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Kultur Grenzerfahrungen
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08:53 09.11.2019
Von Ruth Bender
Beleuchten Grenze und Mauerfall: (v.li.) Ehrhard Rimek, Anke Müffelmann und Susanne Kollmann. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Mit Erhard Rimek haben die beiden Kieler Künstlerinnen einen ehemaligen Bürger der DDR eingeladen, dessen Ausreiseantrag 1988 stattgegeben wurde. Rimek zeigt vier großformatige Bilder, entstanden im Jahr seiner Ausreise. Friedhof meiner Träume nennt er ein Gemälde mit welken Blumen, die weggeworfen zwischen windschiefen Kreuzen auf einem Hügel liegen. „Bereits 1986 hatte ich mich von dem Glauben getrennt, dass die DDR ein humanistischer Staat ist, und beschlossen, mit meiner Arbeit ernsthaft gegen die Staatsmacht zu opponieren“, erzählt der 78-Jährige. Zunehmend abstrakt ist die Formensprache seiner betongrauen Mauerbilder, in denen er mit Schlieren von blutigem Rot die Menschenrechtsverletzungen an der Grenze anprangert.

Erinnerung und aktuelle Flüchtlingssituation

Erinnerungskultur ist ein Schwerpunktthema in der Kunst von Anke Müffelmann. Ausgehend von einem munter-bunten Wappen mit der Aufschrift „Zonengrenze“, das an die Stocknägel eifriger Wandersleute erinnert, hat die Landesschau-Preisträgerin 2018 in der Wandinstallation Todesstreifen auf Augenhöhe eine Reihe von 36 formgleichen Objekten aufgehängt – Negative des farbigen Prototyps. Der Anblick der pechschwarzen Objekte stößt beinahe automatisch Gedanken an jene an, die den versuchten Grenzübertritt mit dem Leben bezahlten. Ähnliche Assoziationen stellen sich ein angesichts der Bodeninstallation Tränenmeer, deren wie ausgewrungene Wäschestücke aussehenden keramische Objekte auf die aktuelle Flüchtlingssituation anspielt.

Susanne Kollmanns "Letzte Mahlzeiten"

Den Blick in die Gegenwart richtet auch Susanne Kollmann. „Wie gehen wir mit den Zuständen an den Flüchtlingsrouten, den Grenzen und den Lagern um? Wo sind die Werte hin, wo die Forderungen nach Freiheit, Selbstbestimmung und menschlicher Würde, die wir zum 30. Jahrestag des Mauerfalls feiern?“ – Fragen, die die Künstlerin umtreiben. „Wäre morgen dein letzter Tag – was würdest du essen?“ hat sie auf weiße Tellern geschrieben, die auf schlichten Holzregalen platziert sind. Daneben hängen Fotografien von Holzbrettern, auf denen in kunstvoller Sorgfalt Zutaten für „letzte Mahlzeiten“ gruppiert sind. Die Rezepte hat Kollmann von Besuchern im Rahmen mehrerer Performances zusammengetragen. Auf den ersten Blick anheimelnd wirkt eine Installation mit Sesseln und Grünpflanze vor einem weißen Wandvorhang. Der Stoff ist bedruckt mit kreisrunden Mustern, die sich bei näherem Hinsehen als Texte erweisen, zusammengestellt aus Nachrichten zum aktuellen Grenz- und Flüchtlingsgeschehen. Schon eine stichprobenartige Lektüre macht jede Illusion von Behaglichkeit zunichte.

Heiligendammer Straße 15. Bis 1. Dezember. Fr/Sa 15-18, So 12-18 Uhr. Performance „Letzte Mahlzeiten“ 23. Nov, 19-23 Uhr (nur mit Anmeldung). atelierhaus-im-anscharpark.de

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