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Kultur „Wir wischen oft nur an der Oberfläche“
Nachrichten Kultur „Wir wischen oft nur an der Oberfläche“
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09:45 02.11.2019
Von Beate Jänicke
Bekannt für seine gute Mischung aus knackiger Komik und scharfem Politkabarett: Arnulf Rating. Quelle: POP-EYE/Kriemann
Lutterbek

Herr Rating, der Bayrische Kabarett-Ehrenpreis fürs Lebenswerk, was überwiegt da, die Freude oder das Gefühl, ich bin doch noch längst nicht fertig mit dem Lebenswerk?

Arnulf Rating: Kann ich nicht sagen. Aber es ist schon bemerkenswert, dass man als Preuße den Bayrischen Kabarettpreis erhält. Ich habe auch einiges von bayrischen Humoristen gelernt. Einer meiner größten Schriftsteller ist Lion Feuchtwanger, und an Kabarettgrößen wie Gerhard Polt kann man seine Freude haben.

Ausgezeichnet werden Sie vom Bayrischen Rundfunk, der sich einst aus der Live-Übertragung einer „Schweibenwischer“-Folge ausschaltete. Auch Sie hatten mit den „3 Tornados“ manchen Dissens mit TV-Sendern. Ist der Preis jetzt eine schöne Pointe?

Entweder sitzen da jetzt andere Menschen, oder es ist eben Gras über die Sache gewachsen. Aber es ist ja so: Da, wo die Etablierten die Fallstricke sehen, da muss man mit dem Kabarett fröhlich reintappen oder nett dran vorbeigehen – wie es einem beliebt.

Ihre über vier Jahrzehnte politisches Kabarett bedeuten ständige Konfrontation mit den Aufregern der Nation. Wie hält man seinen kritischen Geist da frisch?

Die Wirklichkeit hält einen wach, es bleibt einem doch nichts anderes übrig. Für mich ist das auch Therapie: Wenn ich das ganze Elend bei mir belassen würde, würde ich wahrscheinlich verzweifeln. So kann ich es Leuten erzählen und dafür sogar noch Eintritt kassieren.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich extrem viel gewandelt, etwa durch die Erfindung des Internets. Welchen Einfluss hat das aufs Kabarett?

Das Internet hat unsere Kommunikation verändert. Die Algorithmen der Plattformen funktionieren so, dass die abartigsten Meinungen die meisten Follower bringen, siehe Trump. Bei unseren Anfängen damals mit den 3 Tornados waren die Zuschauer sehr aufgeklärt, und wir Kabarettisten hatten die Aufgabe, Spaß in die Sache zu bringen. Heute ist alles verwitzt, und die Leute meinen, sie seien so informiert, nur weil sie alles bei Wikipedia nachschlagen können. Da dreht sich die Aufgabe des Kabaretts manchmal um, hin zu einem wirklichen Infotainment.

Arnulf Rating 2017 im Lutterbeker: Die Kritik

Heute bewegen sich viele Menschen nur noch in ihren eigenen Info-Filterblasen, mit Lügen wird Politik gemacht, wie beim Brexit-Votum. Leben wir in besonders krisenhaften Zeiten, was die Demokratien betrifft?

Ein Kreuz als einzige Mitwirkung für Jahre im Voraus ist jedenfalls denkbar wenig. Bei den EU-Wahlen hatten wir einen Spitzenkandidaten, den es nachher gar nicht mehr gab. Dabei ist es wichtig, dass wir uns einmischen. Die Frage ist bloß, ob man, wenn man nur auf sein Smartphone guckt, die Wirklichkeit im Blick hat oder ob man nur an der Oberfläche wischt.

Junge Kollegen wie Jan Böhmermann oder Die Partei mischen teils direkt auf der politischen Bühne mit, wie gucken Sie darauf?

Das finde ich einen interessanten Aspekt, ist aber natürlich auch wieder dieser allgemeinen Verwitzung geschuldet. Die Gesellschaft lässt heute, anders als früher, alles zu, was witzig ist, Hauptsache, man kratzt bloß nicht an den Verhältnissen. Wir haben nicht die Kraft, unsere Lebensweise in Frage zu stellen, siehe Klimapaket. Stattdessen machen alle mit bei dem Wahnsinn des ewigen Wachstums.

Im Lutterbeker präsentieren Sie Ihre „Jahrespresseschau 2019“. Was sind Ihre herausragenden Ereignisse 2019, negativ wie positiv?

Negativ ist, was wir an kriegerischen Entwicklungen haben, auch was wir an Gräben haben in unserem Land. Wenn man Leute wie Björn Höcke von der AfD reden hört, kommt wieder eine Diktion auf, die man nicht mehr für möglich gehalten hat. Positiv ist für mich dagegen die „Fridays for Future“-Bewegung, die einen absolut notwendigen Anstoß gibt.

„Jahrespresseschau 2019“ von Arnulf Rating, Sa., 2. 11., 21 Uhr, Lutterbeker

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