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Kultur Axel "Aki" Bosse: Ich liebe Heavy Metal
Nachrichten Kultur Axel "Aki" Bosse: Ich liebe Heavy Metal
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10:29 12.10.2018
Von Thomas Bunjes
Empfindet seine Karriere als organisch gewachsen: der Singer-Songwriter Axel Bosse. Quelle: Tim Bruening
Kiel

Nimmt man die Charts-Einstiege deiner Alben, wirkt deine Karriere organisch gewachsen seit der ersten, rockigen Single „Kraft“.

Bosse: Ja, stimmt. Gerade aus der Zeit von „Kraft“ weiß ich noch alles, weil das so die ganzen ersten Male waren. Als MTV das auf Power-Rotation genommen hat, obwohl wir keinen Plattenvertrag hatten.

In „Kraft“ heißt es: „Stillstand ist Vergangenheit, wir haben nur ein Leben.“ 14 Jahre später singst du in „Alles ist jetzt“: „Das Leben ist kurz, zu kurz für ein langes Gesicht.“ Zieht sich Carpe diem durch dein Werk?

Carpe diem ist ja eigentlich ein alter Hut. Aber ich muss mir das offenbar in meinem alltäglichen Leben und meiner Kunst immer wieder klar machen. Das zählt mehr als alles andere. Bei mir geht es oft ums Glück. Und da ist der Moment etwas ganz Wichtiges.

Carpe diem kann ja in Hedonismus münden: Genieß’ den Moment, koste alles aus, die Welt geht eh den Bach runter.

Das sind ja immer so Wasserstände. Gerade in „Alles ist jetzt“ ist es das, was ich aus den letzten zwei Jahren mal sagen wollte, um wieder zurückzukommen. Ich weiß, dass es oft viel schwieriger ist als in so ’nem Song. Aber dafür ist Musik ja manchmal auch da: Gerade in der jetzigen Zeit ’ne Haltung zu haben, die Sachen auch mal schwarz zu malen, denn es ist im Moment eben scheiße mit dem ganzen Rechtsruck. Aber man muss da entgegengehen mit ’ner total guten, bunten, kraftvollen Energie und mit ’nem Optimismus – den man niemals verlieren darf – dass wir Sachen zum Guten drehen können, dass man da überzeugen kann.

Ich habe auf dem I-Pad „Bosse“ gegoogelt. Wusstest du, dass man dann auf der ersten Seite unterm Wikipedia-Eintrag unter Genres „Metal und Rock“ liest?

Isses so? Geil! Habe ich so noch gar nicht gesehen, finde ich aber gut. Noch vor „Kraft“ hab’ ich öfter mal live vor Emil Bulls oder Such A Surge allein auf der Gitarre gespielt. Was manchmal ein bisschen lebensgefährlich war und ein bisschen irre. Das ist jetzt die einzige Verbindung zu Metal, die ich auf der Bühne hatte. Sonst liebe ich Metal.

Metal ist ein Favorit von dir?

Nein, Favorit nicht. Also ich bin so Dorfjunge und wir haben damals Die Ärzte gehört, aber auch Metal. Ich war schon auf bestimmt – kein Witz! – zwölf Slayer-Konzerten, hab’ auch Pantera gehört und mir zu Sick Of It All die Fresse eingerannt. Letztens hab’ ich aufm Taubertal Festival gespielt und vor mir Sick Of It All, was ’ne krasse Mischung war.

Auf der neuen CD haben sich Electro und Dance nach vorn geschoben, in „Alles ist jetzt“ oder „Augen zu Musik an“.

Die größte Aufgabe ist immer, aus meiner eigenen kleinen Favela rauszukommen, was Musik und Texte angeht. Ich arbeite so, dass ich ’nen Song schreibe und schaue: Was hat denn der jetzt eigentlich verdient?

Direkt aufs Mitsingen in der Arena scheint das folkig schunkelnde „Hometown“ zu zielen ...

Melodie und Hooklines, da steh’ ich drauf. Ich fange selten mit ’ner Hookline an, aber bin immer froh, wenn eine da ist. Wenn die sich verfestigt, ist es super. Wenn sie nervt, ist es scheiße.

In deinen Videos tauchst du öfters selber auf. Wäre Schauspielerei was für dich?

Ich kriege oft Anrufe von Regisseuren – auch gute. Ich habe bis jetzt immer abgesagt, weil dieser Beruf das absolute Gegenteil von dem ist, was ich immer machen wollte. (lacht) Texte auswendig lernen, mich in irgendwas reinfühlen und vor allem, von Regisseuren oder so abhängig zu sein. Und ich finde diese Wartezeiten an den Sets unfassbar beschränkt. Doch ich hätte schon mal Bock, aber hab’ mich bis jetzt noch nicht getraut.

Eins noch: letzter Platz in der dritten Liga, acht Punkte. Macht sich der Eintracht-Braunschweig-Fan Bosse Sorgen?

Ich mach’ mir immer Sorgen. Aber ich finde, dass sie besser spielen denn je. Und der ganze Rest, der nennt sich, glaube ich, Tore schießen. (lacht) Das ist auch der Grund, warum sie abgestiegen sind: weil sie einfach nicht gespielt haben. Aber es sieht nicht nach ’nem glatten Wiederaufstieg aus ...

Das Bosse-Konzert am 9. November 2018 in der Kieler Halle 400 ist bereits ausverkauft.

Am 11. Oktober war Bosse zu Gast im "Neo Magazin Royale" im ZDF. Hier sehen Sie die Folge in ganzer Länge.

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