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07:00 13.07.2018
Von Sabine Tholund
Foto: Museumsdirektor Michael Fuhr im Spiegel eines Streampunk-Objektes (Phonepunk, Camera Occulta, 2014).
Museumsdirektor Michael Fuhr im Spiegel eines Streampunk-Objektes (Phonepunk, Camera Occulta, 2014). Quelle: Michael Staudt
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Flensburg

Sauermann galt als überregional gefragter Vertreter des Historismus, einer Stilrichtung, die vergangene Epochen wieder aufleben ließ. „Von Sauermann führt sozusagen eine direkte Linie zu Shabby Chic und Retro-Trends“, sagt Museumsdirektor Michael Fuhr. Kuratorin Madeleine Städtler hat dieser Linie nachgespürt und ausgehend von der Frage nach der Aktualität des Historismus erstaunliche Entdeckungen gemacht.

Schick ist, was gestern war

Brandneue Möbel mit künstlicher Patina oder schadhaftem Anstrich,  Elektrogeräte und Kleidung im 50er-Jahre-Design, ganz zu schweigen von der Oldtimer-Begeisterung: Schick ist, was gestern war. Protzig prunkende, nagelneue Barocksessel Made in China sind vis à vis von Schränken des echten Historismus aufgebaut.  Im Unterschied zu den  hastig zusammengeschraubten Exponaten des Pseudobarock sind letztere  allerdings in ausgezeichneter Handarbeit gefertigt. Die findet sich auch im Flügelaltar des Hamburgers Andreas Neuffer, der anstelle von Heiligenfiguren Fußballspieler  unter gotischem Maßwerk agieren lässt. Feine Ironie findet sich allenthalben.  In Suscha Kortes gemalten Barockzitaten etwa, oder in der Interpretation des Vanitas-Motivs von René Schoemakers, der einen Totenschädel aus bunten Legosteinen gebaut hat.

Interventionen auch in der ständigen Sammlung

Durch beide Häuser des Museums zieht sich die Ausstellung und macht auch von der ständigen Sammlung nicht Halt. Zwischen dem Mobiliar aus Sauermanns Beständen, teils aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf im Depot ans Licht geholt, sorgen aktuelle Interventionen für manch schrägen Hingucker. Sehr sehenswert.  

Museumsberg Flensburg. Bis 21. Oktober. Di-So 10- 17, Do bis 20 Uhr

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