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Kultur Flackernder Unruheherd
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18:42 04.11.2019
Von Thomas Bunjes
Ausdauernd und hellwach: ADHD spielten während des Konzerts zwei Sets nonstop durch. Quelle: mwe: Manuel Weber
Kiel

Das ganze Konzert über ließen sie Instrumental-Tracks pausenlos ineinanderfließen, ein Strom der Noten und Rhythmen – ohne Notenblätter vor den Nasen. Aber das A in ADHD steht bekanntlich für „attention“, für Aufmerksamkeit. Die ist unverzichtbar, um die mit der Bezeichnung Jazz nur unzureichend umrissene Musik dieses famosen Vierers angemessen goutieren zu können.

Ein flackernder Unruheherd, der immer wieder befeuert wird – und hier kommt eine weitere Begriffskomponente hinzu, die sich im Klangkosmos der nordatlantischen Inselbewohner unbedingt positiv äußert: Hyperaktivität.

Bissiger Kick

Zwar sind auf dem aktuellen Album "ADHD 7" (die Band nummeriert seit dem vor zehn Jahren erschienenen Debüt einfach durch) die Stücke diesmal eher träge und schleppend angelegt, aber irgendwann bäumen sie sich auf. Meist versetzt ihnen dann Ómar Guðjónsson mit seiner türkisen E-Gitarre den entscheidenden bissigen Kick, während sein älterer Bruder Óskar Bruder diesem Aufbranden zum Trotz relaxt am Piano lehnt, lauscht, eine Hand in der Tasche und diesmal nicht barfüßig auf der Bühne. Irgendwann hebt er sein Saxofon und gießt pastöse Töne ins Gebrodel.

Wie organisch sich Thómas Jónsson an den Tasten einfügt, belegt die Homogenität von ADHD. Seit 2018 anstelle von Davíð Þór Jónsson in der Band, feuert Jónsson phasenweise wabernde, schwellende Keyboardsounds wie Breitseiten ins Klanggefüge, lässt die Hammond-Orgel sexy blubbern oder das Piano melodisch-poppige Akzente setzen. Am Schlagzeug agiert Magnús Trygvason Eliassen zwischen den Polen schwerfälligen Jazz-Besen-Fegens und zuckenden Wirbelns, manchmal einen Stick zwischen die Zähne geklemmt.

Stimmungsschwankende Achterbahnfahrt

Derart befeuert von dieser stimmungsschwankenden Achterbahnfahrt aus kontemplativem Ambient-Flow, Free-Jazz-Attacken, psychedelischen, rockigen oder eher bluesigen Parts, brodelt das Publikum spürbar innerlich vor Wonne. Findet aber im ersten Konzertteil keine Kerbe für Entladungen und schickt das Quartett mit langem, stürmischem Beifall, Jauchzen und Johlen in die Halbzeitpause. „Thank you for your good spirits“, hatte Ómar Guðjónssons Sensoren die Stimmung im Saal vorm Abgang erspürt, „it’s good to be here.“

Im zweiten Part fasst sich die Menge dann ein paar Mal in den Übergängen zu leiseren Passagen doch ein Herz für ein kurzes Aufschäumen von Applaus. Stille allerdings lassen ADHD wieder nicht zu. Ob die Band nun jazz-rockig wie ein Pulk Islandpferde im Tölt losprescht, angetrieben von Ómars hüpfenden Zupfern auf dem lindgrünen Bass.

Oder ob sie unvermittelt aus einer grellen, lauten Hitzeaufwallung grandios elastisch in einen leisen, daunenweichen Klangteppich gleiten können. Frenetischer Beifall, und als Zugabe legen ADHD das sedierende "Svedjan" nach.

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