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Kultur Rocko Schamoni und die Dummheit
Nachrichten Kultur Rocko Schamoni und die Dummheit
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12:14 17.10.2018
Von Thomas Richter
Foto: Foto: Rocko Schamoni sorgte für viele Lacher im Kieler Schauspielhaus.
Rocko Schamoni sorgte für viele Lacher im Kieler Schauspielhaus. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Die große Rocko Schamoni Schau bot viel vom bittersüßen Defätismus des Ex-Dorfpunks, der in Lütjenburg das Licht jener Welt erblickte, gegen deren Irrsinn er seit Jahren als Musiker, Autor, Humorist und Schauspieler zu Felde zieht. Und – überflüssig zu erwähnen – ist Schamoni längst Kult. Kritikerliebling, Publikumsmagnet und Störenfried gleichermaßen.  

Dass sich der Mensch bei der Vorbereitung auf sein Ableben viel Zeit hat, seine Dummheit unter Beweis zu stellen, macht Schamoni zum Thema seiner phantastischen Performance. Er liest aus einem Buch, das eigentlich noch in seiner Entstehung begriffen ist, und, so der Dichter, „vermutlich nie veröffentlicht wird.“

Dummheit als Weg heißt die Enzyklopädie menschlicher Hirnlosigkeit, die sich zum Teil aus persönlichen Erfahrungen oder Beobachtungen speisen - sagt Schamoni. Und wer dem glaubt, wird seelig. Man solle bei der eigenen Dummheit anfangen, „weil man mit seinen Erkenntnissen sonst zu arrogant rüberkommt“, weiß der heitere Misanthrop und schildert haarsträubende Geschichten aus seinem Urlaub in der Bretagne.

Zum Schreien komische Dialoge

Es gibt die amouröse Dummheit, die Schamoni mit einem grandiosen großen kleinen Hörspiel zur Schau stellt. Gegeben wird der zum Schreien komische Dialog einer Internet-Bekanntschaft beim ersten Date.  Kostprobe?  Er: „Ich finde, eine Frau sollte immer ihre Würde behalten.“ Sie: „Apropos Würde, ich würde jetzt gerne gehen“. Auch gebe es die Altersdummheit, die nicht die Dummheit alter Menschen meint, sondern das eigene Unvermögen mit dem Alter umzugehen. So dass man schließlich findet, dass „das Leben ab 50 wirkt wie ein Christbaum am Tag nach Weihnachten.“ Einträge ins Schwarzbuch intellektueller Fehlversuche gibt es an diesem Abend zuhauf. Einer schöner als der andere. Frei nach Wilhelm Busch „Ach, die Welt ist so geräumig /Und der Kopf ist so beschränkt.“

Tolle Songs

Dann war da noch die Musik. Von Bühnenkollege Tex Matthias Strzoda exzellent mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang begleitet, bringt Schamoni tolle Songs unter anderem aus seinem unschlagbaren Cover-Album "Die Vergessenen" zu Gehör. „Große vergessene Songs wunderbarer zum Teil ebenfalls vergessener Künstler.“ Wie "Ist das wieder so 'ne Phase?" Von der Berliner „Girl-Group“ The Lassie Singers (Auflösung 1998), für Schamoni „ das wohl beste Lied über Depression und Melancholie überhaupt.“