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Kultur Pendereckis Klavierkonzert: Alexander Krichel musste Konzerte mit Kieler Philharmonikern absagen
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Alexander Krichel musste Auftritt mit Kieler Philharmonikern absagen

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12:05 19.11.2021
Von Christian Strehk
Der Pianist Alexander Krichel hat bei Berlin Classics gerade Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ auf CD eingespielt.
Der Pianist Alexander Krichel hat bei Berlin Classics gerade Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ auf CD eingespielt. Quelle: Jan Prengel
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Kiel

„Krzysztof Penderecki hatte meine Rachmaninow-CD mit dem Zweiten Klavierkonzert gehört– und obwohl das Werk schon so oft aufgenommen worden ist, hat sie ihn wohl sehr begeistert“, erzählt Alexander Krichel mit berechtigtem Stolz.

Daraufhin eingeladen vor drei Jahren zu Pendereckis Beethoven-Festival nach Warschau, habe er ihm dort gesagt: So, wie er Rachmaninow spiele, müsste er unbedingt sein Klavierkonzert aufführen. Krichel: „Wenn einer der großen Komponisten der Gegenwart so etwas zu einem sagt, fühlt sich das logischerweise an wie ein Ritterschlag.“

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Der vielgelobte Pianist, der inzwischen aus London zurück in seine Heimatstadt Hamburg übergesiedelt ist, hätte das groß besetzte, 2001 für die Opfer des New Yorker Terroranschlags vom 11. September entstandene, farbig reich schillernde Werk „Resurrection“ eigentlich gerade jetzt auf einer zehnwöchigen Asien-Tournee in Südkorea, Japan, Hongkong und China spielen sollen. Alles abgesagt wegen Corona.

„Umso mehr freue ich mich, dass es in Kiel klappt. Das Projekt zum 20. Jahrestag von ‚nine eleven’ wollten wir eigentlich gemeinsam in Berlin realisieren – sein Traum und natürlich mein Traum.“ Zur Aufführung und Fernsehaufzeichnung ist es aber nicht mehr gekommen. „Und inzwischen ist er ja im März 2020 leider auch gestorben, sonst wäre er, da bin ich mir sicher, nach Kiel ins Publikum gekommen“, so der 1989 geborene Echo-Klassik-Preisträger. „Jetzt spielen wir es im Gedenken an ihn. Da bekommt dann auch der Titel ‚Auferstehung’ noch eine ganze persönliche Bedeutung.“

Pendereckis Klavierkonzert schöpft aus dem Vollen

Pendereckis kompositorische Biografie sei sehr interessant. „Als ich ihn kennengelernt habe, war seine Philosophie, sich stilistisch nicht auf etwas zu beschränken, sondern aus dem Vollen der vielen Ausdrucksmittel zu schöpfen. Das macht auch das Klavierkonzert aus.“ Es sei auf der einen Seite sehr chromatisch engschrittig konzipiert. Es gebe aber auch viele lyrische Passagen, atonal lyrische, aber eben auch tonal lyrische, sehr harmonische, die deshalb so stark wirkten, weil sie im Kontrast zum Drumherum stehen.

Die überaus gelungene neue CD von Alexander Krichel. Quelle: Berlin Classics

Krichel: „Das Stück lebt sehr stark davon, dass es unterschiedliche Emotionen klanglich verkörpert, könnte man sagen. Das Thema Auferstehung prägt eine sehr spirituelle Seite, die Auflösung aller Emotionen, und lässt daraus etwas Transzendentes entstehen. Und auf der anderen Seite hat es natürlich mit dem Tod zu tun, weil die Auferstehung nun mal nicht ohne ihn zu haben ist. Deshalb ist hier vieles sehr dunkel getönt, aber eben zugleich auch sehr licht und richtungsweisend.“

Alexander Krichel und Krzysztof Penderecki: Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Aufgeführt wird die überarbeitete Zweitfassung von 2007. „Ich konnte sehr viel mit ihm über das Stück reden“, erzählt der Pianist, „aber immer, wenn ich ganz konkret von ihm etwas über musikalische Gesten und Spielweisen wissen wollte, hat er lächelnd und bescheiden gesagt: ‚Sie sind der Interpret. Ich vertraue Ihnen.’ Authentisches Musizieren war für ihn ein authentisches Interpretieren der Ausführenden. Er wollte den kreativen Prozess gar nicht so sehr beeinflussen.“

Alexander Krichel hat selber gerade Mussorgskys berühmte „Bilder einer Ausstellung“ sehr eigenwillig und überzeugend auf CD eingespielt und mit Raritäten von George Enescu und Alexander Borodin kombiniert. Mit den „Bildern“ ist er sehr gefragt und kann auch Education-Projekte damit anschaulich umsetzen. Außerdem will eine Londoner Künstlerin ein Filmprojekt aus den klangmalerischen Charakterstücken mit ihm realisieren.

Philharmonisches Konzert mit Werken von Britten, Bach und Penderecki am 21. November um 11 Uhr, moderiertes Kurzkonzert „Phil Extrakt“ um 18 Uhr (nur Bach und Penderecki) in der Wunderino-Arena Kiel. Karten: www.theater-kiel.de und Tel. 0431/901 901.

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