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Kultur Gedankenstrom über das Gelingen
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15:11 18.09.2019
Von Oliver Stenzel
Beliebter Stammgast im Kieler Metro-Kino: Axel Hacke. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Im Moment laufe es ja nicht so richtig bei Holstein Kiel, aber 1930 sei der Verein immerhin deutscher Vizemeister geworden, erinnert der ehemalige Sportreporter und ergänzt, dass man daher an der Förde 2030 den 100. Jahrestag dieses Ereignisses feiern könne: „Wenn man sonst schon nichts hat.“ Bevor ihm diesen Kommentar jemand übelnimmt, relativiert er und berichtet lakonisch, dass er seine aktuelle Lesereise gestern in Lübeck begonnen habe: „Muss ja auch mal sein.“

Geburtstagsrede eines Nachrufschreibers

Der Norden darf sich trotz solcher Spitzen insofern geehrt fühlen, als dass Axel Hacke hier zum ersten Mal aus seinem neuen Buch "Wozu wir da sind. Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben" (Kunstmann Verlag) liest. Der Titel ruft Assoziationen zu Werken namhafter Stoiker, Gebrauchsphilosophen wie Wilhelm Schmid und Kinderbüchern hervor, die jeweils nicht völlig unbegründet sind. Noch vor dem Thema des Buches habe die Idee festgestanden, es in Monologform zu verfassen, berichtet Hacke. Hierfür habe er die Figur eines hauptberuflichen Nachrufschreibers ersonnen, der erstmals eine Geburtstagsrede halten und dabei das Thema des gelungenen Lebens umkreisen soll. Auf über 230 Seiten verzettelt sich dieser kunstvoll über seinem Vorhaben und konfrontiert seinen unbekannten Zuhörer mit einem breiten Gedankenstrom über das Gelingen.

Von untergehenden Alltagsgestalten

Dass dieser vom Tonfall her über weite Strecken melancholisch gefärbt ist, spiegelt sich auch in der vergleichsweise stillen Atmosphäre im Metro-Kino während der ersten Lesungshälfte. Wenn Walter Wemut mit Hackes Stimme von untergehenden Alltagsgestalten wie dem Zeitungsverkäufer erzählt oder den Freitod eines minderbegabten Journalisten durch die Brille von Rainer Maria Rilke betrachtet, kommt hier tatsächlich Nachrufstimmung auf. Auflockerungen sind dem Publikum willkommen: Singt Axel Hacke bei seinen Ausführungen zu Leben und Tod des Sängers Gus Backus den Refrain aus dessen bekanntestem Lied „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“, ertönt das „Uff!“ an seinem Ende aus vielen Kehlen durch den Saal.

Umschalten in den Belustigungsmodus

Nach der Pause darf dann in den Belustigungmodus umgeschaltet werden. Aus dem Bücherstapel an seiner Seite wählt Hacke den Kolumnenband aus, deklamiert daraus 20 Jahre alte Goodies und kontrastiert sie mit aktuellen Betrachtungen zum Thema Brexit und SUV aus der Manuskriptmappe. Zur Zugabe folgt ein starkes Stück im Stile eines Donald Trump. Dann verabschiedet sich einer der beliebtesten Stammgäste des Metro, dessen Lesungskalender bis den Februar gefüllt ist. Am nächsten Tag wird er in Lüneburg zu Gast sein, gefolgt von Uslar. Dagegen wird Kiel richtig großes Kino gewesen sein.

Mehr über Kultur aus der Region lesen Sie hier auf www.kn-online.de/kultur

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