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Kultur Weihnachtsoratorium in Kiel und Region
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18:55 05.12.2019
Von Christian Strehk
Blick auf das Denkmal für Komponist Johann Sebastian Bach vor der Thomaskirche in Leipzig, für deren Gottesdienste die Kantaten des Weihnachtsoratoriums entstanden. Quelle: Hendrik Schmidt
Kiel

Selbst Goethe kommt ehrfürchtig ins Stammeln, wenn er von Johann Sebastian Bach schwärmt: „Als ich diese Musik hörte, da vernahm ich etwas von dem, wie es sein müsste in Gott, gerade bevor Gott die Welt erschaffen hat. Und es war mir, als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen und weiter keine übrigen Sinne besäße noch brauchte...“

Dabei wird es wahrscheinlich „nur“ reine Instrumentalmusik gewesen sein, die ihn so begeisterte. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass ihn auch das Weihnachtsoratorium, der berühmte „WO“-Zyklus von sechs Kantaten aus den Leipziger Reifejahren des Thomaskantors, enorm angesprochen hätte. Liturgisch vorgesehen waren die musikalischen Gottesdienst-Musiken von 1734/35 ja erst ab dem ersten Weihnachtsfeiertag bis Epiphanias im neuen Jahr.

Doch schon am 6. Dezember beginnt das Kieler Vokalensemble um 19.30 Uhr unter der Leitung von Falk Schneppat den Reigen in der St. Jürgen Kirche im Kieler Königsweg. So gesehen ist auch der Akademische Chor unter Leitung von Volker Mader am 16. Dezember um 20 Uhr in der Petruskirche-Wik früh dran.

Das ist das Weihnachtsoratorium

Bachs berühmtes, zumindest in Part I bis III vielgespieltes Weihnachtsoratorium ist zusammengesetzt aus sechs Festgottesdienst-Kantaten (drei Weihnachtsfeiertage, Neujahr, Sonntag nach Neujahr und Dreikönigstag) und hat die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, die Anbetung durch die Hirten und der drei Weisen aus dem Morgenland zum Thema. Bei der Komposition in den Jahren 1734/35 schöpfte der Barockmeister und Leipziger Thomaskantor zum Teil aus früheren, nun umtextierten Werken ("Parodieverfahren"). Ein gutes Beispiel ist gleich der Eingangschor, der zuvor als festliche Geburtstagskantate für eine sächsische Fürstin diente. Ursprünglicher Text: nicht "Jauchzet, frohlocket", sondern "tönet ihr Pauken, erschallet, Trompeten".

Bachs Weihnachtsoratorium in Nortorf, Rendsburg, Kiel

Andere rücken ganz nah an Weihnachten heran. Am 21. Dezember um 18.10 Uhr dirigiert Ulrich Hein in Nortorf zumindest die jauchzende Eröffnungskantate und kombiniert sie trefflich mit etwas rareren Werken aus der Schwangerschaft Mariens. Am vierten Advent, dem 22. Dezember, ist es dann um 17 Uhr in St. Marien Rendsburg und um 18 Uhr in St. Nikolai Kiel kurz vor dem offiziellen Geburtstermin so weit. Volker Linhardt leitet den Kantatenchor an der Eider und stellt Corellis Weihnachtskonzert zwischen die Teile I und III. Kiels Kirchenmusikdirektor Volkmar Zehner setzt mit dem Sankt-Nikolai-Chor die ersten drei Kantaten stimmig mit der sechsten in abrundende Trompetenglanz-Beziehung.

Video: Der Kieler Knabenchor mit dem Weihnachtsoratorium

Bachs Weihnachtsoratorium als Mitsing-Event

Noch „richtiger“ platziert ist das traditionell heiß gestrickte Mitsing-Event, das Heiligengeist-Kantor Andreas Koller am 27. Dezember für Bach-Begeisterte in der Kieler Pauluskirche anbietet: das „offene“ Weihnachtsoratorium I-III plus aktuell Teil V – nach Anmeldung für Mitwirkende und bei freiem Eintritt für Zuhörer.

Mittenrein, am 15. Dezember um 19 Uhr in der ACO Thormannhalle in Büdelsdorf sowie am 16. Dezember um 20 Uhr in der Lübecker Gollan-Kulturwerft, grätscht das SHMF: Hier erklingt aber die amüsant ins heute gebeamte, fantasievoll bearbeitete Weihnachtsoratorium-Version des Hamburger Ensembles Resonanz – als „urbane Hausmusik“ mit Gitarren und Vintage-Keyboards. Da brauchen konservative Bach-Fans starke Nerven ...

Attraktive Alternativen zum Weihnachtsoratorium in Kiel, Plön und Neumünster

Andersartige Alternativen gibt es auch: Am 7. Dezember integriert die Chorgemeinschaft Sankt Nikolaus unter Regionalkantor Werner Parecker um 18 Uhr in der Kieler Rathausstraße Bachs protestantische Choralkantate Wachet auf, ruft uns die Stimme in eine katholische Messe. Am 22. Dezember ertönt Händels Messiah ab 17 Uhr in der Nikolaikirche Plön unter KMD Henrich Schwerk. Und der Bachchor Neumünster weicht elegant auf den 5. Januar aus: Da kombiniert Karsten Lüdtke um 18 Uhr in der Vicelinkirche glanzvolle Dresdner Psalmvertonungen des Bergedorfer Barockmeisters Johann Adolf Hasse mit Bachs prächtigem Magnificat. Was nicht nur für einen Goethe eine göttliche Horizonterweiterung verspricht.

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