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Kultur Spannende Sammlung auf Zeit
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19:39 17.11.2019
Von Sabine Tholund
Anders Petersen (links) und Ulrich Schneider zählen sicher nicht nach: Aus 400 farbigen Strohhalmen besteht Maraile Schröders Bodenarbeit "Halme" (2017). Quelle: Marco Ehrhardt
Schleswig

Gastgeber der an stets wechselnden Standorten eingerichteten Ausstellung ist nach sechs Jahren wieder einmal das Landesmuseum auf Schloss Gottorf. In der Reithalle haben die Jurymitglieder gemeinsam mit Gottorfs Kurator Ulrich Schneider die Exponate der 100 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler ins beste Licht gerückt. „Für das Landesmuseum ist es immer wieder spannend, die Landesschau zu Gast zu haben“, sagt Schneider. „Auf diese Weise sehen wir, was sich aktuell in Schleswig-Holsteins Kunstszene tut.“

BBK ehrt Monika Rathlev und Lena Kaapke

Die Künstlerin Monika Rathlev wurde zur Eröffnung der 66. Landesschau auf Schloss Gottorf mit dem Landesschaupreis des BBK-SH geehrt. Der Preis ist verbunden mit einer Einzelausstellung im Brunswiker Pavillon in Kiel und einem begleitenden Katalog. BBK-Vorsitzender Anders Petersen würdigte seine 1950 in Neumünster geborene Amtsvorgängerin: „In ihren abstrakten Bildfindungen transformiert sie Gesehenes und Empfundenes in eine strenge, grafische Welt der Linien und Flächen. Eine deutliche Handschrift, die eher nüchtern und kühl wahrgenommen wird, aber wohl auch sympathisch, typisch Norddeutsch ist.“

Monika Rathlev wurde ausgezeichnet. Quelle: Marco Ehrhardt

Mit dem mit 1000 Euro dotierten Förderpreis der 66. Landesschau wurde Lena Kaapke ausgezeichnet. Sie sage über sich, dass sie eigentlich „eine ästhetisch arbeitende Wissenschaftlerin sei und mit ihren Arbeiten zu soziokulturellen Themen forscht“, so Petersen: „Eine äußerst bescheidene, zurückhaltende Feststellung“, wenn man sich ihren Lebenslauf anschaue. Die Muthesius-Masterabsolventin erhielt neben zahlreichen anderen Preisen und Stipendien 2016 auch den Förderpreis des Kunstpreises des Landes Schleswig-Holstein

Ein Bodenobjekt aus 400 bunten Strohhalmen

Und es tut sich allerhand, wie die facettenreiche Präsentation eindrucksvoll belegt. Neben geometrisch reduzierten Zeichnungen in Schwarzweiß gibt es keramische Wandbilder mit minimalistischen Strukturen, die vom Wind gezeichnet wurden. Massiv anmutende, graue Winkel in einer Ecke spielen in luftiger Höhe mit der Architektur des Raumes, an blasse Schattenrisse lassen Figuren in einer Bilderreihe denken, die mit Beton gemalt ist. Aus 400 farbigen, sorgfältig geschichteten Strohhalmen setzt sich ein luftiges Bodenobjekt zusammen, an Wespennester erinnern die Elemente einer Wandarbeit, die aus Texten eines Wörterbuchs geformt sind.

Videos mit Überraschungspotenzial

Malerei, Fotografie und Objektkunst halten sich von der Anzahl her ungefähr die Waage. Ein paar Videoarbeiten sind auch dabei, eine davon wird ins Innere eines von der Decke hängenden Saiteninstruments projiziert. „Die Videos haben echtes Überraschungspotenzial“, sagt Jury-Mitglied Rainer Wiedemann. Der Lübecker Künstler, selbst vertreten mit einem vielschichtig bemalten Bildkasten, ist besonders angetan von Wübke Rohlfs-Grigulls Stubentanz, einem seltsam antiquiert anmutenden Schwarzweißfilm, in dem die Künstlerin sich im Wohnzimmer als Ausdruckstänzerin versucht. Flankiert wird das Video von sechs kleinformatigen, übermalten Film-Stills, die an Bewegungsstudien denken lassen.

Immer mehr jüngere Landesschau-Teilnehmer

Fast schon gespenstische Wirkung erzeugt eine mediale Rauminstallation von Hannes Fleckstein und Mateusz Dworczyk. Getrennt durch einen weißen Vorhang, der sich sanft im Luftstrom eines Ventilators bauscht, treffen sich in "Deus ex machina #2" zwei cyberartig verzerrte, auf Bildtafeln projizierte Gesichter zum Gedankenaustausch. Fleckstein und Dworcyk gehören zu den insgesamt 31 Gastkünstlern der Landesschau. Wie sie sind viele davon Studierende der Muthesius Kunsthochschule. „Damit zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Verjüngung der Landesschau-Teilnehmer ab“, freut sich der Vorsitzender des BBK-SH, Anders Petersen. Neben der „intensiven Werbung“, die der BBK im Vorwege in der Kunsthochschule gemacht hat, sieht Petersen einen Grund für das Interesse der Studierenden an der Landesschau auch in der Etablierung des Förderpreises, der im Vorjahr erstmals in Flensburg ausgelobt wurde – das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro wird in diesem Jahr vom Rotary-Club Schleswig/Gottorf gestiftet.

Einige Arbeiten sind tiefer, andere höher gehängt

Qualität ist das Programm der Ausstellung, die Petersen in seinem Vorwort zum Katalog treffend als „Sammlung auf Zeit“ bezeichnet. Der Rundgang durch diese aktuelle Sammlung ist erfrischend abwechslungsreich und damit die Besucher während des Kunstgenusses in Bewegung bleiben, sind einige Arbeiten tiefer, andere höher gehängt. In der Nachbarschaft zu Olrik Kohlhoffs monumentaler Kohlezeichnung, auf der zwei Männer im Schlauchboot über einen magisch leuchtenden Fluss paddeln, ist Tamer Serbays schrillbunte Kombination aus Digitalfotografie und Hinterglasmalerei ein knackiger Hingucker. Die Kunsttauglichkeit von Schokokeksen stellt ein Bild-Objekt von Iris Menges unter Beweis, Inken Geertz spürt mit einer Collage aus allerlei Papier der Gescheiterten Hoffnung von Caspar David Friedrich nach.

Der Preisträger der 66. Landesschau wird wie der Gewinner des Förderpreises zur Eröffnung am Sonntag bekanntgegeben.

Schloss Gottorf, Reithalle. Ausstellungspreview heute, 15 Uhr. Eröffnung am Sonntag, 17. November, 12 Uhr. Bis 23. Februar. Di-Fr 10-16, Sa+So 10-17 Uhr.

Mehr Kultur aus der Region hier auf www.kn-online.de/kultur

66. Landesschau des BBK SH

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