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Kultur Der Klang des 20. Jahrhunderts
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22:33 26.04.2019
Von Konrad Bockemühl
Fasziniert vom Stammhaus: Alan Gilbert, neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Quelle: dpa
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Hamburg.

Dabei scheint es Alan Gilbert (52) mit seiner jungenhaften Ausstrahlung fast etwas unangenehm, sich so feiern zu lassen. Die Vorfreude jedoch, sie war auf allen Seiten spürbar, als am Freitag das Programm der Spielzeit 2019/20 in der Residenz des Orchesters, der Elbphilharmonie, vorgestellt wurde. In Kiel muss sie (im Gegensatz zu Lübeck mit gleich drei Abstechern Gilberts) noch ein wenig länger andauern. Aber – „versprochen!“ – zur Saison 2020/21 kommt er nach sieben Jahren wieder ins Schloss (und wünscht sich dort ein wenig mehr Licht).

2020 dirigiert Gilbert das SHMF-Eröffnungskonzert

Zuvor gibt es ein starkes Signal zur SHMF-Eröffnung 2020: Da werden Gilbert und seine NDR-Musiker in der Lübecker Musik- und Kongresshalle nordische Klänge verbreiten: Griegs Klavierkonzert mit Leif Ove Andsnes und zwei Werke von Carl Nielsen (1865-1931) – gerade der Name des Dänen könnte schon ein guter Hinweis auf den Komponisten-Fokus des Festivalsommers im kommenden Jahr sein.

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Ansonsten zeigt der Neue zunächst vor allem in der Elbphilharmonie Flagge. NDR und Elbphilharmonie eröffnen ihre neue Saison gemeinsam mit einem Programm, das schon klar darauf hinweist, wohin die Reise mit dem welterfahrenen, mit seiner Familie in Stockholm lebenden New Yorker führt. Die Opening Night am 6./7. September spannt mit Bernstein, Ives und den visionären Amerique von Edgar Varese einen Bogen in Gilberts US-Heimat. Zum 20. Jahrhundert kommt eine Uraufführung von Unsuk Chin, südkoreanische Residenzkomponistin beim NDR. Den Kontrast dazu bildet Brahms’ Erste – als „Verneigung vor der gelebten Tradition des Orchesters“.

Das Programm passt gut zum Konzertsaal

Neue Zeiten brechen in vielerlei Hinsicht an: 50 Prozent aller Werke aus dem Saisonprogramm 2019/20 stammen aus den letzten hundert Jahren, verkündete gestern Achim Dobschall, Bereichsleiter Orchester, Chor und Konzerte beim NDR: Neben der Pflege des Kernrepertoires rücken die wegweisenden Klassiker des 20. Jahrhunderts in den Fokus. Das passt zum Saal. Stolze 35 NDR-Konzerte hat sich allein der Chef für die Saison vorgenommen, darunter auch ein Kammerkonzert mit seinen Orchestermusikern, in dem er selbst zur Bratsche greift. Insgesamt ist das NDR Elbphilharmonie Orchester im Stammhaus in 66 (von dort in der Summe 380) Konzerten vertreten. Neben Gilbert stehen in der neuen Saison auch seine Vorgänger Blomstedt, Dohnanyi, Eschenbach, der Erste Gastdirigent Krzystof Urbanski und viele mehr am Pult. Unter den Solisten fallen diesmal besonders viele Geigenstars auf.

Viel Lob aus dem NDR-Orchester

Aber auch aus dem Orchester stammen viele Solisten – das gehört ebenfalls zu Gilberts Konzept, Weshalb ihm Orchestervorstand Torsten Frank auch kräftig lobt: Unkomplizierter Umgang, gute Kommunikation, das Miteinander-musizieren ... und: „Wir schätzen sehr seine überragenden dirigentischen Fähigkeiten“.

Vier NDR-Konzerte

im Kieler Schloss

Fast 70 Lebensjahre liegen zwischen den Dirigenten, die in der kommenden Saison 2019/20 die vier Streiber-NDR-Konzerte im Kieler Schloss leiten. Der vitale Altmeister Herbert Blomstedt (91) selbst von 1996 bis 1998 Chefdirigent des Klangköpers, wird zum Auftakt der Reihe am 19. Oktober Bruckners Sechste und eine von Haydns Londoner Sinfonien dirigieren. Der erst 22-jährige, schon international vielbeachtete finnische Shootingstar Klaus Mäkelä beschießt die Saison am 5. Juni 2020, kurz bevor er sein neues Amt als Chef des Oslo Philharmonic antritt. Dazwischen stehen erneut der aus den vergangenen Jahren schon vertraute und hochgeschätzte 43-jährige Slowake Juraj Valcuha und erstmals der junge, von Lorin Maazel geförderte und mittlerweile weltweit gefragte Venezolaner Rafael Payare (39) am Pult des Kieler Schlosses.

Die Termine:

19.10.2019. Herbert Blomstedt: Haydn, „Londoner“ Sinfonie D-Dur; Bruckner, Sinfonie Nr. 6.

21.3.2020. Jura Valcuha mit Alexander Gavrylyuk (Klavier): Profofjew, Suite aus „Die Liebe zu den drei Orangen“ und Klavierkonzert Nr. 3; Dvorak: „Othello“-Konzertouvertüre; Janacek: „Taras Bulba“, Rhapsodie für Orchester.

17.4.2020. Rafael Payare mi Gautier Capucon (Violoncello): Dvorak, Cellokonert h-Moll; Schostakowitsch, Sinfonie Nr. 5.

5.6.2020. Klaus Mäkelä mit Pekka Kuusisto (Violone): Sibelius, Sinfonische Dichtung „Tapiola“; Daniel Bjarnason: Violonkonzert; Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 3 „Schottische“.

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