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Kultur Seelen-Striptease in der VHS-Arena
Nachrichten Kultur Seelen-Striptease in der VHS-Arena
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19:32 27.09.2019
Von Sabine Tholund
Vier, die sich nichts schenken: (v.li.) Jule Nero, Esther Barth, Oleksandra Zapolska und Martina Riese. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Die Bühne ist ein schmuckloser Seminarraum mit Flip-Chart und nüchternem Gestühl; zwei dürre Grünpflanzen kämpfen erfolglos an der Deko-Front. Eine besondere Ausstattung braucht Erich Schuler nicht, um den Teilnehmerinnen seines VHS-Selbstfindungskurses auf den Zahn zu fühlen und sie zu dazu zu bringen, ihr Innerstes nach außen zu kehren. Und so blitzen in Petra Winterstellers brillant gebauter Komödie Unbeschreiblich weiblich immer wieder Momente unverhofften Tiefgangs auf, wenn die Frauen ihre Masken fallen lassen und mehr von sich preisgeben, als sie vorhatten. Mit viel Sinn für Zwischentöne hat Tina Wagner den unterhaltsamen Seelen-Striptease der vier komplett unterschiedlichen Frauentypen im Lore & Lay Theaterschiff inszeniert – zur großen Freude der Zuschauer, die das glänzend agierende Ensemble am Premierenabend mit hochverdientem Applaus feierte.

Hier wird sich nichts geschenkt

Auf den Punkt genau zeichnet Josch Riese den Kursleiter als weichgespülten Gutmenschen, ohne die Figur zur Karikatur verkommen zu lassen. Mit leicht hängenden Schultern betritt er den Raum, an einer Hand baumelt ein politisch korrekter Stoffbeutel mit der Aufschrift „Alles Jute“. Milde lächelnd rückt er erst die schnöden Plastikstühle, dann seine Hornbrille zurecht – und wartet. Es dauert nicht lange, bis sie eintrudeln, die vier Damen, die sich in der unterkühlten VHS-Arena in den kommenden zwei Stunden nichts schenken werden.

Sauertöpfische Anwältin trifft verhuschte Lehrerin

In korrektem Business-Outfit kommt Verena (Oleksandra Zapolska) hereinstolziert. An ihrer sauertöpfischen Miene und der Art, wie sie leicht ungehalten auf die Uhr schaut, ist unschwer die Spaßbremse zu erkennen. Auf ganz andere Weise speziell ist Eva (Jule Nero). Schick gestylt im karierten Hosenanzug stöckelt sie auf die Bühne, kramt das Handy aus dem Handtäschchen, stellt sich affig in Position und schießt mit selbstverliebtem Blick ein paar Selfies. Während sie die Ergebnisse ihres Foto-Shootings überprüft, kommt Ute (Martina Riese) angeschlurft – in gut ausgepolsterter Bequemhose mit extrem freundlichem Lächeln im ungeschminkten Gesicht. Fehlt nur noch Lola (Esther Barth); und als die mit einiger Verspätung unter tausend Entschuldigungen ihren Platz einnimmt, ist Verena bereits auf Hundertachtzig. Schnell hat die unfrohe Anwältin die verhuschte Lehrerin als Opfer ausgemacht und lässt in den gruppendynamischen Spielen, die der sanfte Erich nun mit dem inhomogenen Quartett veranstaltet, keine Gelegenheit zum Frontalangriff aus.

Wohl temperierte Inszenierung

Auch in anderen Konstellationen gehen die Frauen im Laufe des Abends aufeinander los – aufmerksam beäugt vom Kursleiter, der schnell erkennt, dass hier jede ihr Päckchen zu tragen hat und keine die ist, die sie zu sein vorgibt. Und so wechseln in der wohl temperierten Inszenierung komische Szenen mit rührenden Momenten, etwa wenn die hartnäckig schwäbelnde Ute ihr schlichtes Grinsen verliert und unter Tränen beklagt, wie wenig sie sich in ihrem Hausfrauendasein als Mensch geschätzt fühlt. Oder wenn die von ihrem Partner verlassene Verena die Fassung verliert und die coole Eva feststellt, dass sie es satt hat, auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden. Zwischen diesen Geständnissen bleibt jede Menge Raum für bestens platzierte Pointen. Ein äußerst gelungenes Gesamtpaket.

Weitere Vorstellungen: 28. September, 20 Uhr. 4., 5., 11., 12., 18., 25., 26. Oktober. Karten: Tel. 0180-6700733. loreundlay-theater-schiff.de

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