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15:03 31.08.2019
Von Ruth Bender
Das Verbrechen ist überall: Auch im Fährterminal Dagebüll findet sich eine Auswahl von Regiokrimis. Quelle: Konrad Bockemühl
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Kiel

In Flensburg brennen an der Ballastbrücke gleich mehrere Häuser und bringen Kommissar Reuter und Detektiv Bargen in Stress (Kuttertod). Im alten Olympiahafen vor dem Weltwirtschaftsinstitut dümpelt eine Leiche (Fatale Förde). Die Polizei auf Sylt hält eine seltsame Einbruchsserie in Atem (Syltfeuer), und in einem Riesenrad, das zufällig am Kanal bei Sehestedt aufgebaut ist, hängt ganz oben ein Mann, der sich als toter Wirtschaftsminister entpuppt. Ein Rätsel, dass Kommissarin Marie Geisler in Arnd Rüskamps Windstärke 10 zu lösen hat.

Regiokrimis: Das Verbrechen ist überall

Das Verbrechen ist überall, wenn man dem Regionalkrimi glauben darf. Kaum ein Ort am Rande der Republik, der nicht von einem Ermittler-Team besetzt ist, das den Provinzmorden nachspürt. Vor 30 Jahren legte Jacques Bernsdorf mit seinem Eifel-Blues im Kölner Gmeiner-Verlag einen Überraschungserfolg hin; und seither wird im Regionalkrimi – dessen Erfindung eigentlich der Emons-Verlag bereits 1984 mit Christoph Gottwalds Köln-Krimi "Tödliche Klüngel" für sich reklamiert – gemordet, was das Zeug hält. Von Flensburg bis Kitzbühel und von Köln bis Husum.

Mit den Jahren und einem mittlerweile inflationären Angebot ist das Genre etwas in Verruf geraten. Nicht alles, was auf dem Cover glänzt, ist Krimi-Gold. Im Buchhandel läuft das Segment trotzdem. "Die gehen immer. Die Leute mögen es, wenn sie ihre Region wiedererkennen", sagt Hauke Harder, Buchhändler in Friedrichsort und seit neuestem selbst Romanfigur im neuen Krimi von Arnd Rüskamp – als "Lieblingsbuchhändler" von Kommissarin Geisler.

In Harders Buchhandlung hält ein ganzes Regal Krimis mit Spielort Schleswig-Holstein bereit, bei Hugendubel liegen die Titel stapelweise.

Krimi-Tipp

Eigentlich ist Olga Island in die Hüttener Berge gefahren, um Urlaub zu machen. Doch schon bei ihrem ersten Ausflug wird das unwegsame Waldgebiet von unheimlichen Schreien erschüttert. Was der Nebel am nächsten Tag freigibt, ist der wohl grausigste Anblick in Olga Islands Karriere: die Leichen zweier Wanderer, eingehüllt in eine Art Kokon aus Filzwolle. Wie die Kieler Autorin Kirstin Warschau ihre Fälle in ein Netz aus regionalen Bezügen, neugierig machenden Wegen und oft auch historischen Verweisen einspinnt, ist jederzeit lesens- und oft auch nachwandernswert. Das gilt auch für den 2018 erschienenen Roman "Nebelgrab" (Piper Verlag), den vorläufig letzten Fall, der die Kieler Kommissarin Olga Island umtreibt. Eine eigenwillige Protagonistin übrigens, die man gern immer wiedertrifft. 

Leseprobe: "Etwas stimmt nicht, denkt Olga Island und starrt in die Dunkelheit. Sie sieht nichts, und doch ist da jemand und atmet. Sie lauscht angestrengt. Ihr Herz klopft schmerzend. Jemand steht neben ihrem Bett."

Ostsee auf Platz fünf als Krimi-Region

Die Ostsee hat es laut einer Erhebung der Hörbuch-Online-Magazins audible in dem Genre auf Platz fünf der beliebtesten Krimi-Regionen gebracht, Nordfriesland folgt auf Platz sieben. Fünf Bücher hat allein der Gmeiner-Verlag im Herbstprogramm, bei Emons sind es vom "grausigen Fund in der Flensburger Förde" bis zur "Hetzjagd in der Lübecker Altstadt" sechs. Aber auch die Großverlage mischen mit im Geschäft mit dem Mord vor der Haustür. Droemer Knaur setzte etwa vor einigen Jahren auf Kari Köster-Lösche und ihre historischen Nordfriesland-Krimis. Rowohlt fährt eine nordische Großoffensive: Krischan Koch, Janne Mommsen, Dora Heldt, Gisa Pauly und Sven Stricker lassen an Nordfrieslands Küste, auf Föhr und Sylt ermitteln. Ziemlich erfolgreich übrigens: Stricker wurde 2017 mit seinem Erstling um den wunderbar depressiven Kommissar Sörensen (Sörensen hat Angst) gleich für den renommierten Glauser-Preis nominiert.

Wichtig sind die Landschaftsbeschreibungen

Bei Piper erscheint Kirstin Warschaus mit viel Lokalkolorit und spannenden historischen Bezügen angereicherte Serie um die taffe Kieler Kommissarin Olga Island. Und Suhrkamp hat Simone Buchholz mit ihren genialen Hamburg-Krimis um die unkonventionelle Staatsanwältin Chastity Riley und ihre skurrile Entourage vom Kiez von St. Pauli.

"Gute Landschaftsbeschreibungen sind wichtig für einen guten Regionalkrimi", so Hauke Harder, "das darf nicht nur nach der Landkarte erzählt sein." Ute Haese gibt ihren Probstei-Krimis um Privatdetektivin Hanna Hemlok schon mal ein Glossar zum Verständnis mit, und Kirstin Warschau ist es durchaus wichtig, dass ihre Leser die Wege der Bücher auch in der Realität nachwandern können. Und Krimi-Autor Hannes Nygaard ergänzt: "Es reicht nicht, dreimal hier Urlaub gemacht zu haben. Man muss schon die Sprache und die Menschen kennen." Da fällt es schon mal auf, wenn ein ortsunkundiger Autor über die Hörnbrücke ein Taxi fahren lässt.

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Hier sehen Sie, welche Regionalkrimis es aus Schleswig-Holstein gibt.

In seinem vorigen Leben war Hannes Nygaard lange Jahre Unternehmensberater. Seit der studierte Betriebswirt aber 2004 mit „Tod in der Marsch“ sein erstes Buch veröffentlichte, hat er sich dem Regionalkrimi verschrieben. Ein Gespräch über Regionalkrimis, die Nordsee und die Authentizität.

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