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Kultur Nolde und das Wesen der Charaktere
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18:12 27.02.2019
Stiftungsdirektor Dr. Christian Ring präsentiert die millionenschwere Schenkung des Gemäldes „Kleine Sonnenblumen“ von 1946. Es hängt im Bildersaal der Nolde-Villa neben einem Selbstporträt von 1917. Quelle: Christian Strehk
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Neukirchen

Die „kleinen Sonnenblumen“ sind zurück in Seebüll. Emil Nolde hatte 1946 ein junges Mädchen mit blau leuchtenden Kulleraugen gemalt und die titelgebende Sonnenblumen hinzugefügt. Christian Ring, Direktor der Nolde Stiftung sieht gleich mehrfach Anlass, sich darüber zu freuen. Einmal wegen der künstlerischen Qualität des Spätwerks, weil „sich hinter blauen Stämmen links oben eine Sonne zeigt, die dann das Gesicht und die Schultern des Mädchens wunderbar umstrahlt“ und dem Ganzen eine wahrhaft dreidimensionale Kraft verleiht.

Schenkung von Sammler Dr. Friedrich Johenning

Sodann, weil er enorm dankbar verkünden kann, dass das Gemälde „mit lückenloser Provenienz“ als Schenkung von Dr. Friedrich Johenning in den Besitz der Stiftung übergeht. Das Ehepaar hatte es 2007 bei einer Auktion der Berliner Villa Grisebach für ihre beachtliche Expressionismus-Sammlung ersteigert – für 2,3 Millionen Euro. „Der Wert dürfte heute noch deutlich höher liegen“, so Ring

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Menschen und Figuren in Seebüll

Es eignet sich mit seiner märchenhaften Charakterisierung einer Unbekannten hervorragend als Ausgangspunkt für die 63. Jahresausstellung. Denn die ist Menschen und Figuren gewidmet. Direktor Ring ist selber überrascht, dass dieser Aspekt unter insgesamt rund 120 Exponaten 83 noch nie in Seebüll gezeigte Arbeiten beibringt.

Nolde: “Die Menschen sind meine Bilder“

Schon im Bildersaal der Villa springt den Betrachter das Motto „Die Menschen sind meine Bilder“ an. Nolde hatte in seiner Autobiografie erklärend ergänzt: „Lachet, jubelt, weinet, oder seid glücklich, ihr seid meine Bilder, und der Klang Eurer Stimme, das Wesen Eurer Charaktere in aller Verschiedenheit, Ihr seid dem Maler Farben.“

Noldes Keramiken als Ergänzung

Eine spannende, in Waben bestens präsentierte Ergänzung bilden Noldes Bemalungen von Keramik aus dem Jahr 1913, wo Tänzerinnen Teller in wilde Bewegung zu versetzen scheinen.

Renovierung der Villa in Seebüll geplant

Ansonsten bereitet der Direktor seine Institution auf ein bauliches Großprojekt vor: 2020 wird die Villa geschlossen, um sie in Abstimmung mit der Denkmalpflege grundlegend zu renovieren. Im Sommer 2021, hofft der Direktor, soll alles fertig sein. Bis dahin muss dann eine reduzierte 64. Jahresausstellung ab März kommenden Jahres im Neubau Unterschlupf finden.

Nolde Stiftung Seebüll, Neukirchen. 1. März bis 30. November 2019. Tgl. 10 bis 18 Uhr.

www.nolde-stiftung.de

63. Jahresausstellung Seebüll 2019 - Emil Nolde: "Die Menschen sind meine Bilder"

Von Christian Strehk

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