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12:18 20.09.2018
Kurz vorm Superstarstatus: Das neue Album „Piano and a Microphone 1983“ basiert auf einer 35 Jahre alten Kassette, die Prince in seinem Kiowa-Trail-Studio aufnahm. Quelle: Warner
Hannover

„Lass den Regen fallen“ seufzt Prince ins Mikrofon. Liebeskrank. Eifersüchtig. 17 Tage ist sie jetzt weg, und er kann’s nicht ertragen. Und was an Worten er nicht singen kann, das erzählt eben das Klavier. Es jazzt die Traurigkeit seines Spielers in die Welt.

Ein packender Werkstattbericht

Mit „17 Days“, der späteren B-Seite des Hits „When Doves Cry“, dem Gospel der Einsamkeit, dem berührenden Lamento eines Verlassenen und Machtlosen, beginnt ein besonderes Album. 35 Minuten Spieldauer. Neun Songs. Ein packender Werkstattbericht. Prince 1983, kurz vor dem Sprung zum Superstar, beim Erschaffen und Ausprobieren von Musik im Kiowa-Trail-Studio im Purple House, Chanhassen, Minnesota.

Aus dem Gitarristen wird der Mann am Klavier. Eine Präsentationsform, die Prince liebte. Legendär sind seine Solo-Überraschungsauftritte in kleinen Clubs nach den eigentlichen Konzerten in großen Arenen. Die letzte Tour, in deren Verlauf er an einer Fehldosis Fentanyl starb, trug den Namen „Piano and a Microphone“.

So heißt nun auch dieses Album. Entstanden ist es, nachdem Prince mit „1999“ einen Platz 9 in den Albumcharts geschafft hatte, mit der Single „Little Red Corvette“ auf Platz 6 gelandet war, und mit dem Titelsong und dessen „No Nukes“-Botschaft gezeigt hatte, dass er außer Sound und Melodie auch textlich etwas mitzuteilen hatte. Er war der Mann der Zukunft.

Lange Suche nach dem richtigen Tonband

Man hört, wie Hände und Füße den Beat geben, wie Prince die Band dazudenkt. Man hört Anweisungen an den Toningenieur. „Regel die Stimme ein bisschen runter“, „Dreh die Kassette um“. Hardcore-Fans kennen diese Aufnahmen. In lausiger Tonqualität sind sie schon lange in der Raubkopiererszene unterwegs.

Auch der Archivfahnder Troy Carter kannte das Bootleg und fand schließlich nach langer Suche in Prince‘ Hinterlassenschaften die Kassette. Die erzielte Klangqualität ist erstaunlich. „Piano …“ ist eine wohltemperierte Aufnahme, weit mehr als ein Thema für den Extremzirkel der Princemaniacs. Gewaltig ist sein Soul im uralten Gospel „Mary Don’t You Weep“. Ein inbrünstig vorgetragener Leidensweg, der derzeit auch das Ende von Spike Lees neuem Film „Blackkklansman“ schmückt.

Prince covert Joni Mitchells „A Case of You“ und liefert Skizzen von Albumsongs wie „Strange Relationship“ (von „Sign o’ the Times”) und „International Lover“ (von „1999”). Etwa 90 Sekunden nacktes „Purple Rain“ sind zu hören - ein Song, den Prince als Countryballade sah, den er laut Lisa Coleman, seiner Mitmusikerin aus Zeiten der Band The Revolution, zunächst an Dolly Parton oder Willie Nelson geben wollte.

Auch bei seinen „Trainingsstunden“ war Prince leidenschaftlich

Bis Wendy Melvoin mit einem bemerkenswerten Introvorschlag kam und aus dem Song ein Hommage an Hendrix und einer der größten Songs der Achtzigerjahre wurde. Ein Schnipsel nur. Ein Vorbote. „Never meant to cause you little sorrow …“ hebt Prince an und … Gänsehaut zieht herauf.

Für eine Veröffentlichung war dieses 35-Minuten-Medley über die traurige Seite der Liebe nicht gedacht. Es war bloß eine Trainingsstunde unter vielen. Und doch ist Prince dabei so konzentriert und leidenschaftlich, so intensiv, als wären es die offiziellen Sessions und es gälte, alles zu geben.

Am Ende kommt „Why The Butterflies”, einer der (neben „Wednesday“ und „Cold Coffee & Cocaine“) bislang unveröffentlichten Songs. Fingerschnippen, „West Side Story“-Feeling. „Mama, what’s this shaking in me?”, singt Prince. Als ahnte er, was alles an großer Zukunft auf ihn zurollt, als ahnte er den Superstar in sich. Im Jahr darauf kam „Purple Rain“, Album und Film. Der Rest ist Geschichte.

Prince: „Piano and a Microphone, 1983“ (Warner)

Von Matthias Halbig / RND

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