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Kultur Schon eine Art Heimspiel
Nachrichten Kultur Schon eine Art Heimspiel
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19:30 25.08.2014
Von Kai-Peter Boysen
Einfühlsamer Interpret mit entwaffnender Publikumsnähe: der in Eutin geborene Axel Prahl. Quelle: A. Nickolaus
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Eutin

Heimspiel für den Holsteiner Jung, in Eutin geboren und in Neustadt aufgewachsen. In legerem Outfit und mit Schnauzbärtchen eröffnet Prahl mit Gitarre solistisch den Abend unter einem wolkenfreien Himmel. Gershwins Summertime lässt sich da doch gleich viel leichter genießen. „Lieder aus meiner Jugendzeit“ sind im ersten Teil des Konzertes zu hören, wie With A Little Help From My Friends, zu dem Prahls neunköpfiges Inselorchester die Bühne betritt und mit ihm eine sehr lässige Version zwischen Salonlöwen-Jazz und melancholischer Beatles-Atmosphäre ins Rund entlässt.

 Orchesterleiter und Arrangeur Danny Dziuk sitzt am E-Piano und fungiert überdies als Prahls Sidekick, man scherzt und lacht über verpasste Karriereschübe, zu Dziuks Song Ich bin zu alt liefert Prahl eine Rap-Einlage. Dass er ein ausdrucksstarker Interpret ist, kommt in der dunklen, tief gehauchten Chanson-Fassung von Roy Blacks Du bist nicht allein, dem sanft wogenden Rio-Reiser-Titel Übers Meer und der anrührenden Ballade Vater zur Geltung. Das Lied stammt vom ostdeutschen Liedermacher Gerhard Gundermann und war der Ursprung von Prahls Musikerkarriere: Er wurde vor drei Jahren „im zarten Alter von 51“ gefragt, ob er auf einer Gedenkfeier für den 1998 verstorbenen DDR-Barden eines von dessen Liedern singen wolle. Dieser Auftritt beeindruckte nachhaltig, 2012 veröffentlichte Prah sein Debütalbum Blick aufs Mehr, das den zweiten Teil des Konzerts bildet. Jetzt ist seine Publikumsnähe entwaffnend, man hat das Gefühl, als sitze man beim Bier neben einem guten Kumpel am Tresen.

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 Reise, Reise ist ein wundervoller Shanty, der Prahls Kauzigkeit und poetische Kraft aufs Angenehmste vereint. Warum bist du immer noch da? lässt einfühlsam teilhaben am Blick zurück auf eine verlorene Liebe, Ich bin nun mal so ist ein walzerndes Statement des rauen Typen und Sohnes der Stadt, die jeden Schritt ihres Helden begeistert mitgeht. „Komm, lass dich treiben, denk nicht so viel nach, es wird weitergehn“, machen Prahl und sein Inselorchester vor. Jedem Musiker wird improvisatorischer Freiraum gelassen, es bleibt alles locker bei Axel Prahl, der zwar zum rockigen Ende gegen das „Bla, bla, bla“ giftet, dessen Herzlichkeit jedoch selbst dem Regen das Tropfen verschlagen hat.