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Kultur „Ariadne auf Naxos“ als Boulevard-Komödie in der Staatsoper Hamburg
Nachrichten Kultur „Ariadne auf Naxos“ als Boulevard-Komödie in der Staatsoper Hamburg
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18:23 14.05.2012
Die Sängerinnen Hayoung Lee als "Zerbinetta" (l) und Christina Damian als "Komponist". Quelle: dpa

Die Pragmatikerin Zerbinetta, die sich zuvor vorwitzig eingemischt hat, wird also wieder mal Recht behalten: Liebeskummer lohnt sich nicht ... Und sogar der Komponist gewinnt der von einem gelangweilten Theatermäzen verordneten Zwangsfusion seiner ach so anspruchsvollen heroischen Oper mit einer schmierenkomödiantischen Musical-Dance-Group schließlich Positives ab.

Christian Stückl, Leiter der Passionsfestspiele Oberammergau und Intendant des Münchner Volkstheaters, bricht die Oper Ariadne auf Naxos auf ganz simple Formeln herunter. Das hochartifizielle Kunstprodukt des kongenialen Musiktheater-Gespanns Strauss / Hofmannsthal, das die klassische Tragödie mit der Commedia dell’Arte verschränkt und in eine gestelzte Rahmenhandlung nach Molières Bürger als Edelmann einfasst, interessiert ihn wenig. Im Programmheft spricht er Hugo von Hofmannsthal, immerhin dem Texter des Rosenkavaliers, jeglichen Sinn für Humor ab. Und für mythologische Rückbezüge zu den ollen Griechen muss der Sekundenauftritt eines Minotaurus mit schickem Gehörn genügen.

Stattdessen wird hübsch Boulevardtheater auf dem Theater gespielt. Stückls Ausstatter Stefan Hageneier hat das Publikums-Parkett der Staatsoper dafür um ein schlichtes Drehbühnenportal auf der Bühne verlängert. Hier kann der Haushofmeister (Levente Páll) als Inspizient den ganz normalen Theateralltagswahnsinn in Rotation versetzen. Und hier versucht der Musiklehrer (nach wie vor ein Bariton-Phänomen: Franz Grundheber) das Genie und die Emotionen seines sensiblen Schülers im Zaum zu halten: Die rumänische Mezzosopranistin Cristina Damian singt und spielt den Komponisten mit energisch gleißender Emphase, könnte aber noch nach mehr Farben in der Partie suchen.

Die beherrscht Anne Schwanewilms dafür in allen Schattierungen. Ob als zickige Primadonna im Hinterbühnen-Vorspiel, als todestrunkene Einsame auf Naxos oder im Jubel des Liebeserwachens – überall findet ihre Ariadne den rechten, auf dem Atem schwebenden Strauss-Ton. Auch bei Johan Botha merkt man die Vertrautheit mit der extrem fordernden Bacchus-Partie. Die tenoralen Zumutungen meistert er ehrenwert und resonanzreich.

Zerbinetta, gut besetzt mit der Koreanerin Hayoung Lee, muss nach ihrer halsbrecherischen Koloraturarie („Großmächtige Prinzessin ...“) ein paar Buh-Rufe verkraften. Vielleicht ja, weil sie immer sinnlich weich singen möchte und dadurch zu runden Schleifern tendiert, die den vokalen Zierrat leicht verunklaren. Vielleicht fehlt ihr in ihren lächerlichen Kostümen und ihrer grellen Maske aber auch nur berührende Anmut. Überhaupt muss ihre (leider nicht immer organisch klingende) Komödianten-Riege in grasgrünen Trainingsanzügen oder als Verschnitte aus fernen Disco-Tagen eher billige Show mimen. Nur ganz an der Oberfläche funktioniert das gut.

Ein weit amüsanterer und endlich einmal hintersinniger Kniff gelingt der Regie jedoch, indem die Nymphen einmal nicht statuarisch um Ariadne herumwehen, sondern als aufgetakelte Premierenbesucherinnen, Autogrammjägerinnen und kommentierende Plaudertaschen in der ersten Reihe platziert sind. Außerdem singen Katerina Tretyakova (Najade), Rebecca Jo Loeb (Dryade) und Gabriele Rossmanith (Echo) dieses Erkenne-dich-Selbst des Zuschauers ganz zauberhaft.

Simone Young muss bei der Rückkehr ans Pult vor Beginn der zweiten Hälfte wieder „Aufhören“-Rufe von einer penetranten Antifraktion über sich ergehen lassen. Dabei erreicht sie mit dem wie vorgesehen nur 37-köpfigen, aber durch Klavier, Celesta, Schlagzeug, Harfen und das (hier gelegentlich zu laute) Harmonium klangmächtig aufgebauschten Philharmonischen Orchester einige schöne Strauss-Momente. Allerdings darf im Laufe der Aufführungsserie der Legato-Sog der Musik gerne noch mitreißender fließen, könnten das kecke Tänzeln und helle Glitzern der rhythmischen Kontrastteile noch pointierter aufgelegt werden. Aber allzu fein geht’s oben am Griechenstrand ja auch nicht gerade zu.

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