz von Melodie ebenso mosaikhaft auf ein poetisches Gerippe reduziert wie die erste Zugabe „Blowin‘ In The Wind“. „Gotta Serve Somebody“ zum Abschluss des Hauptsets: bestenfalls über die Lyrics zu erkennen. The times they are a-changin‘.

Cardi B ist nach 45 Minuten wieder weg

Kontraste: in die Nacht mit dem isländischen ESC-Hardcore von Hatari oder dem Celluloid-Rap von Cardi B? Die 26-Jährige aus der Bronx macht das Feld vor der Orange Stage kurzzeitig zu ihrer Hood, liefert ihre aggressiven Hooklines, umschmeichelt die Fans mit dem Pop ihrer Maroon-5-Kollaboration „Girls Like You“ – und ist nach 45 Minuten wieder weg. Getreu ihrem Motto: „I don’t dance now / I make money moves.“ Ärgerlich.

Lesen Sie auch: Angriff in Stripclub: Skandalrapperin Cardi B plädiert auf nicht schuldig 

Höhepunkt am Sonnabend: The Cure

Am Freitag und Sonnabend wird das 49. Roskilde Festival mit Vampire Weekend, Wu-Tang Clan, Robyn, Underworld, Johnny Marr (The Smiths), Janelle Monáe, Noel Gallagher und Cypress Hill fortgesetzt. Großer Höhepunkt am Sonnabendabend ist der Auftritt von The Cure.

Lesen Sie auch unsere Themenseite zum Roskilde-Festival.

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Das 49. Roskilde Festival in Dänemark hat begonnen. Unter anderem treten Bob Dylan, Tears for Fears, und Cardi B auf.
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