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17:51 17.06.2018
Foto: Die 37-jährige Geigerin Baiba Skride glänzte mit Sergej Prokofjews Zweitem Violinkonzert g-Moll op. 63 zur Kieler Woche im Schloss-Saal an der Förde.
Die 37-jährige Geigerin Baiba Skride glänzte mit Sergej Prokofjews Zweitem Violinkonzert g-Moll op. 63 zur Kieler Woche im Schloss-Saal an der Förde. Quelle: Marco Ehrhardt
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Baiba Skrides Solopart in Sergej Prokofjews "Zweitem Violinkonzert" blüht schlichtweg hinreißend: Ihre derzeitige Stradivari „Yfrah Neaman“ singt wie eine Nachtigall, zwitschert und keckert, dass man mit den Ohren an den innig eindringlichen Violintönen klebt und das scheinbar schwerelose Schwirren der virtuosen Partien ganz gebannt zu verfolgen versucht.

Geschmeidige Philharmoniker unter Carlberg

Am Pult lässt sich Daniel Carlberg gerne davon anstecken, vollführt erstaunliche Körperwindungen, um der Solistin möglichst gewandt und reaktionsschnell zu Diensten zu sein. Überhaupt weben die Kieler Philharmoniker unter seiner Leitung ein geschmeidig neoklassisches Klanggewand.

Publikum rätselt über Zugabe

Erstaunlich fällt die Wahl ihrer Zugabe als Dank für tosenden Beifall aus. Sie passt im Flirren über die Saiten bestens zu Prokofjew und klingt wie Minimal Music des 20. Jahrhunderts, ist aber tatsächlich über dreihundert Jahre alt: Es handelt sich um die d-Moll-Violinsonate Nr. 3 von Johann Paul von Westhoff.

Rachmaninow in Konzert und Oper

Dass die Philharmoniker dieser Tage unter Carlberg mit Rachmaninows überaus lohnenden Einaktern "Aleko" und "Francesca da Rimini" im Opernhaus glänzen (Termine noch am 20. Juni sowie 5. und 8. Juli), merkt man im Konzert an der Selbstverständlichkeit, mit der sie auf ihren Instrumenten Russisch sprechen. Schon Rachmaninows Sinfonische Dichtung "Die Toteninsel" nach dem berühmten Gemälde von Böcklin, wird reich schattiert.

Furioser Borodin

Auch zur Zweiten Symphonie des international berühmten Chemikers Alexander Borodin findet Carlberg rasch den atmosphärischen Zugang. Das wegen seiner hakeligen Rhyhthmik gefürchtete Scherzo wird erstaunlich knackig bezwungen. Im Andante gelingt es hervorragend, die weitgespannte Melodik Borodins zauberhaft ins Strömen zu bringen. Und das Finale entfesselt furios Volksfeststimmung.

Das Konzert wird am 18. Juni um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt. Einführung 45 Minuten vor Beginn. Karten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

www.musikfreunde-kiel.de

Von Christian Strehk

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