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Kultur Kein Support für James Blunt
Nachrichten Kultur Kein Support für James Blunt
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19:07 06.05.2019
Von Thomas Bunjes
Foto: Macht heute noch gelegentlich Straßenmusik: Alice Phoebe Lou, geboren in Südafrika und Wahlberlinerin.
Macht heute noch gelegentlich Straßenmusik: Alice Phoebe Lou, geboren in Südafrika und Wahlberlinerin. Quelle: Elliott Mckee
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Kiel

Paris, Amsterdam, Berlin – warum hat es dich immer wieder von Südafrika nach Europa gezogen?

Alice Phoebe Lou: Ich habe Europa acht Monate lang bereist, um Erfahrungen außerhalb meines Landes zu sammeln. Ich habe Straßenaufführungen gemacht, Feuertänze. In Berlin wollte ich damals nur eine Woche bleiben, daraus wurden zwei Monate.

Ich habe die Freiheit genossen, in einer Stadt zu sein, die sehr kulturell ist und auch sehr sicher. Das hat mich hineingesogen. Deswegen habe ich mich gegen ein Studium in Südafrika entschieden und bin nach Berlin gezogen, um mit Straßenmusik weiterzumachen.

Wer oder was hat dich ermutigt, in so jungen Jahren auf eigene Faust so weit zu reisen?

Das kam aus mir selbst. Wenn ich einen Entschluss gefasst oder eine Idee habe, läuft es generell darauf hinaus, dass ich das dann auch umsetze. Meine Eltern waren ein wenig besorgt um mich, aber sie haben meine Entscheidung respektiert, vor allem, weil ich das mit meinem selbst gesparten Geld gemacht habe. Ich habe auch einen europäischen Pass, also wollte ich diese Gelegenheit nutzen.

Du hast die Tänze mit Feuer-Pois erwähnt, mit brennenden Bällen, die an einer Schnur im Kreis geschleudert werden. Was hat dich daran fasziniert?

In der Jugend hatte ich Tanzunterricht und daher eine größere Nähe zu dieser Art von Performance als zur Musik. Außerdem dachte ich, dass etwas mit Feuer attraktiver für die Touristen sein könnte.

Verging deshalb einige Zeit, bis du Straßenmusik gemacht hast?

Ja, es ist viel beängstigender, auf der Straße Musik zu machen. Du bist viel verletzlicher, weil du Lieder mit deinen Gedanken darin spielst. Es braucht viel mehr Mut.

Deine erste EP und dein erstes Album hast du aus eigener Tasche finanziert. Nur durch Straßenmusik?

Ja, absolut. Ich habe bei Straßenauftritten selbst gebrannte CDs mit Wohnzimmer-Aufnahmen verkauft.

Du verweigerst dich der Kommerzialisierung deiner Musik durch Major-Labels. Weil die Musik für dich zu kostbar ist? Oder hegst du eine Antipathie gegen die Musikbranche?

Ich habe nichts gegen die Mainstream-Musikindustrie. Für mich passt der individuelle Weg besser. Ich bin nicht darauf aus, Millionen zu verdienen oder berühmt zu werden. Ich will Musik mit Qualität machen und das genießen.

James Blunt hat dir angeboten, ihn als Support-Act auf Tour zu begleiten. Du hast abgelehnt.

Ich mag keine großen Shows in Stadien spielen. Ich mag es intimer, persönlicher, echter. Ich war immer ein wenig besorgt, meine Karriere zu schnell abheben zu lassen. Wichtig ist es für mich, sehr hart zu arbeiten und mir die Dinge zu verdienen und die Lektionen zu lernen, um aufs nächste Karrierelevel zu kommen. Am nächsten Morgen aufzuwachen und viel mehr Erfolg und Fans zu haben, ist ein wenig gefährlich, weil du deine Lektionen nicht gelernt, die Fehler nicht gemacht hast.

Dein Song „She“ hat es im Dezember 2017 auf die Oscar-Shortlist für den „besten Originalsong“ geschafft. Auf Facebook hast du darüber gejubelt („big news!“). Aber steht denn nicht gerade auch der Oscar für Kommerz?

Jede Leistung, speziell die unerwartete, ist für mich eine Wegmarke. Allerdings sind da 70 Songs auf der Shortlist, insofern war das das keine so irre Sache, nominiert zu werden. Aber alleine zu zeigen, dass man dies erreichen kann mit einer unabhängigen Karriere, selbständig und ohne Label, ist inspirierend.

In den neuen Songs „Galaxies“, „Something Holy“ und „Skin Crawls“ gibt es kleine Jubelschreie von dir. Das ist ungewöhnlich. Wie kamst du darauf?

Ich bin in meinen Songs viel sicherer geworden und vielfältiger in dem, was ich ausdrücken will. Diese Glückslaute sind ein tiefer Ausdruck für etwas, was ich nicht in Worte fassen kann. Wäre ich weniger sicher, könnte ich das nicht mit anderen teilen.

Konzert: Mittwoch. 8. Mai, 20 Uhr, Pumpe, Haßstr. 22, Kiel.