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Kultur Die französische Evolution
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13:28 28.09.2019
Von Kai-Peter Boysen
Der Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Alfons bei der Vorpremiere des neuen Programms im Lutterbeker.  Quelle: Kai-Peter Boysen
Lutterbek

Aus dem Vorhaben, ein Gute-Laune-Programm zu schreiben, ist nichts geworden. Er habe schon ein paar gut gelaunte Zeilen verfasst, „aber dann kam mir dieser Trump dazwischen“, entschuldigt sich Alfons zu Beginn. Die folgenden Minuten widmet er einigen tragikomischen Trumpmomenten und -zitaten wie: „Ich schließe nichts aus“ auf die Frage während des Wahlkampfes, ob er Europa bombardieren wolle. „Aber wir sind trotzdem in Sicherheit, er weiß nicht was Europa ist“, beruhigt Alfons die Gemüter. Bei einem Mann, der Belgien für eine Stadt hielt, durchaus denkbar.

Am Anfang des eigentlichen, noch namenlosen, Programms steht eine enorme wissenschaftliche Leistung, nämlich Forschungsgerät, das in deutsch-französischer Kooperation auf den 300 Millionen Kilometer entfernten Asteroiden Ryugu geschossen wurde, um mehr über seine Struktur zu erfahren („Wir Franzosen wollten auch wissen, ob man dort Wein anbauen kann“).

„Wer vier Politiker kauft, kriegt den fünften gratis“

Für die Antwort auf seine Fragen zur aktuellen weltpolitischen und gesellschaftlichen Situation holt der Franzose mit deutscher Staatsbürgerschaft hingegen weit aus; genau gesagt rollt er die Evolution des Menschen auf. Wer den Mann mit dem schelmischen Lächeln kennt, weiß, dass hier keine anthropologische Einschlafhilfe folgt, sondern ein Vortrag aus amüsanten Details, Fotos und autobiographischen Geschichten von seinem Nachbarn, seiner Lehrerin, Verwandten und Freunden. Ganz nebenbei erfährt man vom laxen Umgang der Franzosen mit Korruption („Wer vier Politiker kauft, kriegt den fünften gratis“) und vom Skandal um Ex-Präsident Nikolas Sarkozy, der unter dem Namen seines Ex-Mitschülers Paul Bismuth sehr dubiose Geschäfte tätigte und in großen Schwierigkeiten steckt.

Sein Programm trägt Alfons mit gewohnt charmantem französischem Akzent vor und es kommt einem oft so vor, als säße man mit ihm am Tresen und höre zu, wie er belustigt, aber auch besorgt seine Weltsicht vermittelt. Da gehören Geschichten aus der Kindheit dazu, in der er lernte, das Singen der Bienen im Stock zu hören; überhaupt die Schöpfung zu respektieren und wenn er auf die Struktur des menschlichen Gehirns zu sprechen kommt, weiß man, wohin er das Publikum führen möchte: Keine Angst zu haben und die Bestie in uns zu beherrschen, die immer nach mehr strebt, die rücksichtslos produziert, konsumiert und zerstört. Immer schneller, immer weiter, wie Dopamin-Junkies.

Brief an die Nachfahren

Dass er dennoch Hoffnung hat, beweist er abschließend mit einem Brief an seine Nachfahren in fünfter Generation: „Beinahe hätten wir die Erde und die Menschheit zerstört (…) Wenn ihr das lest, haben wir es geschafft. Aus technischen Gründen kann ich euch nicht sagen, wie wir es geschafft haben, aber das könnt ihr in den Geschichtsbüchern nachlesen.“ Es wäre schön, wenn der Brief Alfons‘ Nachfahren erreichte.

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